vereine nur allzu gerne in die
Propagandamaschinerie einbauen
ließen77 78. Der Vormittag
begann mit der Darbietung
saarländischer Volkstänze; es
folgte ein Radballspiel. Barrenvorführungen
einer saarländischen
Turnerriege sowie
ein Fußballspiel zwischen
dem SC 1900 und dem VFW
Lützel, das mit dem Sieg der
saarländischen Mannschaft
endete. Schon während dieser Fahnendeputationen am Niederwalddenkmal
im Grunde unpolitischen Veranstaltung wurden die etwa 7.000 Zuschauer durch
Ansprachen des Bingener Bürgermeisters, Kellners und Spaniols auf die bevorstehende
Saarkundgebung am Nachmittag eingestimmt. Scheinbar spontan, quasi zur
Befriedigung eines tiefen inneren Bedürfnisses, wurden die einzelnen Beiträge mit
dem Singen des Deutschland- bzw. Horst-Wessel-Liedes bekräftigt. Das Luxsche
Saarlied sollte als pseudosakrales Credo erst am Niederwalddenkmal zum Vortrag
kommen.
Nach der Mittagspause zog sich ein stundenlanger prozessionsartiger Aufmarsch zum
Denkmal hin, an dessen Fuß etwa 100 Fahnenträger verschiedener Parteigliederungen,
des Stahlhelm, von Kriegervereinen und Ortsgruppen des Bundes Aufstellung
nahmen. Mit Fanfarenklängen der Reichswehrkapelle begann kurz nach 17 Uhr die
Kundgebung unter dem Protektorat von Hindenburgs. Während 600 Sänger des SSB
die ,,Mahnung“ Hans Heinrichs vortrugen7* und der „Treuschwur des Volkes an der
Saar“ von Lux verkündet wurde, kreiste ein Flugzeug über der Menschenmenge und
warf einen Blumenstrauß ab. Etwa 400 Ruderer zogen unterhalb des Denkmals auf
dem Rhein vorbei. Simon ergriff als erster Redner das Wort und heizte mit seinen
Ausfällen gegen die Kritiker am neuen Deutschland und die Emigranten an der Saar
die Stimmung an. Ebensowenig sparte er mit antisemitischen Haßtiraden und Polemiken
gegen führende Köpfe der Rückgliederungsgegner. Bevor der preußische Kultusminister
Rust, der vermutlich in das Programm eingeschoben wurde, um die Pause
bis zur Ankunft Hitlers zu überbrücken, sich in ähnlicher Weise wie sein Vorredner
zu Ausfällen gegen die Weimarer Republik, die Demokratie als solche und den
Marxismus im besonderen hinreißen ließ, leistete ein Saarbergmann - gewissermaßen
77 Vgl. den Aufruf der Arbeitsgemeinschaft West der Deutschen Kanuvereine (August 1933) sowie den
weiteren Schriftwechsel, in: LHA Koblenz, 661,11/23.
78 Vgl. Saar-Sänger-Bund 11 (1933/34) 7, S. 153 ff.; SF 14 (1933) 18, S. 328-332. Vgl. aus französischer
Sicht den ausführlichen illustrierten „Rapport sur la manifestation sarroise au Niederwald du 27 aoüt
1933“ (31.08.33), in: MAE, Sarre 281.
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