Geschäftsstelle „Saar-Verein“ zu beziehen. Jede Ortsgruppe hatte sich unverzüglich
- insbesondere vor Propagandaveranstaltungen - mit der jeweiligen NSDAP-Ortsgruppe
in Verbindung zu setzen. Redner mußten bei der Bundesleitung angefordert
oder zumindest genehmigt werden, wobei größere Veranstaltungen der generellen
Genehmigung durch die Bundesführung bedurften. Schon im Herbst 1933 sollten die
Abstimmungsberechtigten im Einzugsgebiet der jeweiligen Ortsgruppe in Listen
erfaßt werden, wie auch allgemeine Mitgliederverzeichnisse und natürlich die Beiträge
der Koblenzer Zentrale zu übermitteln waren.
Viele der genannten Forderungen hatte die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ ebenfalls
seit Jahren erhoben. Wirklich neu war hingegen die Methode, wie die formal private
Saarpropaganda in die Praxis umgesetzt werden sollte: Bis dato war es den Ortsgruppen
weitgehend freigestellt, nach eigenem Ermessen werbend für die deutsche
Saar einzutreten. Vogels Versuchen, die Zügel der Gesamtorganisation in der Hand
zu halten, wirkten allzuoft die zentrifugalen Kräfte innerhalb der lokalen Vereine
entgegen. Während seiner etwa einjährigen Tätigkeit als Bundesvorsitzender führte
Simon die Ortsgruppen am Gängelband, was sich unter anderem darin äußerte, daß
der bayerische Landesvorsitzende Johannes ein kategorisches politisches Betätigungsverbot
erhielt132 133.
Das Auswärtige Amt beobachtete die Mobilisierungskampagne Simons mit Skepsis.
Einerseits kritisierte der Saarreferent Voigt, daß sie nicht mit der - noch - federführenden
Wilhelmstraße abgestimmt war, zum anderen fürchtete er eine Zersplitterung
der Kräfte zwischen Berlin und Koblenz. Ebenso plädierte der neu ernannte Saarbevollmächtigte
der Reichsregierung, Vizekanzler von Papen. dafür, daß der Bund im
Hinblick auf die politischen Verhältnisse an der Saar seine Unabhängigkeit wahren
und sich Veränderungen nur auf das Notwendigste beschränken sollten13'. Vermutlich
lag es allerdings weniger an derartigen Protesten als an der ernüchternden
Erkenntnis, aus den Reihen der nationalsozialistischen Parteisoldaten nicht in ausreichender
Zahl Persönlichkeiten mit der notwendigen Befähigung finden zu können,
daß letztendlich eine modifizierte Form der Überparteilichkeit auch nach 1933
aufrechterhalten wurde: Vor der Gleichschaltung des Bundes drückte sich die Objektivität
in erster Linie in der stets bekundeten Kooperationsbereitschaft mit allen
rückgliederungsbefürwortenden Kräften aus. Nun besagte die Überparteilichkeit der
Saarvereinsorganisation, daß auch leitende Posten auf der Ebene der Ortsgruppen
nicht zwangsweise mit NSDAP-Mitgliedern besetzt sein mußten.
Der Alltag der mobilisierten Ortsgruppen veränderte sich ab Herbst 1933 entscheidend.
Lange Jahre hatte das gesellige Beisammensein mit Gleichgesinnten für viele
132 Nach Ansicht Simons sollte er sich zunächst „auf Werbearbeit und innere Festigung der einzelnen
Ortsgruppen“ beschränken: Vgl. Brief Johannes' an die GSV (15.12.33), in: PA AA. II a Saargebiet,
R 76.096.
133 Vgl. Brief des Saarbevollmächtigten von Papen an Simon (16.01.34), in: PA AA. II a Saargebiet. R
76.097.
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