Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

eineinhalbjährigen Tätigkeit als Gauleiter von Wien (Januar 1939 - August 1940) 
nominell nicht aufgab66. Die erbitterteten Rivalitäten zwischen den beiden Kon¬ 
trahenten rissen nach der Rückgliederung des Saargebiets keineswegs ab. Simon 
mußte sogar hinnehmen, daß Bürckel die von ihm für seinen eigenen Gau bean¬ 
spruchte Westmark-Mythologie für den Gau Saarpfalz okkupierte67. 
Nach der Besetzung Luxemburgs durch die deutsche Wehrmacht wurde Gustav 
Simon im Juli 1940 zum Chef der dortigen Zivilverwaltung ernannt. In dieser Funk¬ 
tion war er Hitler unmittelbar weisungsgebunden und betrieb bis zur Befreiung des 
Großherzogtums im Herbst 1944 eine radikale Germanisierungs- und Nazifizierungs- 
politik, in deren Verlauf Deportationen. Umsiedlungen und Verhaftungen zum Alltag 
gehörten68. Während des Krieges spitzte sich der Konflikt mit Bürckel erneut zu. so 
daß ein Zeitgenosse in der Umgebung Simons die Bemerkung fallen ließ, in früheren 
Zeiten wäre ein Krieg „zwischen den Herzogen von Luxemburg und Lothringen" zu 
erwarten gewesen69. Ein halbes Jahr nach der bedingungslosen Kapitulation wurde 
Simon in Paderborn von den Briten verhaftet; verschiedene Versionen konkurrieren 
um die näheren Umstände seines Todes70. 
* * * 
Die Reaktionen auf den Wechsel der Bundesführung, den die Geschäftsstelle „Saar- 
Verein" einen Tag nach dem offiziellen Rücktritt von Andres den Mitgliedern, 
Verbänden und Behörden mitteilte71, waren verhalten. Sofern es überhaupt Kritik 
gab. wurde sie nicht öffentlich artikuliert. Langjährige Mitstreiter aus den Reihen der 
Ortsgruppenvorsitzenden befürworteten die Unterstellung des Bundes unter na¬ 
tionalsozialistische Führung, wenngleich sie betonten, daß sich der Verein nichts 
habe zuschulden kommen lassen72: 
„Eine Gleichschaltung braucht man sonst bei uns bestimmt nicht vorzunehmen. Der Saarverein 
und seine Vertreter waren bestimmt schon längst gleichgeschaltet, noch ehe man an die große 
Gleichschaltung im letzten Jahre gedacht hatte. Aus dem Revolutionstaumel der ersten Nach¬ 
kriegszeit erhoben sich zuerst die Grenzlandvereine und sangen es weit schallend hinaus das Lied 
von der Heimat- und Vaterlandsliebe. Wir wußten es, noch ehe ein nationalsozialistisches 
Programm erdacht war, daß das Leben höhere Werte birgt als Marxismus und jüdischer Sozialis¬ 
66 Basierend auf seinen Erfahrungen wurde Bürckel im April 1938 zum „Reichskommissar für die 
Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ berufen. 1940 folgte seine Ernennung zum 
Chef der Zivilverwaltung im besetzten Lothringen, 1941 wurde er Reichsstatthalter in der Westmark. 
Ende September 1944 starb Bürckel unter mysteriösen Umständen. 
67 Zu den Reformplänen, die sich hinter diesem Konzept verbargen, vgl. Harrison, S. 276-291 sowie 
allgemein: MUSKALLA. 
68 Vgl. DOSTERT; KRIER, S. 272-280. 
69 Zitiert nach: WOLFANGER: Josef Bürckel und Gustav Simon, S. 408. 
1 Vgl. HÖFFKES, S. 319. Offiziell verstarb er am 18.12.45. 
1 Vgl. Rundschreiben derGSV (19.07.33), in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 19. Vgl. auch S.Z. Nr. 184 
(17.07. 33) und Nr. 185 (18.07.33). 
Brief Dr. Kuhns an Vogel (09.08.33), in: BA-R 8014/391. Siehe auch die euphorische Äußerung Kuhns 
zur „Machtergreifung“ Hitlers in seinem Brief an die GSV (04.04.33), in: Ebd. Vgl. ebenso den Brief 
Giersbergs an Frieda und Theodor Vogel (28.07.33), in: BA-R 8014/482. 
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