Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

1.  In  vielen  Ortsvereinen  änderte  sich  an  der  personellen  Zusammensetzung  des
Vorstandes  auch  durch  das  Führerprinzip  nichts.  Allerdings  mußten  bereits  amtierende
  Vorsitzende  durch  Simon  bestätigt  werden.  In  diesen  lokalen  Ablegern
überdauerten  die  alten  Vereinsstrukturen  oftmals  die  kommenden  beiden  Jahre
ohne  tiefgreifende  Veränderungen.
2.  Das  Führerprinzip  ermöglichte  es,  unliebsame  Ortsgruppenleiter  abzuservieren,  da
der  Vorsitzende  seinen  auf  wenige  Personen  beschränkten  Mitarbeiterstab  in
eigener  Verantwortung  ernennen  konnte.  In  Heidelberg  sorgte  die  Ortsgruppe  für
einen  Austausch  ihres  Vorsitzenden,  in  Mörs-Meerbeck  scheiterte  die  dortige
Vereinigung  bei  einem  ähnlichen  Versuch115.  Mitunter  legten  Vorstände  aber  auch
aus  eigener  Entscheidung  ihr  Amt  nieder,  wohinter  sich  nicht  zwangsweise  politische
  Motive  verbargen116.
3.  In  Einzelfällen  wie  in  Bonn  intervenierte  Simon  persönlich  und  sorgte  für  einen
Wechsel117;  das  Risiko,  die  Mitglieder  durch  diese  Intervention  zu  verprellen,  ging
er  ein.
4.  Viele  der  lokalen  Führer  der  neu  gegründeten  Ortsverbände  wurden  per  Parteibefehl
  von  Simon  ernannt.  Das  Beispiel  Herfords  zeigt,  daß  sich  der  neue  Vorsitzende
  eher  aus  Gehorsam  als  aus  eigener  Überzeugung  engagierte  und  sich  zunächst
über  die  eigentlichen  Aufgaben  der  Saarvereine  informieren  mußte"8.
5.  Ungeachtet  dessen,  daß  die  Führeranordnung  von  September  1933  in  ihrer  Präambel
  festlegte,  daß  mit,,Unterstellung  des  Bundes  der  Saarvereine  unter  nationalsozialistische
  Führung  [...]  auch  im  Bund  mit  dem  demokratischen  Prinzip  gebrochen
worden“  sei119,  wurden  die  Vorstände  zahlreicher  Ortsgruppen  durch  (Wieder-)
Wahl  bestimmt.  Zwar  erhielt  die  Wahl  erst  durch  die  nachträgliche  Bestätigung  aus
Koblenz  ihre  Gültigkeit,  doch  zeigt  dies  das  Vorhandensein  eines  rudimentären
Demokratie  Verständnisses  auf  Ortsgruppenebene120.
Die  Landesgruppe  „Westmark“  mit  ihrer  Koblenzer  Zentrale121  führt  die  strukturellen
Folgen  der  Gleichschaltung  des  Bundes  der  Saarvereine  deutlich  vor  Augen:  Bis

115  Vgl.  Brief  der  GSV  an  die  Ortsgruppe  Heidelberg  (27.11.33)  und  Ernennungsschreiben  Simons
(02.01.34),  in:  BA-R  8014/400;  Brief  der  Koblenzer  Geschäftsstelle  an  die  NSDAP-Dienststelle
Mörs-Meerbeck  (17.01.34),  in:  BA-R  8014/504.
116  Vgl.  Briefe  Jaegers  (Münster)  an  die  GSV  (01.08.33  und  08.10.33),  in:  BA-R  8014/514.
11  Vgl.  Ernennungsschreiben  Simons  für  Klamp  (07.12.33),  in:  BA-R  8014/268  sowie  Rundschreiben
Klamps  (02.01.34),  in:  StA  Bonn,  Pr  10/325.
118  Vgl.  Ernennungsschreiben  Simons  (05.03.34)  und  Brief  Beines  an  die  GSV  (07.03.34),  in:  BA-R
8014/403.  Unmittelbar  nach  der  Abstimmung  löste  sich  die  Gruppe  wieder  auf.
119  Vgl.  Führeranordnung  (September  1933),  in:  LHA  Koblenz,  661,11/27.  Möglicherweise  handelt  es
sich  hier  aber  auch  nur  um  einen  Entwurf  aus  der  Feder  Kellners  für  Simon.
120  Wahlen  fanden  beispielsweise  statt  in:  Altona  und  Bochum  (SF  14  (1933)  23,  S.  444),  Berlin  (SF  14
(1933)  20,  S.  393),  Erfurt  (SF  15  (1934)  5,  S.  87),  Eschweiler  (SF  14  (1933)  10,  S.  162),  Mannheim
(SF  14(1933)  15,  S.  250),  Stettin  (SF  14  (1933)  6,  S.  98),  Trier  (SF  14  (1933)  12,  S.  198  f.)  und
Waltrop  (SF  15  (1934)  21,  S.  410  f.).
121  Vgl.  LHA  Koblenz,  661,11/1-32.

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