Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

ganda  nun  geradezu  als  Empfehlung.
  Als  Beleg  für  ihre  Konformität
  grenzte  sich  die  Saarorganisation
  nicht  nur  demonstrativ  von
den  einstigen  „Systempolitikern“
ab7,  sondern  bemühte  sich  im
Falle  Max  Brauns  sogar,  die  NS-Presse
  noch  rechts  zu  überholen*.
Frühere  Kontakte  zum  „Diktator
der  saarländischen  Sozialdemokratie“
  wurden  dabei  konsequent
ausgeblendet.  Unter  den  neuen  Rahmenbedingungen  konnte  Vogel  endlich  seine
jahrelang  aufgestauten  Aversionen  gegen  den  ,,größte[n]  Maulheld  der  Saarseparatisten“*
 9  abarbeiten,  dem  er  als  Nichtabstimmungsberechtigten  die  Legitimation  aberkannte,
  im  Namen  der  saarländischen  Bevölkerung  zu  sprechen10.  Ähnlich  verhielt
sich  der  „Saar-Freund“  nun  auch  gegenüber  Johannes  Hoffmann,  dessen  „Saar-Post“
ab  Mai  1934  einen  Gegenpol  zur  gleichgeschalteten  Zentrumspresse  bilden  wollte
und  der  im  November  maßgeblich  an  der  Gründung  des  „Deutschen  Volksbundes  für
christlich-soziale  Gemeinschaft  an  der  Saar“  beteiligt  war11 12.  Hatte  Vogel  noch  im
Mai  1933  in  ihm  einen  Verbündeten  im  Kampf  gegen  Braun  gesehen17,  wurde
Hoffmann  bald  mit  anderen  „Landesverrätern“  auf  eine  Stufe  gestellt13 *.
Vogel  schwebte  eine  großflächige  kostenlose  Verteilung  des  „Saar-Freund“  im
Saargebiet  vor,  wobei  das  noch  immer  nicht  aufgehobene  Verbot  der  Zeitschrift
durch  Sonderdrucke  umgangen  werden  sollte.  Dabei  mußte  der  Eindruck  vermieden

Kopf  des  „Saar-Freund“  1934

Vgl.  beispielsweise  den  Aufruf  zur  Niederwaldkundgebung,  in:  SF  14  (1933)  15,  S.  246.
*  Vgl.  SF  14  (1933)  24,  S.  467.  Aus  der  Reihe  der  unzähligen  Angriffe  gegen  Braun,  die  auch  vor
persönlicher  Diffamierung  nicht  halt  machten,  vgl.  Jahresbericht  1933,  S.  3-6;  SF  14  (1933)  9,  S.  133
ff.  Das  namentliche  Anprangern  der  politisch  bzw.  nationalen  Gegner  wie  beispielsweise  der  „,Semigranten“1,
  die  „wie  eine  Heuschreckenplage  das  Land  überfallen“  (SF  15  (1934)4,  S.  53)  hätten,  erlebte
1933  eine  Intensivierung:  Vgl.  hierzu:  SF  15  (1934)  4,  S.  56  f.;  SF  15  (1934)  5,  S.  75;  SF  15  (1934)  7,
S.  112  ff.  („politisch  mehr  oder  weniger  Belasteter  und  krimineller  Elemente  [...]  Treiben  von  lichtscheuem
  Gesindel“);  SF  15(1934)  11.  S.  189  f.  („Halunkenpack");  SF  15(1934)  12,  S.  221  ff.;  SF  15
(1934)  26,  S.  558  f.;  SF  15/16  (1934/35)  29,  S.  631  f.;  Sondernummer  des  SF  (1934/35)  1,  S.  7
(„Schlangengezücht  der  Marxisten,  Kommunisten  und  Emigranten“).
9  SF  14(1933)20,  S.  388;  SF  15  (1934)  2,  S.  24.
10  Dieser  Schuß  hätte  nach  hinten  losgehen  können:  Weder  die  beiden  Saarbevollmächtigten  von  Papen
und  Bürckel,  noch  der  Bundesführer  Simon  genügten  den  Bestimmungen  des  Saarstatuts,  um  1935  ihre
Stimme  abgeben  zu  dürfen.
11  Vgl.  hierzu:  HOFFMANN:  Journalistische  Erfahrungen,  in:  StA  Saarbrücken,  Handbibliothek  453/76,  S.
11-15;  GEST1ER,  S.  77-82  und  S.  112-128;  VON  ZUR  MÜHLEN:  Schlagt  Hitler,  S.  124  f.  und  S.
135-138.
12  Vgl.  Brief  der  GSV  an  Hoffmann  (13.05.33),  in:  BA-R  8014/1081.  Das  Verhältnis  zwischen  dem
Chefredakteur  der  „Saarbrücker  Landeszeitung“  und  dem  Protestanten  Vogel  vor  1933  war  weitgehend
frei  von  Konflikten:  Vgl.  Brief  der  GSV  an  Hoffmann  (28.10.30),  in:  BA-R  8014/339.
13  Vgl.  SF  15  (1934)  13,  S.  237  f.;  SF  15  (1934)  15,  S.  277  ff.;  SF  15  (1934)  25,  S.  549  f.;  Sondernummer
2  (1934/35),  S.  29.

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