Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

preußischen  Staatsrates  Spaniol  gegen  die  Bestimmungen  der  Verordnung  vom  20,
Mai  1933  zur  Aufrechterhaltung  der  Ordnung  und  öffentlichen  Sicherheit
verstießen1'1'’.  Weitergehende  Konsequenzen  hatte  die  Angelegenheit  allerdings  nicht.
In  den  Tagen  vor  und  nach  den  Kundgebungen  wurde  die  Auseinandersetzung
zwischen  den  Niederwaldfahrern  und  Besuchern  der  beiden  Gegenveranstaltungen
vielfach  auf  der  Straße  ausgetragen.  Diejenigen,  die  nicht  an  den  Rhein  pilgern
konnten  oder  durften,  waren  aufgefordert,  ihre  Verbundenheit  durch  Beflaggung  der
Häuser  zu  zeigen,  Nach  Ansicht  des  „Saar-Freund“  sei  das  Saargebiet  infolgedessen
ein  rauschendes  Fahnenmeer  und  geschmückt  mit  nationalsozialistischen  Symbolen
gewesen  ",7.  Um  auch  über  den  Besucherkreis  hinaus  in  das  Saargebiet  auszustrahlen,
rief  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  dazu  auf,  am  Tag  der  Kundgebung  allerorten
die  Festabzeichen  zu  tragen,  die  über  die  saarländischen  Vereine  und  Verbände  zu
beziehen  waren"".  Während  der  Kirmes  in  Püttlingen  zahlten  einige  Sympathisanten
dafür  einen  hohen  Preis:  Sie  wurden  wegen  ihres  Abzeichens  gewaltsam  aus  dem
dortigen  Volkshaus  entfernt  und  mißhandelt.  Zumindest  den  Meldungen  des  Saarlouiser
  Generalstaatsanwalts  zufolge  standen  die  Rückgliederungsgegner  ihren
Kontrahenten  im  Sommer  1933  in  nichts  nach,  was  ihre  Präsenz  auf  der  Straße  und
Gewaltbereitschaft  betraf* 109.
2.3.2 Die  Ehrenbreitsteinkundgebung  (26.  August  1934)
Nach  dem  überwältigendem  Erfolg  der  Niederwaldtagung  lag  es  auf  der  Hand,  daß
Simon  die  letzte  große  Saarkundgebung  vor  der  Abstimmung  ebenfalls  in  seinem
Gaubezirk  austragen  lassen  würde,  um  so  die  Vorbereitungen  unter  seiner  unmittelbaren
  Kontrolle  treffen  zu  können.  Die  Rüdesheimer  Bundestagung  war  noch  nicht
vollends  propagandistisch  ausgeschlachtet,  da  brachte  er  schon  den  Ehrenbreitstein
bei  Koblenz  als  Veranstaltungsort  für  das  Folgejahr  ins  Spiel  und  ließ  in  dem  preußischen
  Verwaltungs-  und  Verkehrszentrum  am  Rhein  erste  vorbereitende  bauliche
Maßnahmen  treffen"0.  Anderenorts  hätte  er  günstigere  Rahmenbedingungen  vorfinden
  können:  Ein  noch  immer  kaum  gebrochener  Einfluß  der  katholischen  Kirche
sowie  der  vergleichsweise  langsame  Rückgang  der  Arbeitslosenzahlen  hatten  zur
Folge,  daß  die  Zustimmung  der  Koblenzer  Bevölkerung  -  ohnehin  durch  zahlreiche

!ö6  Vgl.  Procès-Verbal  der  687.  Sitzung  (29.08.33),  in:  LA  Saarbrücken,  NL  Koßmann  20:  LIV.  periodischer
  Report  der  Reko  (30.06.33),  in:  JO  14(1933)  10-1,  S.  1126  ff.
107  Vgl.  SF  14  (1933)  18,  S.  320.
IOii  Vgl.  SF  14  (1933)  15,  S.  247.  Nach  offizieller  Lesart  waren  die  Gelder  für  die  Tagung  bis  auf  den
letzten  Centimes  aus  freiwilligen  Spenden  sowie  durch  den  Verkauf  dieses  Festabzeichens  aufgebracht
  worden:  Vgl.  SF  14  (1933)  18,  S.  336.
109  Vgl.  20.-22.  Bericht  des  Generalstaatsanwalts,  in:  Arch.  SDN,  C  338/140.  In  den  meisten  Fällen  ging
es  allerdings  nicht  so  brutal  wie  in  Püttlingen  zu,  sondern  wurden  einzelne  Personen  wegen  des
Anbringens  antifaschistischer  Parolen  an  Gebäuden  oder  auf  öffentlichen  Wegen  verurteilt.
1  !0  Vgl.  Brief  der  NSDAP-Gauleitung  Koblenz-Trier  an  den  Oberbürgermeister  von  Koblenz  (25.09.34),
in:  StA  Koblenz,  623/6194.

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