deutschen Saarpropaganda das Feld
nicht kampflos überlassen wollten.
Schon Tage vor dem großen Kräftemessen
gab sich Max Braun in der
„Volksstimme“ siegessicher: Auch
wenn er ein Verbot der Sonderzüge
durch die Regierungskommission für
angemessen halte, plädiere er dafür,
die Saarländer an den Rhein fahren
zu lassen. Schließlich würden die
Kontakte mit der einfachen Bevölkerung
am Rhein dafür sorgen, daß die
Saarländer dem neuen Regime anschließend
kritischer gegenüberständen"10.
Braun irrte sich kolossal, sollte
er wirklich geglaubt haben, die Tagung
werde zu einem ernüchternden
Erlebnis für die Saarländer werden.
Alle Besucher - gleich welcher Veranstaltung
an der Saar oder am Rhein - wurden in ihren Erwartungen bestätigt: Die
Antifaschisten erfuhren in Saarbrücken und Neunkirchen moralische Stärkung ihrer
Positionen, während denjenigen, die sich über Saargebietsgrenzen begeben hatten,
ein beeindruckendes Spektakel geboten wurde. Die Vorstellung, daß ein noch unentschlossener
Besucher erst durch derartige Veranstaltungen überzeugt wurde bzw. gar
in das andere politische Lager wechselte, zeugt von einer gewissen Realitätsferne.
Lediglich eine schwach besuchte Veranstaltung hätte in diese Richtung wirken
können - ein weiterer Grund, weshalb es in erster Linie auf die äußere Form der
Kundgebungen und nicht auf die Inhalte der Redebeiträge ankam. Wer eine nationale
Feier mit dem neuen Reichskanzler am Rhein erleben wollte, sah ohnehin über die
von der gegnerischen Seite überbetonten Unannehmlichkeiten100 101 gerne hinweg:
Vielmehr legen die Ausführungen Brauns über angebliche Wucherpreise bei der
Verpflegung ein deutliches Zeugnis dafür ab, wie ratlos die saarländische Sozialdemokratie
nach der Niederwaldtagung war. Durch Karikaturen oder Spottverse in der
„Volksstimme“ versuchte sie, ihre Konfusion zu kaschieren:
100 Vgl. „Volksstimme“ Nr. 189 (16.08.33). Am Tag selbst stellte Braun die beiden Veranstaltungen
gegenüber: „Am Niederwalddenkmal wird demonstriert für: Unterdrückung, Ausbeutung, Krieg,
Mord, Sklaverei, Elend, Not, Knechtschaft, Muckertum, Feigheit, Gleichschaltung, Terror, mit einem
Wort Faschismus. In Neunkirchen demonstriert das klassenbewußte Proletariat für: Menschenrechte,
gegen Unterdrückung, Ausbeutung, Krieg, Mord. Sklaverei, Not und Elend. Für Freiheit und Recht.
Mit einem Wort für den Sozialismus.“ Vgl. „Volksstimme“ Nr. 198 (26.08.33). Vgl. hierzu BlES:
Klassenkampf, S. 94 f.
101 Vgl. „Volksstimme“ Nr. 204 und Nr. 205 (02.09.33 und 03.09.33).
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