Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

„Den  niederdrückenden,  fast  maschenlosen  Verboten  den  Regierungskommission  entronnen,
werden  sie  aufatmen  in  freier  deutscher  Luft,  unter  leuchtenden  deutschen  Fahnen.  Sie  werden
überschäumen  vor  Begeisterung,  und  den  braunen  Kämpfern  Adolf  Hitlers,  der  SA.,  zujubeln,  die
im  Saargebiete  nicht  bestehen  darf.  Sie  werden  den  stürmischen  Drang  der  neuen  Jugend
verspüren,  das  unbegrenzte  Vertrauen  zu  Adolf  Hitler  und  den  Glauben  aller  an  einen  Wiederaufstieg
  zur  Freiheit  und  Größe  Deutschlands.  Was  sie  sehen,  hören  und  innerlich  erleben,  wird  sie
nicht  mehr  loslassen.  Der  Geist,  den  sie  in  sich  aufnehmen,  wird  sie  in  die  Heimat  begleiten  und
dort  fortwirken  bis  zu  der  Stunde,  wo  die  Grenzen  fallen,  die  Regierungskommission  die  Koffer
packt,  die  Verräter  ausreisen  und  beim  Klange  des  Deutschlandliedes  die  Fahne  des  Dritten
Reiches  hochgeht  zum  Zeichen  der  Wiedervereinigung  von  Saar  und  Reich.“68
Ebenso  wichtig  wie  die  Wirkung  auf  die  abstimmungsberechtigten  Saarländer  war  die
Resonanz  des  Auslandes  auf  die  Tagung,  da  sich  das  nationalsozialistische  Deutschland
  in  den  zurückliegenden  Monaten  international  weitgehend  isoliert  hatte69.
Um  ein  möglichst  einheitliches  Erscheinungsbild  zu  erreichen,  wurden  die  umliegenden
  Gemeinden  aufgefordert,  die  öffentlichen  Gebäude  ausschließlich  mit  Hakenkreuzfahnen
  zu  beflaggen  und  mit  Tannengrün  zu  schmücken.  Gleiches  galt  auch  für
die  Privathäuser70.  Noch  zwei  Tage  vor  der  Veranstaltung  schaltete  sich  Simon
persönlich  ein  und  befahl  die  Aufstellung  von  etwa  20  bis  30  Transparentbögen  in
Rüdesheim  und  Umgebung71.  Für  derartige  Vorbereitungsdienste  wurden  Angehörige
der  Hitlerjugend  und  Arbeitsdienstleistende  aus  dem  Lager  Bingen  rekrutiert.  Der
dortige  Bürgermeister  mahnte  im  Vorfeld  die  ansässige  Bevölkerung,  ihre  „vaterländische
  Pflicht“  zu  erfüllen  und  für  die  saarländischen  Volksgenossen  Quartiere  in
ausreichender  Zahl  zur  Verfügung  zu  stellen72 73.
Der  Verlauf  der  Tagung7  ,  ähnelt  nur  auf  dem  ersten  Blick  dem  Aufbau  früherer
Mitgliederversammlungen  des  Bundes.  Waren  diese  bisweilen  mit  Vorträgen  über
wirtschaftliche,  politische  und  kulturelle  Aspekte  der  Saarfrage  überfrachtet  gewesen,
so  beschränkten  sich  die  wenigen  Ansprachen  darauf,  der  großen  Rede  Hitlers  den
Boden  zu  bereiten.  Dies  zeigte  sich  bereits  während  der  Arbeitstagung  in  der  städtischen
  Festhalle  Bingen74.  Während  der  mehrstündigen  Versammlung  fiel  Debusmann
die  schwierige  Aufgabe  zu,  die  Verdienste  der  alten  Bundesführung  um  Dröge  und
Andres  gebührend  hervorzuheben  und  gleichzeitig  dem  neuen  Regime  zu  huldigen.
Da  Vogel  wegen  seiner  Augenoperation  selbst  nicht  an  der  Tagung  teilnehmen

68  SF  14(1933)  16/17,  S.  253.
69  Vgl.  hierzu:  KUHN,  S.  141-146;  MÜHLE.  S.  41-96.  Auch  das  französische  Mitglied  der  Reko  hegte
keinen  Zweifel  daran,  daß  nicht  alles  getan  werde,  „pour  frapper  l’opinion  publique  étrangère  par  le
caractère  grandiose  de  la  démonstration.:  Brief  Morizes  an  Außenminister  Paul-Boncour  (10.08.33),  in:
MAE,  Sarre  281.
70  Vgl.  Brief  der  Stadt  Rüdesheim  an  die  Lokalredaktion  (  18.08.33),  in:  StA  Rüdesheim.  III/50;  „Generalanzeiger
  für  den  Mittelrhein“  (19.08.33).
11  Vgl.  Brief  der  Organisationsleitung  der  Saarkundgebung  an  den  Bürgermeister  von  Rüdesheim
(24.08.33),  in:  StA  Rüdesheim,  III/50.
Vgl.  „Generalanzeiger  für  den  Mittelrhein“  (12.08,33).
73  Vgl.  Programmheft,  in:  StA  Rüdesheim,  III/50;  SF  14  (1933)  16/17,  S.  299-302;  SK  13  (1935),  S.  79
ff.  Mit  zahlreichen  Fotos:  Saar-Kundgebung  am  Niederwald-Denkmal  27.  August  1933;  VON  PüTTkamer,
  S.  83-112;  SF  14(1933)  18,  S.  318-341.
74  Vgl.  SF  14  (1933)  18,  S.  320-327;  VON  PUTTKAMER,  S.  92  und  S.  98.

337
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.