sehen um die Teilnehmerzahlen. Erste
Schätzungen im Frühjahr 1933 prognostizierten
die Zahl der saarländischen
Besucher mit 15-20.000 Personen, ein
Wert, den der Vorsitzende des Saarbrükker
Arbeitsausschusses Anfang Juli
schon auf etwa 30.000 anhob. Kurz vor
Monatsende rechnete Wentzel mit insgesamt
50.000 Saarländern86. In der
Festnummer der Tagung gab sich Simon
zuversichtlich, daß allein in den 50 Sonderzügen
70.000 Saarländer anreisen
würden. Angesichts dieses Massenandrangs,
zu dem noch die reichsdeutschen
Besucher hinzugerechnet werden mußten,
zog die Stadt Rüdesheim in Erwägung,
den Wald um das Denkmal auslichten
zu lassen87.
Die saarländische Sozialdemokratie verfolgte
im Vorfeld der Tagung eine Doppelstrategie:
Zum einen zog sie die hohen
Zahlen eingegangener Anmeldungen
Die Saarkundgebung am Niederwalddenkmal in Zweife|_ die ohnehin nur durch massiven
Druck erreicht worden seien88, und versuchte zugleich, das am Niederwald
erwartete Bekenntnis zur Rückgliederung vorsorglich von der Zustimmung zur
nationalsozialistischen Regierung zu entkoppeln. Einen Tag vor Beginn der Bundestagung
streute die „Volksstimme“ die Nachricht, daß sich Hitler entgegen anderslautenden
Behauptungen inzwischen entschieden habe, auf einen Auftritt zu verzichten,
da er nicht mehr an einen Sieg der deutschen Option glaube89. Großer Erfolg war
derartigen Sabotagemaßnahmen nicht beschieden: Schenkt man den Angaben im
„Saar-Freund“ Glauben, so waren insgesamt 43 Sonderzüge mit 44.000 Personen zur
Tagung gerollt; außer 2.000 Eisenbahnern fuhren weitere 13.000 Personen mit
regulären Zügen. 18.000 Besucher seien mit Privatfahrzeugen, Bussen oder Krafträ¬86
Vgl. Brief des kommissarischen Regierungspräsidenten von Wiesbaden an das AA (06.05.33), in: PA
AA, II a Saargebiet, R 76.095; Sitzungsprotokoll vom 05.07.33 (06.07.33) und Telefonnotiz (29.07.33),
in: BA-R 8014/100.
87 Vgl. Brief der Stadt Rüdesheim an den Regierungspräsidenten in Wiesbaden (02.08.33), in: StA
Rüdesheim, 111/50.
88 Vgl. „Volksstimme“ Nr. 195 (23.08.33). Die Teilnehmerlisten, die ursprünglich helfen sollten, die
Kosten kalkulierbar zu machen, entwickelten sich zu Zwangsinstrumenten. So ließen sich letztlich auch
Skeptiker des Saarspektakels am Rhein eintragen, um dem sozialen Druck zu entgehen.
89 Vgl, „Volksstimme" Nr. 195 (23.08.33) und Nr. 197 (25.08.33).
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