der anstehenden territorialen Neuordnung ein entscheidendes Wort mitreden zu
können. Hatte er der einst privaten Saarorganisation bis zu ihrer Übernahme kaum
Beachtung geschenkt, versuchte er nun. die Bedeutung „seines“ Vereines mit aller
Kraft aufzuwerten und dessen jahrelange erfolgreiche Tätigkeit in den Vordergrund
zu stellen141. Simon hoffte, dem Bund über diese nachträgliche Stilisierung ein
Monopol für die Saarpropaganda im Reich zu schaffen, stieß dabei allerdings auf den
Widerstand der anderen involvierten Stellen wie des Saarbevollmächtigten, des
Reichspropagandaministeriums oder des Auswärtigen Amtes142. Etwa drei Wochen
nach der Ernennung von Papens zum Verantwortlichen der Reichsregierung in
Saarfragen143 betonte Simon die Notwendigkeit einer wissenschaftlich-publizistischen
Kontrollinstanz und stellte zugleich klar, wer seiner Ansicht nach die treibende Kraft
der prodeutschen Propaganda sein sollte - nicht etwa von Papen als Saarbevollmächtigter
oder gar sein Erzrivale Bürckel als Saarbeauftragter der NSDAP, sondern
er selbst bzw. die von ihm geführte Organisation144. Mitte Februar 1934 bat Vogel in
Simons Namen den Saarbevollmächtigten, alle amtlichen Stellen darüber in Kenntnis
zu setzen, daß der Bund „grundsätzlich“ als Veranstalter aller größeren Saarkundgebungen
im Reich zu gelten habe145. Wäre diese Forderung realisiert worden, so
hätte Simon ein wirkungsvolles Kontrollinstrument besessen, da selbst Reichsministerien
und Parteigliederungen auf seine ausdrückliche Zustimmung angewiesen
gewesen wären, während sich der Bund auf deren Kosten hätte profilieren können.
Obwohl von Papens Referent versicherte, die deutschen Behörden in diesem Sinne
instruieren zu wollen, konnte sich der Saarbevollmächtigte selbst nicht zu einer
solchen Regelung durchringen: Zwar hielt auch er es für prinzipiell wünschenswert,
daß die größeren Saarkundgebungen in Absprache mit dem Bund der Saarvereine
erfolgen sollten, war aber nicht bereit, diesem das Monopol für Saarkundgebungen
und Saarpropaganda in Reich einzuräumen146. Aus pragmatischen Erwägungen
empfahl von Papen die Zusammenarbeit zwischen lokalen Saarvereinen und den
141 Vgl. den Artikel Simons „Aufgaben und Ziele der Saarvereine im Reich“ in dem von BÜRCKEL [u.a.]
herausgegebenen „Kampf um die Saar“, einem der wichtigsten Sammelbände zur Saarfrage.
142 Vgl. zum Konglomerat untereinander rivalisierender Gruppierungen und Unterführer während des
Dritten Reiches allgemein: BENZ und HÜTTENBERGER: Nationalsozialistische Polykratie.
143 Das Kabinett traf diese Entscheidung am 14.11.33. Damit waren von Papen die Sachbearbeiter der
Reichsministerien und nachgeordneten Behörden unterstellt. Vgl. AdR, Regierung Hitler 1/2. Dok.
244, S. 941 ff.; Jacoby, S. 94 f.
144 Vgl. Brief Simons an den Saarbevollmächtigten von Papen (04.12.33), in: BA-R 8014/688. Zwei
Tage zuvor hatte von Papen einen ursprünglich sechsköpfigen „Saarpropagandaausschuß“ unter der
Leitung des Saarreferenten Voigt ins Leben gerufen. Das Gremium, in welchem ferner die Presseabteilung
(Braun von Stumm), das RMPropaganda (Bade), das PrMI (Schneider), Sperr (Vertretung
Bayerns beim Reich) und für den Saarbevollmächtigten Oberregierungsrat von Bose - später auch
Kuhlmann von der Reichspropagandaleitung - vertreten waren, versammelte sich erstmals am
11.12.33. Vgl. Erlaß von Papens (02.12.33), in: PA AA, II a Saargebiet, R 76.070; ADAP, C 1/2, Dok.
482. S. 876; ADAP, C II/l. Dok. 94, S. 160 f.
145 Vgl. Brief der GSV an den Saarbevollmächtigten von Papen (26.02.34), in: BA-R 8014/688.
146 Vgl. Brief Kunckels an die GSV (02.03.34) und Brief des Saarbevollmächtigen von Papen an das
RMPropaganda (13.03.34), in: Ebd.
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