Wochen vor dem Plebiszit war Debusmann gezwungen, seine selbstbewußten
„Landesfürsten“ zur Raison zu rufen"’7.
1.4 Zusammenfassung
Nach der „Machtergreifung“, als rassisch begründeter Antisemitismus zur Staatsdoktrin
erhoben wurde, änderte sich auch das Wesen des Bundes der Saarvereine und
seiner Ortsverbände. An die Stelle des unbeschwerten geselligen Beisammenseins
trat der per Parteibefehl angeordnete Dienst in den „mobilisierten“ Vereinen. Die
nach außen propagierte Überparteilichkeit des Bundes fand ebenso ihr Ende wie
fortan die „Mitgliedschaft von Marxisten und Nichtariern“ untersagt war.
Die Gleichschaltung, gegen die sich die alte Bundesführung über Monate hinweg
vergeblich zur Wehr setzte, schuf mit ihren zahlreichen Neugründungen einen neuen
Ortsgruppentypus: Als reine Zweckvereinigung für das Plebiszit im Januar 1935 ins
Leben gerufen, fühlten sich diese Gruppierungen in erster Linie der neu entstandenen
Koblenzer Geschäftsstelle verbunden. Der Kampf um die Rückkehr des Saargebietes
zu Deutschland war ihnen anders als den älteren Ortsgruppen keine Herzensangelegenheit,
sondern Pflichterfüllung und Ausdruck des Führerprinzips. Die Zahl der
Ortsverbände stieg ab der zweiten Jahreshälfte 1933 ebenso wie die Mitgliederstärke
der bestehenden Gruppen rapide an, wofür neben ehrlicher Überzeugung, sich für
eine gute Sache zu engagieren, und die Möglichkeit, parteikonformes Verhalten zu
demonstrieren, nicht zuletzt auch subtile Druckmaßnahmen in Gemeinden und
Städten verantwortlich waren.
Dem neuen Bundesführer Gustav Simon sollte der gleichgeschaltete Bund der
Saarvereine das Instrument sein, um in Saarangelegenheiten als kompetente Autorität
zu gelten und daher mit der Rückgliederung der Saar betraut zu werden. Als er
allerdings realisierte, daß sich sein parteiinterner Rivale Josef Bürckel durchsetzen
würde, verlor Simon das Interesse an den „Saarfreunden“ und übergab die Leitung
seinem Stellvertreter Ernst Debusmann.
167 Vgl. Rundschreiben Debusmanns an die Landesgruppenleiter (18.12.34), in:
661,11/10.
LHA Koblenz,
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