Bedeutsamer war die konventionelle
Vortragstätigkeit des
Bundes in den letzten Monaten
vor der Saarabstimmung.
Simon war es nach persönlicher
Intervention bei Goebbels
gelungen, daß die städtischen
Behörden zur kostenlosen
Überlassung von Sälen
für Veranstaltungen des Bundes
der Saarvereine angewiesen
wurden - eine der ersten
spürbaren Auswirkungen der
Zwangssymbiose von Partei und Verein21. Er selbst, der parteiintern als hervorragender
Redner galt und ähnlich wie Hitler zwei Stunden monologisieren konnte, absolvierte
in dem Jahr seines Vorsitzes nur etwa 20 Gastauftritte vor Ortsgruppen und
einige weitere vor Verbänden, was - verglichen mit den insgesamt über 350
Versammlungen, die er in dem Zeitraum zwischen April 1932 und März 1933
besuchte25 26, und gemessen an der Veranstaltungsflut dieser Monate - eine verschwindend
geringe Zahl darstellte.
Auch bei Simons Propagandaauftritten fällt auf, wie sehr sich die Nationalsozialisten
traditioneller Versammlungsformen bedienten. Diese bildeten - republikanischer
Reminiszenzen entledigt - weiterhin das vertraute Gerüst, an welchem nationalsozia
listische Symbole und Riten aufgehängt wurden. So hatte es sich seit Jahren in Herne
eingebürgert, anläßlich des Jahrestags der Reichsgründung eine Saarkundgebung zu
veranstalten und dort einen Treueschwur gegenüber der Saar abzulegen. Am 20.
Januar 1934 stand die Kundgebung im Zeichen des wiedererwachten Deutschlands
und wollte eine Antwort auf die „Lügenpropaganda“ der Emigranten an der Saar
geben27. Das Podium war von zwei überdimensionalen Grubenlampen sowie zwei
Bergmannsfiguren in saarländischer Grubenuniform eingerahmt, während der örtliche
Männergesangsverein im Wechsel mit der Marschmusik der NSBO-Kapelle
vaterländische Lieder vortrug. Simon hob in seiner anschließenden Standardrede den
deutschen Friedenswillen hervor; ähnlich wie Hitler am Niederwalddenkmal maß er
der Liquidierung der Saarfrage große Bedeutung für die Wahrung des Friedens in
Europa bei. Auch er wärmte Altbekanntes und seit Jahren auf derartigen Veranstaltungen
kontinuierlich Wiederholtes vordem Publikum auf: Für die Versailler Rege-25
Vgl. Rundschreiben derGSV an Ortsgruppen (30.11.33), in: BA-R 8014/130; SF 14 (1933) 23, S. 442.
26 Vgl. KRIER, S. 260.
2 Vgl. „Herner Anzeiger“ Nr. 17 (20.01.34). Zum Folgenden vgl. SF 15 (1934) 4, S. 66; SF 15 (1934) 5,
S. 87; „Herner Anzeiger“ Nr. 18 und Nr. 19 (22.01.34 und 23.01.34); „Wanne-Eickeler Zeitung“
(22.01.34). Der Verein gab sogar eine eigene Festschrift heraus: Vgl. StA Herne, Bund der Saarvereine.
Bundesführer Gustav Simon als Redner in Herne
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