Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

von  Papen  verworfen,  die  Tagung  in  das  Frühjahr  1934  zu  verschieben^.  Nach  ersten
Besprechungen  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  am  Rhein  einigten  sich  die  Verantwortlichen
  auf  das  erste  Septemberwochenende.  Schon  sehr  früh  bemühte  sich
Vogel,  eine  Massenbeteiligung  saarländischer  Vereine  und  Schulklassen  sowie
reichsdeutscher  Organisationen  sicher  zu  stellen* 56 *.  Schließlich  sollte  die  Niederwaldkundgebung
  ähnlich  wie  die  Jahrtausendfeier  acht  Jahre  zuvor  den  Charakter  einer
Probeabstimmung  erhalten''  .
Die  Vorbereitungen  für  die  Tagung  ähneln  bis  weit  in  das  Frühjahr  1933  denen
vorangegangener  Bundesversammlungen.  Allerdings  zeigte  sich  bald,  daß  sie  sich
von  den  früheren  Veranstaltungen  unterscheiden  würde.  Beispielsweise  verfolgte  die
reichsdeutsche  Presse  schon  frühzeitig  die  generalstabsmäßigen  Planungen  und
anders  als  in  den  Jahren  der  Weimarer  Republik  führte  das  Auswärtige  Amt  keine
Bedenken  gegen  die  Übernahme  des  Protektorates  durch  Reichspräsident  von  Hindenburg
  ins  Feld.  Seine  endgültige  Entscheidung  wollte  es  vom  Ausgang  der  Besprechung
  Hitlers  mit  der  saarländischen  Delegation  Mitte  Mai  1933  abhängig  machen58 60.
Die  gleichzeitig  an  Reichskanzler  Hitler  gerichtete  Bitte,  ein  Referat  auf  der  Saarkundgebung
  zu  übernehmen,  zeigt  zum  einen,  daß  der  Bund  der  Saarvereine  die
innenpolitischen  Veränderungen  im  Reich  nicht  richtig  einschätzte  und  zum  anderen
noch  zu  diesem  Zeitpunkt  glaubte,  die  Fäden  der  Veranstaltung  in  der  Hand  zu
haben19.  Zur  Werbung,  Finanzierung  und  Organisation  des  Transports  der  saarländischen
  Teilnehmer  ließ  Vogel  Ende  April  1933  über  seine  Vertrauensleute  an  der
Saar  einen  Arbeitsausschuß'’11  initiieren.  Um  die  Kundgebung  als  patriotische  Volksbewegung
  erscheinen  zu  lassen,  sollten  die  im  Saargebiet  veröffentlichten  Aufrufe
nur  von  jenen  24  im  Ausschuß  vertretenen  vaterländischen  Verbänden  und  Organisationen,
  nicht  aber  von  den  saarländischen  Parteien  unterzeichnet  werden.  Das  Gremium
  besaß  somit  eine  doppelte  Funktion:  Während  es  den  massenhaften  Besuch  von
Saarländern  organisierte,  war  es  gleichzeitig  ein  Instrument  der  Verschleierung.  Auch
wenn  im  Sommer  1933  kaum  jemand  daran  geglaubt  haben  dürfte,  daß  die  Veranstaltung
  nicht  von  Berliner  Regierungs-  und  Parteistellen  gesteuert  wurde,  war

Vgl.  Brief  des  Bürgermeisters  von  Rüdesheim  an  die  GSV  (13.01.33),  in:  StA  Rüdesheim,  111/50;
Aktennotiz  Köpkes  (20.06.33),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet,  R  75.095.
56  Vgl.  Einladungsschreiben  u.a.  an  den  „Deutschen  Sängerbund“,  die  „Deutsche  Turnerschaft“,  den
„Stahlhelm“  und  den  „Jungdeutschen  Orden“  (Januar/  Februar  1933),  in:  BA-R  8014/96.  Vgl.  auch  die
Presseartikel  an  416  deutsche  Zeitungen  (04.01.33),  denen  im  Laufe  des  Jahres  weitere  folgten,  in:  BA-R
  8014/97;  SF  14  (1933)  2,  S.  29.
Vgl.  Sitzungsprotokoll  des  Arbeitsausschusses  (23.06.33),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet,  R  76.095.
58  Vgl.  Brief  des  StS  im  Büro  des  Reichspräsidenten  an  das  AA  (14.06.33),  in:  Ebd.
59  Vgl.  Brief  der  GSV  an  Hitler  (03.05.33),  in:  BA-R  43-1/253.  Die  Entscheidung  der  Reichskanzlei  zog
sich  noch  bis  Mitte  August  hin.  Am  18.08.33  teilte  der  StS  in  der  Reichskanzlei  mit,  daß  Hitler
voraussichtlich  der  Einladung  Folge  leisten  werde.  Vgl.  Briefe  des  StS  in  der  Reichskanzlei  an  die  GSV
(26.05.33  und  18.08.33),  in:  BA-R  43-1/253.
60  Vgl.  Sitzungsprotokoll  des  etwa  30köpfigen  Arbeitsausschusses  vom  23.06.33  (23.06.33),  in:  PA  AA,
II  a  Saargebiet,  R  76.095  sowie  den  Schriftverkehr  in:  BA-R  8014/96.  Ursprünglich  war  auch  Johannes
Hoffmann  als  Mitglied  vorgesehen.

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