Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

und  Auskunftsstelle.  Insgesamt
erhob  sie  in  ihrer  Tätigkeit  einen
ähnlichen  Anspruch  wie  unmittelbar
  nach  Kriegsende  1918/19:
Da  die  freie  Meinung  im  Saargebiet
  unterdrückt  werde,  müsse
sie  für  die  entsprechende  Aufklärung
  im  Reich  sorgen.  Im
Laufe  der  Monate  paßte  sich  ihr
Korrespondenzstil  immer  stärker
dem  Sprachduktus  parteiamtlicher
  Schreiben  an.
Simon  betonte  explizit,  daß  die
bisherige  Führung  in  13  jähriger  Arbeit  ihre  völkische  Haltung  „kristallklar“  bewiesen
  habe,  weswegen  die  Gleichschaltung  des  Bundes  keineswegs  aus  Mißtrauen  oder
allein  aufgrund  des  Totalitätsstrebens  der  nationalsozialistischen  Bewegung  erfolgt
sei,  sondern  angesichts  der  Gemeinsamkeiten  zwischen  Nationalsozialismus  und
Bund  der  Saarvereine  auf  der  Hand  gelegen  habex4.  Während  Vogel  aus  diesem
Persilschein  für  die  Jahre  der  Weimarer  Republik  noch  die  Zuversicht  schöpfte,  „im
Geiste  des  neuen  Führertums  [...  ]  Schulter  an  Schulter  mit  den  Trägern  unserer
Volksgemeinschaft  zu  wirken“84 85 86,  wurde  in  Hinblick  auf  die  Ortsgruppen  bald  deutlich,
  wie  sehr  die  Gleichschaltung  das  Wesen  des  Bundes  veränderte  und  bisherige
Traditionen  und  Rituale  aufgegeben  werden  mußten.  Simons  Pläne  gingen  weit  über
eine  rein  formale  Gleichschaltung  hinaus.
1.2 Die  Ortsgruppen  des  Bundes  nach  1933
Sofern  Reaktionen  der  Ortsgruppen  auf  die  „Machtergreifung“  Hitlers  überliefert
sind,  finden  sich  durchgängig  positive  Stellungnahmen  zur  neuen  Regierung.  Die
meisten  lokalen  Saarvereine  legten  während  des  Frühjahrs  ein  entschiedenes  Bekenntnis
  zu  den  innenpolitischen  Umwälzungen  und  der  neuen  Staatspartei  abs<\  Die
Verknüpfung  von  bisherigen  Saarvereinstraditionen  mit  nationalsozialistischen

84  Der  zentrale  Berührungspunkt  zwischen  beiden  sei  die  „bewußte  und  betonte  völkische  Einstellung“  -
die  nationale  Zuverlässigkeit  alleine  genügte  also  nicht  mehr!  Es  gelte,  so  Simon,  fortan  den  Elan  des
Nationalsozialismus  in  den  Dienst  der  Saarpropaganda  zu  stellen,  um  bis  1935  die  reichsdeutsche
Bevölkerung  „wachgetrommelt“  zu  haben.  Personelle  Veränderungen  in  der  Bundesführung  schloß
Simon  aus:  Vgl.  SF  14  (1933)  18,  S.  324  ff.
85  SF  15  (1934)  16/17.  S.  319.
86  Vgl.  SF  14(1933)9,  S.  147;  SF  14(1933)  11,  S.  183;  SF  14(1933)  12,  S.  198;  SF  13(1932)  13,  S.  213
f.  Wegen  des  Vorwurfes  fehlender  nationaler  Gesinnung  an  die  Adresse  der  anderen  Parteien  durch  die
NSDAP  und  DNVP  erklärte  der  katholische  Strafanstaltspfarrer  von  Düsseldorf  seinen  Austritt  aus  dem
BdS.  Er  blieb  damit  ein  bemerkenswerter  Einzelfall  gegenüber  den  massenhaften  Beitritten  und  dem
Wiederaufleben  bestehender  Mitgliedschaften  nach  1933:  Vgl.  Brief  Faßbenders  an  die  GSV  (18.02.
33),  in:  BA-R  8014/157.

Die  Landesgruppenleiter
des  Bundes  der  Saarvereine  (Herbst  1934)

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