Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

werden,  daß  die  Ausführungen  im  „Saar-Freund"  amtlichen  Charakter  besäßen14.
Angesichts  der  Flut  konkurrierender  Saarsondernummern"  sah  sich  die  Geschäftsstelle
  „Saar-Verein“  immer  wieder  gezwungen,  auf  die  Kontinuität  des  eigenen
Blattes  hinzuweisen,  das  von  Anfang  an  die  politische,  kulturelle  und  wirtschaftliche
Geschichte  des  Saargebietes  dokumentiert  habe.  Damit  sei  der  „Saar-Freund"  das
„getreue  Spiegelbild  der  Not  und  des  Kampfes  der  deutschen  Saarbevölkerung  während  der  Zeit
der  Besetzung  und  der  .treuhänderischen1  Verwaltung  durch  den  Völkerbund  [...,  aber]  auch  der
treue  Wegbegleiter  der  Saarländer  und  der  geistige  Trommler  zu  Weckung  und  Wacherhaltung
des  Interesses  für  die  Deutscherhaltung  des  Saargebietes.“16
Im  eigentlichen  Abstimmungskampf  leistete  der  „Saar-Freund“  der  Rückgliederungsbewegung
  energische  Schützenhilfe.  Führende  Köpfe  der  „Deutschen  Front“  ergriffen
  in  ihm  das  Wort  und  lieferten  den  zahlreichen  neuen,  oftmals  mit  der  Saarproblematik
  kaum  betrauten  Stützpunkten  in  komprimierter  Form  Vortragsmaterial
zur  Mobilisierung  der  reichsdeutschen  Bevölkerung.
„1934  trat  die  Saar  über  die  Ufer.  Saarpropaganda  überschwemmte  das  Land.  Landauf,  landab
tauchten  „Saarkorrespondenzen“  und  Saarsonderhefte  auf.  In  den  Monaten  vor  der  Volksabstimmung
  erreichte  der  Pegel  der  Saarpublizistik  Höchstmarken  und  die  Bücherflut  sprengte
sämtliche  Deiche."17
Es  verstand  sich  von  selbst,  daß  der  inzwischen  gleichgeschaltete  Bund  der  Saarvereine
  ebenfalls  Wasser  auf  die  Mühlen  des  literarischen  Saarkampfes  leitete.  Giersbergs
  „Saarlüge“  erlebte  seine  vierte  und  fünfte  Auflage,  und  abgesehen  von  seinen
sonstigen  Beiträgen  in  Zeitschriften  dokumentierte  Theodor  Vogel  mit  „Das  deutsche
Saarland  unter  dem  Zwange  von  Versailles“18,  daß  auch  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“
  im  publizistischen  „Endkampf1  mitmischen  würde.  Gemessen  an  der  insgesamt
  1934  auf  den  Markt  geworfenen  Saarliteratur  verblaßt  jedoch  ihr  Anteil,
zumal  auch  das  Auswärtige  Amt  anderen  Broschüren  und  Büchern  den  Vorzug  gab.
Glaubhafter  als  die  offiziöse  Saarorganisation  schienen  nach  Ansicht  der  Wilhelmstraße
  persönlich  nicht  involvierte  Autoren  des  „neutralen“  Auslandes  für  die  deutsche
  Position  werben  zu  können.  Anstatt  selbst  im  großen  Maßstab  zu  publizieren,
wurde  die  Geschäftsstelle  daher  von  den  deutschen  Behörden  für  die  Verbreitung
diverser  Broschüren  eingespannt19.

14  Vgl.  Denkschrift  „Der  .Saar-Freund1  im  Endkampf  um  die  Saarlösung“  (Dezember  1933),  in:  PA  AA,
II  a  Saargebiet.  R  76.096.  Im  Vergleich  zu  den  großen  saarländischen  Zeitungen  erkannten  die  Behörden
  dem  SF  keine  übermäßige  Rolle  zu:  Die  GSV  erhielt  lediglich  zusätzliche  1.000  RM  monatlich  von
Winkler:  Vgl.  Bericht  der  „Cura  Revision-  und  Treuhand-Gesellschaft  m.b.H.“  (31.10.35),  in:  BA-R
55/752.  Wenn  es  darum  ging,  Sondernummern  im  Ausland  abzusetzen,  griff  das  AA  eher  zur  freiwillig
gleichgeschalteten  S.Z.  oder  der  „Saarbrücker  Landeszeitung“  und  verschickte  nur  einzelne  Ausgaben
des  SF  an  seine  Auslandsvertretungen:  Vgl.  Brief  des  AA  an  die  GSV  (06.09.34),  in:  PA  AA,  II  a
Saargebiet,  R  76.098.
15  Anfang  April  wurde  die  reichsdeutsche  Presse  angewiesen,  derartige  Sonderausgaben  und  Beilagen
vorzubereiten:  Vgl.  BRAMSTED,  S.  227.
15  Vgl.  SF  15  (1934)  24,  S.  518.  Ähnliche  Gedanken  in:  SF  15  (1934)  16/17,  S.  317;  Jahresbericht  1933,
S.  17  f.;  POSSELT,  S.  265.
17  Freund,  S.  103  f.  Vgl.  hierzu:  Scholdt,  S.  177  f.
18  Die  Broschüre  erlebte  1935  sogar  noch  eine  zweite  Auflage.
]l>  Vgl.  Brief  des  AA  an  die  GSV  (20.11.33),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet,  R  75.638.

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