Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Phasenweise  war  die  Geschäftsstelle  im  letzten  Jahr  vor  der  Abstimmung  überfordert,
die  gesteigerte  Nachfrage  nach  Informationsmaterial  zur  Saarfrage  zu  bedienen211.
Vermutlich  setzte  Vogel  daher  im  Abstimmungskampf  stärker  als  in  früheren  Jahren
auf  die  propagandistische  Wirkung  von  Flugblättern,  mit  denen  die  Besucher  der
Saarkundgebungen  einfacher  und  kostengünstigerzu  versorgen  waren  als  mit  mehrseitigen
  Broschüren.  Daß  er  hierbei  auf  nur  geringfügig  überarbeitete  Sonderdrucke
von  Aufsätzen  aus  dem  Jahr  1928  zurückgriff,  mutet  anachronistisch  an,  da  sie  nicht
einmal  ansatzweise  politisch  opportune  Sprachregelungen  beachteten20 21.  Im  krassen
Gegensatz  zu  derartigen  gemäßigten  Verlautbarungen  steht  die  vom  neuen  Bundesvorsitzenden
  Gustav  Simon  initiierte  Flugschrift  „Deutsch  die  Saar  immerdar.  Die
deutsche  Saar  nicht  vergessen“  von  Jahresende  1933.  Der  Koblenzer  Gauleiter  stellte
hierin  die  gewaltsame  Trennung  der  Saarländer  vom  Mutterland  als  schweres  moralisches
  Vergehen  und  wirtschaftliche  Sünde  dar22;  gleichzeitig  warb  er  mit  antifranzösischen
  Phrasen  für  die  Saarvereinsorganisation.
2.2 Vortragspropaganda  und  Saarkundgebungen
Noch  immer  dominierte  die  Propaganda  des  gesprochenen  Wortes  gegenüber  Propagandaelementen
  in  Schrift  und  Bild.  Daß  es  dem  Bund  der  Saarvereine  nach  1933
nicht  mehr  gelang,  im  Bereich  des  Rundfunkwesens  Fuß  zu  fassen,  wurde  bereits  an
anderer  Stelle  ausgeführt.  Dank  der  im  Vorjahr  erfolgten  Verstaatlichung  fiel  es
hingegen  den  Nationalsozialisten  leicht,  das  moderne  Informations-  und  Unterhaltungsmedium
  zu  kontrollieren2'.  Die  großen  Saarkundgebungen  am  Niederwalddenkmal,
  in  Zweibrücken  und  auf  dem  Ehrenbreitstein  wurden  reichsweit  übertragen,  und
Bürckels  Kaiserslauterer  „Haussender“  schickte  zahlreiche  kleinere  Veranstaltungen
des  Saarbevollmächtigten  über  den  Äther.  Auch  in  diesem  Bereich  konnte  er  seinen
Widersacher  Simon  klar  ausstechen.  Neben  derartigen  inszenierten  Sondersendungen
gehörten  verschiedene  Hörspiele  und  Hörfolgen  sowie  regelmäßige  Nachrichtenbeiträge
  zum  Repertoire  der  nationalsozialistischen  Rundfunkpropaganda,  die  damit  in
direkter  Konkurrenz  zum  Programmangebot  des  Straßburger  Senders  stand24.

20  Beispielsweise  sah  sie  sich  außerstande,  der  Bitte  der  Auslandsorganisation  der  NSDAP  nachzukommen,
  für  deren  Ortsgruppen  50.000  Exemplare  einer  allgemein  gehaltenen  Broschüre  in  deutscher
Sprache  und  mindestens  je  10.000  in  englisch,  französisch,  portugiesisch,  spanisch  und  italienisch  zur
Verfügung  zu  stellen.  Vgl.  Brief  der  AO  der  NSDAP-Reichsleitungan  die  GSV  (22.05.34)  und  Antwort
(24.05.34),  in:  BA-R  8014/1038.
21  Vgl.  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  19.
22  Vgl.  Flugschrift  „Deutsch  die  Saar  immerdar.  Die  deutsche  Saar  nicht  vergessen“  (Dezember  1933),  in:
PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  76.097.
23  Goebbels,  der  dem  Rundfunk  eine  herausragende  propagandistische  Funktion  beimaß,  konzentrierte
umgehend  die  Zuständigkeiten  in  seinem  neu  geschaffenen  Ministerium  und  förderte  den  technischen
Ausbau  des  Sendernetzes  sowie  die  Erhöhung  der  Teilnehmerdichte  durch  den  „Volksempfänger“.  Zum
Rundfunk  nach  1933  allgemein  vgl.  DlLLER:  Rundfunkpolitik;  Frei/  SCHMITZ,  S.  83-95.
24  Die  Rolle  des  Radios  im  Abstimmungskampf  hat  bereits  eine  eingehende  Untersuchung  erlebt  bei:
Paul:  Deutsche  Mutter,  S.  126-131.  Zu  verschiedenen  Sendeformaten  1934  vgl,  JACOBY,  S.  141  ff.;
Diller:  Frankfurter  Rundfunk.  S.  258-261.

325
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.