Simon eingesetzten neuen Vorstände im Besitz einer höheren Autorität glaubten48.
Wie das Beispiel des Erfurter Stützpunktes Jena zeigt, kam es durchaus vor, daß eine
auf reinen Parteibefehl ins Leben gerufene Ortsgruppe eine lebhafte Eigeninitiative
entwickelte: Nach einer entsprechenden Anweisung leitete der dort ansässige Lehrer
Hofern Anfang 1934 die Gründung in die Wege; obwohl die Gruppe selbst nur 12
Mitglieder zählte, organisierte sie im laufenden Jahr etwa 40 Veranstaltungen44. Die
Zunahme der Ortsgruppen stellte die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ zugleich vor das
Problem, die neuen Mitglieder umfassend mit Informations- und Propagandamaterial
zu versorgen. In vielen Fällen beschränkte sich der Schriftverkehr zwischen den
neuen Stützpunkten und der Berliner Zentrale auf Bestellscheine der dort aufgelegten
Broschüren und Plakate; vielfach mußten die aus dem Boden schießenden Ortsgruppen
erst auf die Gepflogenheiten des Vereins hingewiesen werden98 100.
Es entstanden allerdings nicht nur neue Ortsgruppen und Stützpunkte des Bundes,
sondern die bereits bestehenden Vereinigungen erlebten einen massenhaften Zulauf.
Die Duisburger Ortsgruppe verdoppelte beispielsweise ihre Mitgliederzahl auf 148101 102,
und in Bochum zählte die dortige Ortsgruppe nach zwei Jahren insgesamt 570
eingeschriebene Mitglieder - gegenüber 50 zu Jahresanfang 1933 ")2. Die äußerst
rührige Stettiner Ortsgruppe, die im November 1933 gerade auf 47 Mitglieder
verweisen konnte, wuchs binnen zweier Monate schlagartig auf 177 Mitglieder an.
Zur Jahresmitte 1934 existierten in Pommern schon 50 Stützpunkte mit zusammen
1.900 Mitgliedern103. Die Bezirksgruppe Sauerland konnte angeblich nach nur
zweimonatigem Bestehen bereits 6.000 Mitglieder verzeichnen, wobei sie in absehbarer
Zeit mit der zweieinhalbfachen Zahl rechnete104. Insgesamt 108 Ortsgruppen
und Stützpunkte zählte die von Heinz Kellner geleitete Landesgruppe „Westmark“
Ende 1934; nach einer internen Auflistung von August des gleichen Jahres105, derzufolge
zwar 16.236 Mitglieder in der Landesgruppe vereint waren, befanden sich zu
diesem Zeitpunkt allerdings erst knapp dreitausend Abstimmungsberechtigte unter
ihnen. Stärker als andere Landesgruppen wurde die „Westmark“ nach dem Vorbild
eines Parteigaus organisiert; als Mittelinstanz zwischen Ortsgruppenleiter und
Landesgruppenführer ernannte Kellner nach dem Führerprinzip Kreisleiter, die in
98 So diffamierte der Hamburger Vorsitzende Oswald seinen Vorgänger Helfgen bei Debusmann
((24.09.34), in: BA-R 8014/1151) mit dem Vorwurf, dieser stünde noch immer mit der Berliner
Zentrale in Verbindung.
w Vgl. Rechenschaftsbericht Adolf Hofems an die GSV (26.12.34), in: BA-R 8014/424.
"M1 Vgl. beispielsweise Brief der GSV an Paul Sanetra (24.05.34), in: BA-R 8014/457.
101 Vgl. BA-R 8014/317.
102 Vgl. SF 15 (1934)22. S. 473.
101 Vgl. SF 15 (1934) 2, S. 31; SF 15(1934) 11, S. 209. Beispielweise waren im schlesischen Greiffenberg
aus 700 Haushalten 312 Personen dem Verein beigetreten: Vgl. Mitteilung an die GSV
(06.06.34), in: BA-R 8014/370.
104 Vgl. SF 15(1934) 14, S. 275.
"1S Vgl. Ortsgruppenverzeichnis (Dezember 1934), in: LHA Koblenz, 661.11/6; Aufstellung (August
1934), in: LHA Koblenz, 661,11/21.
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