Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

lung  der  Saarfrage  habe  es  keine  Rechtfertigung  gegeben  wie  auch  die  zurückliegenden
  Jahre  das  Scheitern  des  dort  errichteten  Systems  mehr  als  deutlich  unter
Beweis  gestellt  hätten.  Trotz  aller  Anstrengungen  Frankreichs  seien  die  800.000
Saardeutschen  nicht  franzosenfreundlich,  sondern  „fanatisch  deutsch“  geworden  und
fänden  von  65  Millionen  Deutsche  in  ihrer  Forderung  nach  Rückgliederung  Unterstützung.
  Simons  Rede  hätte  -  ohne  die  eingestreuten  Huldigungen  an  das  Dritte
Reich  und  Hitler  -  in  dieser  Art  ohne  weiteres  ebenso  vor  der  „Machtergreifung“
gehalten  werden  können.
Auch  der  Ablauf  des  sonstigen  Rahmenprogramms  glich  dem  früherer  Jahre;  es
unterschied  sich  äußerlich  lediglich  durch  die  Beteiligung  der  lokalen  Parteiformationen.
  Am  Vormittag  des  nächsten  Tages  kündigten  Trommlerkorps  den  Propagandazug
  durch  die  Stadt  an,  während  BDM-Mädel  mit  Sammelbüchsen  durch  die  Straßen
zogen  und  ein  Platzkonzert  die  Bevölkerung  zum  Besuch  der  Kundgebung  animierte.
Nach  Ansprachen  Debusmanns  und  dem  Verlesen  der  obligatorischen  Entschließung
durch  den  Herner  Oberbürgermeister  folgte  der  mehrstündige  Umzug  in  6er-Kolonnen
  durch  die  Straßen  der  Stadt.  Tags  zuvor  wurden  die  mitmarschierenden  Vereine
aufgefordert,  für  Transparente  und  Plakate  mit  Aufschriften  wie  „Wir  kämpfen  für
die  Saar!“  Sorge  zu  tragen.
Charakteristisch  für  die  Saarkundgebungen  in  den  letzten  beiden  Jahren  des  Völkerbundmandats
  waren  zum  einen  ihre  große  Zahl;  zum  anderen  zeichneten  sich  viele
der  mit  großem  Aufwand  inszenierten  Spektakel  durch  ihr  gewaltiges  Publikum  aus.
Während  die  Zuschauer  zu  Zeiten  der  Republik  aus  freien  Stücken  -  sei  es  aus
Interesse  oder  Neugier  -  derartige  Kundgebungen  besuchten,  sorgten  nun  Parteibefehle28
  und  sozialer  Druck  hierfür.  Veranstaltungen  wie  die  Saarkundgebung  im
Rahmen  des  thüringischen  Flugtages  in  Erfurt  (Oktober  1934),  auf  welcher  Landesgruppenleiter
  Stegner  und  Vogel  gemeinsam  mit  Robert  Ley  und  Reichsstatthalter
Sauckel  vor  etwa  100.000  Zuschauern  sprachen,  gehörten  fast  zur  Tagesordnung29.
Der  Blick  in  die  Provinzpresse  des  Reiches  zeigt,  daß  Simons  Monopolanspruch  auf
die  Ausrichtung  von  Saarkundgebungen  nie  verwirklicht  wurde.  Auch  ohne  die
Initiative,  aktive  Beteiligung  oder  wenigstens  die  Einbindung  der  vor  Ort  ansässigen
Saarvereine  fanden  in  den  Monaten  vor  der  Abstimmung  im  ganzen  Reich  Saarkundgebungen
  statt30.  Daß  sich  insbesondere  die  Parteigliederungen  hervortaten,  entlastete
die  Ortsgruppen,  da  die  Saarfrage  jeweils  anschließend  publizistisch  aufbereitet

28  Vgl.  „Oberhessische  Tageszeitung“  Nr.  87  (29.03.34).
29  Vgl.  SF  15  (1934)  22,  S.  454  ff.
30  Gänzlich  ohne  Beteiligung  des  Bundes  zelebrierten  Bürckel,  Pirro  und  Goebbels  am  06.05.34  im
grenznahen  Zweibrücken  den  „Tag  der  deutschen  Saar“,  der  nicht  alleine  wegen  seines  massenhaften
Besuchs  von  herausragender  Bedeutung  im  Abstimmungskampf  war,  sondern  weil  dort  erstmals  die
Erfolgsmeldungen  über  die  Beitrittskampagne  in  die  DF  veröffentlicht  wurden.  Mit  über  450.000
Mitgliedern  war  es  gelungen,  binnen  zweier  Monate  etwa  93%  aller  Abstimmungsberechtigten  zu
erfassen:  Vgl.  BARTZ,  S.  66-71;  SCHÖNDORF:  Der  „Tag  der  deutschen  Saar“;  SF  14(1933)  10,  S.  165
ff.,  S.  170  ff.  und  S.  176  ff.

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