Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Reichstagswahlen''6  erreichte  Simon  im  Frühjahr  1931
die  Teilung  des  Gaues  Rheinland  und  seine  eigene
Ernennung  zum  ersten  Gauleiter  des  südlichen  Gaues
Koblenz-Trier'  .  Seine  fehlende  Fronterfahrung  machte
er  wie  viele  seiner  Altersgenossen  durch  seine  berechnende
  Sachlichkeit,  Härte  im  Umgang  mit  politischen
Gegnern  und  Entschlossenheit  gegenüber  parteiinternen
  Konkurrenten  wett.  Der  Idee  des  Nationalsozialismus
  hatte  er  sich  vollständig  verschrieben,  bot  sie  dem
„körperlich  kleinste[n]  Gauleiter“56 58 59  doch  die  Möglichkeit,
  seine  Minderwertigkeitsgefühle  zu  kompensieren.
Simons  maßloser  Ehrgeiz  und  seine  Geltungssucht,
sein  arrogant-cholerisches  Auftreten  und  sein  Nepotismus
  stießen  selbst  bei  Parteifreunden  auf  Ablehnung^
Im  Laufe  des  Jahres  1933  erweiterte  sich  Simons  Reputation
  durch  seine  Wahl  zum  Präsidenten  des  Rheinischen
  Provinziallandtages  sowie  seine  Erhebung  zum  Preußischen  Staatsrat.
Verglichen  mit  anderen  Gauleitern  besaß  der  ambitionierte  Emporkömmling  jedoch
relativ  wenig  Einfluß:  Weder  wurde  er  zum  Reichsstatthalter  ernannt  noch  verfügte
er  über  die  Kompetenzen  eines  Oberpräsidenten60.  Als  Saarländer  mußte  es  ihn
besonders  schmerzen,  daß  Hitler  an  seiner  Stelle  dem  pfälzischen  Gauleiter  Bürckel
im  Februar  1933  das  Amt  des  Saarkommissars  übertrug61.  Ähnlich  wie  er  selbst  hatte
der  ihm  an  persönlichem  Ehrgeiz  und  Selbstherrlichkeit  in  nichts  nachstehende,  fünf
Jahre  ältere  Bürckel  ebenfalls  zunächst  die  Lehrerlaufbahn  eingeschlagen,  bis  er  sich
Mitte  der  zwanziger  Jahre  verstärkt  innerhalb  der  Partei  engagierte.  Im  Frühjahr  1926
übernahm  er  die  Führung  des  Gaues  Rheinpfalz  mit  seiner  ein  Jahr  später  nach
Neustadt  verlegten  Zentrale.  Gleichzeitig  mit  Simon  zog  Bürckel  1930  in  den  Reichstag
  ein,  wo  er  zum  linken  Parteiflügel  tendierte62.  Schon  früh  hatte  er  sich  den  Ruf

56  Im  November  1929  errang  die  NSDAP  mit  38,5%  der  gültigen  Stimmen  mehr  Mandate  im  Koblenzer
Stadtrat  als  die  SPD  und  KPD  zusammen;  es  war  das  prozentual  beste  Ergebnis  für  die  Partei  in  ganz
Preußen.  Im  Folgejahr  zog  Simon  neben  vier  Zentrumsabgeordneten  in  den  Reichstag  ein:  In  den
Wahlen  1932  wurde  die  NSDAP  im  katholisch  dominierten  Wahlkreis  gar  stärkste  Partei  und  Simon
errang  ein  Mandat  im  Preußischen  Landtag:  Vgl.  DÖRING;  GOLECKI,  S.  167  f.
57  Vgl.  TYRELL,  S.  365-371;  KRIER,  S.  258  f.
58  Emmendörfer,  S.  102.
59  Vgl.  Brief  eines  Trierer  Parteimitglieds  an  die  Reichsleitung  der  NSDAP  (28.03.33),  in:  HEYEN:
Nationalsozialismus  im  Alltag,  S.  311  f.  (Dok.  183).  KRIER  (S.  255)  charakterisiert  Simon  als  „kämpferisch,
  rücksichtslos,  radikal,  brutal  und  gewalttätig“.
60  Auch  HÜTTENBERGER  (Die  Gauleiter.  S.  88)  zählte  ihn  zu  den  unbedeutenderen  Gauführern.
61  Vgl.  JACOBY,  S.  96;  PAUL:  Die  NSDAP  des  Saargebietes,  S.  68  f.
62  Dank  Bürckels  populistischem  Antikapitalismus  und  aktiver  Sozialpolitik  gelang  es  der  pfälzischen
NSDAP,  in  das  proletarische  Milieu  vorzustoßen  und  dort  sowohl  Wähler  als  auch  Mitglieder  zu
rekrutieren:  Zu  Bürckel  allgemein  vgl.  FENSKE:  Josef  Bürckel;  Höffkes,  S.  43-47;  Paul:  Josef
Bürckel;  WOLFANGER:  Populist  und  Machtpolitiker.

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