Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

eines hervorragenden Organisators erworben, der zudem über gute Verbindungen zu 
bayerischen Saarstellen verfügte, und im Hinblick auf den hohen Anteil von Arbei¬ 
tern in der saarländischen Bevölkerung schien er wegen seines Sozialrevolutionären 
Kurses der geeignete Mann zu sein, der noch verhältnismäßig schwachen NSDAP 
des Saargebiets neue Impulse zu verleihen. Für diese Perspektive war die Reichs¬ 
partei bereit, die zu erwartenden Querelen in Kauf zu nehmen. 
Nach der „Machtergreifung“ im Reich währte der Antagonismus zwischen Koblenz 
und Neustadt drei Monate, während derer Bürckel den saarländischen Gau de facto 
seiner Zentrale angliederte. Als der bisherige Gauleiter Brück Anfang Mai 1933 als 
Reichshauptstellenleiter ins Reichsorganisationsamt der Partei nach Berlin berufen 
wurde'’3, hatte sich der pfälzische Gauleiter zwar durchgesetzt, sah sich jedoch zu 
Monatsende mit der Verordnung der Regierungskommission zur Änderung des 
deutschen Vereinsgesetzes von 1908 konfrontiert: Zum Schutz ihrer Unabhängigkeit 
hatten die saarländischen Vereinigungen, Parteien und Verbände fortan alle Bindun¬ 
gen zu übergeordneten Organisationen außerhalb des Saargebietes zu lösen. Da die 
jeweiligen Vorstände Saareinwohner sein mußten63 64, war Bürckel gezwungen, die 
Leitung der saarländischen NSDAP an den bisherigen stellvertretenden Gauleiter 
Alois Spaniol abzutreten. In ihm fand Simon wiederum einen Verbündeten, der nicht 
nur ebenfalls ein Gegner Bürckels war, sondern der seine Kandidatur für den Vorsitz 
im Bund der Saarvereine unterstützte65. 
Parteiinterne Konkurrenten hatte Simon nicht zu fürchten. Bürckel maß der Propa¬ 
ganda des Bundes der Saarverein nie größere Bedeutung bei, und Simon konnte 
darauf verweisen, daß sein Gaugebiet mit den ehemaligen preußischen Landkreisen 
den größten Teil des Saargebiets umfaßte. Längerfristig ging jedoch Simons Rech¬ 
nung nicht auf, Bürckel innerhalb der Partei als Saarkommissar zu beerben und über 
den Bund der Saarvereine den Fuß in der Tür zu haben, um zu gegebener Zeit seinen 
Einfluß bei der Rückgliederung des Saargebiets geltend zu machen: Am 10. August 
1934 übernahm der pfälzische Gauleiter von dem nach Wien abgeschobenen von 
Papen das Amt des Saarbevollmächtigten der Reichsregierung. Konsequenterweise 
wurde Bürckel auch im Januar 1935 zum „Reichskommissar für die Rückgliederung 
des Saarlandes“ ernannt; am Tag der Wiedervereinigung des Saargebiets mit dem 
Reich trat er die Leitung des neuen Gaues Saarpfalz an, die er selbst während seiner 
63 Die GSV vermied in dieser Phase, Stellung zu beziehen, und übersandte beiden nominellen Gauleitern 
Propagandamaterial: Vgl. Briefe der GSV an Bürckel (13.04.33 und 13.05.33) und Brück (27.04.33), 
in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 13. 
64 Vgl. Verordnung Nr. 257 (20.05.33), in: Amtsblatt der Reko 14 (1933) 21, S. 179-182; Verordnung Nr. 
278 (31.05.33), in: Amtsblatt der Reko 14 (1933) 23, S. 210 f.; Procès-Verbal der 669. Sitzung ( 18.05. 
33) und der 670. Sitzung (20.05.33), in: LA Saarbrücken, NL Koßmann 40; LIV. periodischer Bericht 
der Reko an den Völkerbund (30.06.33), in: JO 14(1933) 10-1, S. 1127 f, 
65 Vgl. Brief der GSV an Andres (11.07.33), in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 13. Vgl. HÖFFKES, S. 322; 
PAUL: Die NSDAP des Saargebietes, S. 181 f. Spaniol wurde Ende Februar 1934 als NSDAP-Landeslei- 
ter von Bürckel ausgebootet; er zog sich im April des folgenden Jahres auf den Posten des Bürgermei¬ 
sters von Andernach zurück, den er bis Kriegsende innehatte. 
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