Saar hielt wieder Bürckel von Neustadt aus die Fäden der innersaarländischen
Propaganda in der Hand.
Der personelle Wechsel von Andres zu Simon hätte im Prinzip zu keiner einschneidenden
Veränderung geführt78, wenn nicht die Berliner Zentrale sukzessive von der
Koblenzer Geschäftsstelle bzw. der dortigen Gauleitung entmachtet worden wäre.
Zwar waren die wichtigeren Rundschreiben in aller Regel von der „Doppelspitze“
Simon und Vogel unterzeichnet, doch darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, daß
das tatsächliche Entscheidungszentrum nun am Rhein lag. Die Berliner Geschäftsstelle
wurde zu einem Hilfsorgan degradiert und mußte schließlich um die Durchschläge
der Koblenzer Korrespondenz bitten79.
Strukturell änderte sich im Grunde nur wenig: Als Simon Mitte September 1933
erstmals die Geschäftsräume in der Stresemannstraße besichtigte, setzte er den
ehemaligen Landrat von Ottweiler und langjährigen Beisitzer des Bundes, Staatsrat
von Halfern80, zum Nachfolger des verstorbenen Treuhänders Adolf Dröge ein. Auch
der Aufsichts- und Beratungsausschuß blieb bestehen, reduzierte sich allerdings auf
einen kleineren Arbeitszirkel aus Simon, Andres, Vogel, Debusmann, Posselt sowie
Karl Röchling81. An die Stelle des Beisitzergremiums im Bundesvorstand trat im
Oktober 1934 ein etwa 20köpfiger Führerrat, in welchen die von Simon reichsweit
ernannten Landesgruppenleiter sowie einige weitere Persönlichkeiten berufen
wurden82 83. Die Berliner Geschäftsstelle „Saar-Verein“ versuchte die Rückkehr zu
vertrauten Verhaltensformen, beispielsweise gab sie schon bald wieder Ratschläge an
die Behörden, verschickte neben ihren eigenen Publikationen und Lichtbildern
Plakate, Postkarten und Broschüren anderer Autoren, vermittelte Redner, beriet im
Vorfeld von Kundgebungen, übersandte Vortragsmaterial8’ oder diente als Anlauf¬78
Auch der Name der Saarorganisation wurde nicht wie sonst üblich mit dem Präfix „nationalsozialistisch“
versehen.
79 Vgl. Brief der GSV an Simon (25.11.33), in: BA-R 8014/259. Innerhalb der Gauzentrale zeichnete der
21jährige Albert Urmes als Gauamtsleiter verantwortlich; Michels war zuständig für Propagandafragen.
80 Landrat Carl von Halfern (1873-1937), der zeitweise als Kandidat für das Amt eines saarländischen
Regierungspräsidenten gehandelt und im Dezember 1919 ausgewiesen worden war, leistete dem Bund
in seinen Funktionen als Ministerialrat im PrMFinanz, später als Regierungspräsident von Hildesheim
(1922-1927) und Stettin (1927-1930) bzw. Oberpräsident von Pommern (1930-1933), wertvolle
Dienste. Dem Aufsichts- und Beratungsausschuß gehörte er seit dessen Bestehen 1922 an. Seit
Jahresmitte beurlaubt, trat er zum 01.10.33 in den Ruhestand, nahm aber das Ehrenamt des Preußischen
Staatsrats an: Vgl. Rundschreiben von Halferns an Landräte, Magistrate und selbständige Städte
(04.08.24, 12.02.26, 14.02.27 und 16.02.28), in: StA Göttingen, II A 15/7; Führerlexikon 1934/35, S.
168, SF 3 (1922) 20, S. 303; SF 14(1933) 15, S. 233 f. Vgl.'zur Frühphase 1918/19: HERRMANN: Der
Oberpräsident, S. 750 ff.
81 Auch wenn der einstige Mitgründer des SGS in den vergangenen Jahren nicht mehr im Zusammenhang
mit dem Bund in Erscheinung getreten war, spricht seine Ernennung dafür, daß er sich nicht völlig
zurückgezogen hatte.
82 Vgl. Brief der Geschäftsstelle Koblenz an Kill (07.11.34), in: BA-R 8014/184. Siehe Anhang Dok. 6.
Bereits der „Katechismus des Bundes der Saarvereine“ (Juni 1929, in: BA-R 8014/125) hatte den
Zusammenschluß zu Bezirks- und Landesverbänden gefordert.
83 Vgl. Schriftwechsel, in: BA-R 8014/1036-1040.
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