|als] der Träger der Saarpropaganda im Reich schlechthin“ zu gelten habe, sondern
daß Saarveranstaltungen nur noch nach einer vorherigen Begutachtung durch den
lokalen Saarverein genehmigt werden könnten154. Dies änderte sich allerdings schlagartig,
nachdem Btirckel offiziell mit der Durchführung der Saarpropaganda in der
heißen Phase betraut1'" und in den ersten Augusttagen von Hitler zum Nachfolger des
nach Wien abgeschobenen von Papen ernannt worden war156. Spätestens hier zeigte
sich, daß die private Organisation nur instrumentalen Charakter für Simon hatte:
Kaum, daß Bürckel sich als derjenige durchgesetzt hatte, der die Belange des Reichs
bei der Rückgliederung des Saargebiets vertreten würde, verlor der unterlegene
Simon jegliches Interesse am Bund der Saarvereine. Aus seiner Enttäuschung macht
er keinen Hehl: Obwohl er seit einem Jahr Führer des Bundes der Saarvereine war,
legte er keinen Wert mehr darauf, auf der Koblenzer Arbeitstagung zu erscheinen.
Seinen Auftritt auf der gewaltigen Saarkundgebung auf dem Ehrenbreitstein, wo er
nach Bürckel das Wort ergriff, ließ er sich natürlich nicht nehmen, doch markiert
seine Ansprache das Ende seines Engagements im Abstimmungskampf: Anfang
September betraute er seinen Stellvertreter Debusmann bis auf weiteres mit der
Leitung des Bundes"7, was er offiziell mit seiner Arbeitsüberlastung als Gauleiter
begründete. Nominell zwar noch bis zu seinem offiziellen Rücktritt im Januar 1935
Vorsitzender des Bundes"8, verzichtete er nach der Niederlage auf weitere Einflußnahme.
So ist es auch zu erklären, daß Simons Beitrag für die Rückgliederung der
Saar schon bald in Vergessenheit geriet"9. Wenn es Bürckels propagandistisches
Verdienst war, die ursprünglich drei Abstimmungsoptionen auf die Alternative „Für
oder gegen Deutschland“ zu reduzieren, damit die keineswegs beseitigten
parteipolitisch-ideologisch bedingten Vorbehalte gegen das nationalsozialistische
Reich zu nivellieren und dem Status quo als einzig potentiell erfolgreicher Alternative
die Basis zu entziehen160, so ließ Simon bis Sommer 1934 keine Gelegenheit aus,
die Parole der wechselseitigen Treue auszugeben161. Die Deutschen jenseits der
Saargebietsgrenzen sollten die Treue der Saarländer honorieren und ihre eigene
154 Vgl. Brief der Geschäftsstelle Koblenz an Stegner (22.05.34), in: BA-R 8014/326; Brief der NSDAP-Gauleitung
Koblenz-Trier an die NSDAP-Kreisleitung Trier (27.04.34). in: LHA Koblenz, 661,11/5.
155 Vgl. Rundschreiben Goebbels’ an alle Reichsministerien und Landesregierungen, die DAF und
NSBO, Reichsjugendführer Baldur von Schirach, die Reichsleitung der NSDAP, die Reichsleitung
der SS sowie die Oberste SA-Führung in München (18.07.34). in: BA-R 43-1/255.
156 Vgl. Erlaß Hitlers (07.08.34), in: BA-R 43-1/259; AdR, Regierung Hitler 11/1, Dok. LS. 1; BARTZ,
S. 99 ff.
,S7 Vgl. Rundschreiben Debusmanns an die Ortsgruppen (05.09.34), in: BA-R 8014/239.
158 Vgl. VOGEL: Staatsrat und Gauleiter Gustav Simon. S. 28: SF 15/16 (1934/35) 28, S. 608.
159 Bürckels Hagiograph Bartz trug das übrige hierzu bei.
160 Vgl. BARTZ, S. 34. Vgl. Rede Bürckels in Kaiserslautern (18.10.34), in: SF 15 (1934) 22, S. 446^150.
161 Vgl. Rundschreiben Simons an die Ortsgruppen des Bundes (18.10.33), in: BA-R 8014/130 ( Anhang
Dok. 14); undatierter Aufruf Simons, in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 19 (Anhang Dok. 15); Reden
Simons auf der Essener Vertretertagung (18.11.33) und der Koblenzer Führertagung (17.02.34), in:
SF 14 (1933) 23. S. 441 und SF 15 (1934) 5, S. 76 f. Folgerichtig nannte sich die Bingener Ortsgruppe
im Sommer 1933 „Saartreue“: Vgl. SF 14 (1933) 12, S, 197.
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