Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

diese  Darstellung  aus  propagandistischen
Gründen  notwendig.  Offiziell  stammten  alle
finanziellen  Mittel  für  den  verbilligten
Transport  aus  freiwilligen  Spenden,  die  im
Saargebiet  gesammelt  worden  waren,  offiziell
  riefen  nur  unpolitische  Vereinigungen
-  und  eben  nicht  die  erstarkende  saarländische
  NSDAP  -  zum  Besuch  auf,  und  offiziell
  war  wie  in  den  zurückliegenden  Jahren
der  unabhängige,  überparteiliche  und  interkonfessionell
  ausgerichtete  Bund  der  Saarvereine
  der  Ausrichter  der  Veranstaltung.
Dabei  war  dieser  zum  Zeitpunkt  des  Aufrufs
(10.  Juli)  bereits  von  verschiedenen  Seiten
ausgebootet  worden:  Schon  Anfang  Juni
hatte  das  Auswärtige  Amt  dem  aus  Bürckel,
Kiefer  und  Röchling  gebildeten  Aktionsausschuß
  auch  die  Zuständigkeit  für  die  Planungen
  zur  Bundestagung  übertragen61,  und
selbst  der  von  der  Geschäftsstelle  initiierte
Saarbrücker  Arbeitsausschuß  entschloß  sich
einen  Monat  später,  auf  dem  offiziellen
Kundgebungsplakat  von  Toni  Zepf  die
Hinweise  auf  den  Bund  als  Veranstalter  zu
entfernen62.  Gleichermaßen  unbeirrbar  wie
blauäugig  trieb  Vogel  unterdessen  die  Vorbereitungen  bis  Mitte  Juli  weiter63,  bis  die
Koblenzer  Gauleitung  die  Planungen  für  die  Saartagung  auf  der  gleichen  Sitzung,  in
welcher  Simon  putschartig  die  Bundesführung  übernommen  hatte,  an  sich  riß64.
Fortan  warb  die  NSDAP  mit  ihren  Gliederungen  im  Reich  für  die  um  eine  Woche
vorverlegte  Kundgebung  am  Niederwalddenkmal65;  die  ursprüngliche  Rolle  des

Offizielles  Plakat
zur  Saarkundgebung  am  Niederwald  1933

61  Vgl.  Briefe  des  AA  an  Bürckel.  Kiefer  und  Röchling  (03.06.33),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet,  R  76.095.
62  Vgl.  undatiertes  Sitzungsprotokoll  des  Arbeitsausschusses  vom  01.07.33,  in:  BA-R  8014/100.
63  Vgl.  „Entwurf  der  Reihenfolge  des  Festaktes  für  die  große  deutsche  Kundgebung  für  das  abgetrennte
Saar-  und  Pfalzgebiet“  (Juli  1933),  in:  BA-R  43-1/253;  Sitzungsprotokoll  vom  05.07.33  (06.07.33),  in:
BA-R  8014/100;  Brief  der  GSV  an  Neikes  (12.07.33)  und  Antwortschreiben  (13.07.33),  in:  StA
Saarbrücken,  Großstadt  2944.
64  Vgl.  Sitzungsprotokoll  vom  15.07.33  (18.07.33),  in:  BA-R  8014/100.
65  Die  Saarfeier  sollte  nicht  mit  dem  Nürnberger  Reichsparteitag  kollidieren:  Vgl.  Rundschreiben  der  GSV
(19.07.33),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  19.  Erstmals  erfolgte  1932  eine  offizielle  Beteiligung  von
Nationalsozialisten  an  einer  Veranstaltung  des  BdS.  Im  Vorjahr  hatte  es  der  Neustädter  Gauleiter  Josef
Bürckel  noch  abgelehnt,  dem  Ehrenausschuß  der  Bundestagung  beizutreten,  weil  kein  Redner  der  -  zu
diesem  Zeitpunkt  politisch  unbedeutenden  -  saarländischen  NSDAP  vorgesehen  war:  Vgl.  Brief  der
NSDAP  Gau  Rheinpfalz  an  die  GSV  (08.06.31),  in:  BA-R  8014/79.  Vogel  begründete  die  Übergehung
der  Nationalsozialisten  damit,  daß  diese  nicht  im  saarländischen  Landesrat  vertreten  waren:  Vgl.  Brief

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