Die Saarkundgebung am Niederwalddenkmal
dreißiger Jahre eingespielt hatte: Weniger der sachliche Diskurs als vielmehr die
äußere Wirkung war entscheidend. Allein die Anwesenheit Hitlers war der Grund,
weswegen sich Tausende Saarländer und Reichsdeutsche auf den Weg gemacht
hatten. Der Verzicht auf Vorträge wie bei früheren Tagungen sollte die Bedeutung
der Rede Hitlers in den Vordergrund stellen84. Seine Verspätung war ein gezielt
eingesetztes taktisches Mittel zur Steigerung der Spannung. Die Topographie des
Vorplatzes ließ zwar nicht die aus Wochenschauberichten über die Nürnberger
Parteitage bekannte Formierung der Zuschauer zu Menschenblöcken zu. doch dürfte
die gewaltige Menschenmenge hoch über dem Rhein vor der Kulisse des Denkmalgebirges
mit dem davor drapierten Fahnenwald, den Fanfarenklängen und der
Marschmusik eine eigene Faszinationskraft auf die Teilnehmer wie auch auf unbeteiligte
Beobachter ausgeübt haben.
Vergleicht man nun die Presseberichte über die Saarkundgebung am Niederwalddenkmal
in deutschen und französischen Blättern, so scheint es, als sei von zwei
verschiedenen Tagungen die Rede85. Am augenscheinlichsten wird das beim Feil¬84
Vgl. zu Reden Hitlers als Instrument zur Bestimmung des künftigen Kurses: JACOBSEN, S. 339-347.
85 Zu deutschen Presseberichten vgl. BayHStA, Slg. Rhese 2229; S.Z. Nr. 224 (26.08.33); S.Z. Nr. 225
(27.08.33); S.Z. Nr. 226 (28.08.33). Die Bandbreite der französischen Artikel reichte von Bewunderung
für das deutsche Organisationstalent, neidvollem Anerkennen des Erfolges bis zu unverhohlenem Haß
auf Hitler und - wie im folgenden dargelegt wird - Herunterspielen der Bedeutung der Kundgebung:
Vgl. die Aufzeichnung der Landespressestelle Saar (30.08.33), in: PA AA, II a Saargebiet. R 76.096.
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