ren Bundestagungen debattiert worden war, förderten die Jahressitzungen doch den
inneren Zusammenhalt unter den Bundesmitgliedern. Nach 14 Jahren gab die Bundesversammlung
nur noch eine inhaltsleere Kulisse für die Inszenierung des nächsten
Nachmittags ab - bezeichnenderweise blieb selbst der Bundesvorsitzende Simon der
Veranstaltung fern. So lag es an seinem Stellvertreter Debusmann, die Versammlung
mit dem gemeinsamen Singen des Saarliedes zu schließen121.
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Saarkundgebung122. Ab dem frühen
Vormittag fanden an verschiedenen Stellen der Stadt sportliche Veranstaltungen statt,
denen in den anschließenden Berichten nicht die gleiche Beachtung geschenkt wurde
wie den nach Konfessionen getrennten Feldgottesdiensten. Knapp zwei Monate nach
der blutigen Säuberungsaktion an Regimekritikern, der neben SA-Führern auch
mehrere angesehene Vertreter des politischen Katholizismus zum Opfer gefallen
waren, nutzte das Regime die Gelegenheit, das Vertrauen der in Unruhe geratenen
Katholiken zurückzugewinnen. Insbesondere im Hinblick auf die religiös tief verwurzelte
saarländische Bevölkerung konnte die NS-Führung nicht den Vorwurf der
Kirchenfeindlichkeit auf sich sitzenlassen123.
Der Aufmarsch der Teilnehmer erfolgte entweder von den Unterkünften oder direkt
von den Bahnhöfen in geschlossenen 6er-Formationen über fünf Routen zum Ehrenbreitstein124.
Mehrere Hundertschaften der Polizei aus Koblenz, Köln. Frankfurt,
Hanau und Bonn, 2.000 Mann vom SS-Oberabschnitt Rhein sowie insgesamt 13.000
SA-Männer aus verschiedenen Brigaden achteten darauf, daß die Kolonnen ständig
in Bewegung blieben. Aus Sicherheitsgründen war beim Überschreiten der Brücken,
deren Pfeiler seit dem Vorabend überwacht wurden, Gleichschritt und Marschmusik
verboten125. Zur Entlastung der Fähren und vorhandenen Rheinübergänge bildeten
mehrere Dampfschiffe eine zusätzliche Brücke, die ausschließlich für die mit einem
Festabzeichen geschmückten saarländischen Besucher reserviert blieb. Symbolträchtig
überragte in der Mitte des Flusses ein Modell des Winterbergdenkmals die
121 Vgl. SF 15 (1934) 18/19, S. 367-372. Der Abend klang mit einem Saar-Heimatabend in der Koblenzer
Rhein- und Stadthalle aus.
122 Vgl. hierzu die reich illustrierte 32seitige Broschüre: Saar-Treuekundgebung auf dem Ehrenbreitstein
am Sonntag, den 26. August 1934; SF 15 (1934) 18/19. S. 372-377. Vgl. ebenso: HARIG, S. 57 ff. Zu
den Presseberichten über die Tagung und die Staffel vgl. BayHStA, Slg. Rhese 2230 ff.; SK 13
(1935), S. 153-156; Sonderausgabe des „Nationalblattes“ (26.08.34); „Nationalblatt“ Nr. 196 und Nr.
197 (27.08.34 und 28.08.34); „Koblenzer Generalanzeiger“ Nr. 196 und Nr. 197 (27.08,34 und
28.08.34); „Koblenzer Volkszeitung“ Nr. 197 (28.08.34); „Saardeutsche Illustrierte“ Nr. 26
(12.09.34). Sonstige euphorische Reaktionen der deutschen Presse, die insbesondere den reibungslosen
Ablauf in den Vordergrund stellte, in: PA AA, II a Saargebiet, R 76.097.
123 Vgl. DNB-Bericht (27.08.34), in: PA AA, II a Saargebiet, R 76.098; SF 15 (1934) 18/19, S. 372.
124 Während sich die Kundgebungsareale in Koblenz mit Menschen füllten, eröffnete Hitler mit seinem
Propagandaminister rheinabwärts die Kölner Saarausstellung.
123 Vgl. Sonderbefehl Nr. 2 des Regierungspräsidenten (21.08.34). in: StA Koblenz, 623/6194; „Saar-Zeitung“
Nr. 198(01.09.34).
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