Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

regionaler  Konzentration  entlang  des  Rheins  hatte  sich  im  Vergleich  zu  früheren
Jahren  nichts  geändert.
Eine  allgemeingültige  Aussage  über  die  Initiative  zur  Gründung  einer  Ortsgruppe
nach  1933  ist  kaum  möglich:  Im  Falle  Freiburgs  wurde  beispielsweise  der  dortige
Oberbürgermeister  aktiv,  dessen  Ziel  es  war,  die  Abstimmungsberechtigten  in  einer
„Vereinigung  .Reichstreuer  Saarländer’“  zusammenzufassen.  Diesbezügliche  Vorarbeiten
  wurden  von  der  Stadtverwaltung  geleistet.  Fetzten  Endes  führten  allerdings
die  parallel  laufenden  Bemühungen  des  Saarländers  Fudwig  Temme  im  Februar  1934
zur  Gründung  des  Vereins94,  der  charakteristisch  für  jenen  neuen  Ortsgruppentypus
nach  1933  war:  Als  reine  Zweckgründung  wurde  dieser  nur  zur  Erfassung  und
Sammlung  der  Abstimmungsberechtigten  aktiv.  Landsmannschaftliche  Gedanken
traten  anders  als  in  früheren  Jahren  in  den  Hintergrund.  Ähnlich  ließe  sich  auch  der
Nürnberger  Saarverein  kennzeichnen95,  der  wie  viele  der  nach  1933  überstürzt
gegründeten  Ortsgruppen  weder  über  eigene  Satzungen  noch  über  eigenes  Vermögen
verfügte.  Derartige  kurzfristig  initiierte  Zweckbündnisse  besaßen  daher  kaum  mehr
den  Charakter  eigenständiger  Vereine,  sondern  waren  lediglich  dezentrale  Verwaltungsstellen96.
  In  noch  stärkerem  Maße  gilt  dies  für  die  zahlreichen  Stützpunkte
des  Bundes  der  Saarvereine.
Die  vermutlich  ideal  typische  Gründung  einer  neuen  Ortsgruppe  sowie  deren  Ausbau
beschrieb  der  Vorsitzende  einer  mitteldeutschen  Vereinigung:
„Es  wird  überall  gruppenweise  in  der  Bevölkerung  vorgegangen,  um  alle  zu  erfassen.  In  Görlitz
z.B.  ist  mit  den  Schulen  begonnen  worden,  es  folgen  dann  die  übrigen  Beamtengruppen,  von
denen  2.500  erfaßt  werden  sollen.  Dann  wird  in  die  großen  Betriebe  hineingegangen,  die  Angestelltenschaft
  der  großen  Geschäfte  wird  gleichfalls  auf  Sammelmeldebogen  erfaßt,  so  daß  mit
einer  nach  Tausenden  zählenden  Mitgliederzahl  allein  in  Görlitz  in  kurzer  Zeit  zu  rechnen  sein
dürfte.“97
Initiierte  die  Berliner  Geschäftsstelle  eine  Neugründung,  griff  sie  in  aller  Regel  wie
bisher  auf  bereits  bestehende  Kontakte  und  Einzelmitglieder  zurück;  erfolgte  die
Gründung  von  Koblenz  aus,  verlief  sie  meist  über  die  NSDAP-Parteischiene  durch
die  vor  Ort  ansässigen  Gliederungen.  Entsprechend  wurden  die  Ortsgruppen  auch
wahrgenommen.  Im  Extremfall  führte  dies  zu  einem  offenen  Konkurrenzkampf
zwischen  Ortsgruppen,  die  sich  weiterhin  nach  Berlin  orientierten,  und  Vereinigungen,
  die  ihre  Existenz  der  Koblenzer  Geschäftsstelle  verdankten.  Derartige  Konflikt
setzten  sich  selbst  in  seit  Jahren  bestehenden  Saarvereinen  fort,  da  sich  die  von

gelegt.
94  Vgl.  Briefe  des  Freiburger  Oberbürgermeisters  an  das  Bezirksamt  Freiburg  (16.01.34  und  23.02.34),  in:
StA  Freiburg,  C  4/  XIII/  23/  8.
95  Vgl.  Brief  der  Gendarmerie-Station  Zirndorf  an  die  Polizeidirektion  Nürnberg-Fürth  (03.01.34),  in:  StA
Nürnberg  C  7/  V/  7001.
96  Zur  Unterscheidung  vgl.  BÄREND,  S.  16-24.  Simon  legte  auf  derartige  Nebensächlichkeiten  keinen
Wert,  denn  trotz  mehrfacher  Ankündigung  erhielt  auch  die  Bundesorganisation  keine  neuen  Satzungen,
obwohl  die  alten  Richtlinien  mit  seinem  Amtsantritt  ihre  Gültigkeit  verloren  hatten.
9'  Vgl.  Brief  Hartmanns  an  die  GSV  (21.04.34),  in:  BA-R  8014/365.

308
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.