fanden, und gestand ein, wie schwer es ihm falle, „mit den jugendlichen Stürmern
zusammen zu arbeiten.“51 Andererseits stellte er aber das Bundesorgan dem Nationalsozialismus
bereitwillig als Werbeplattform zur Verfügung52. Verboten sich
andere Positionen als die ostentative Zustimmung zum Rücktritt Deutschlands von
der Abrüstungskonferenz und Austritt aus dem Völkerbund von selbst, so nahm die
Anbiederung schon früh byzantinische Züge an: In seinem Osterartikel 1933 konstruierte
der „Saar-Freund“ Analogien zwischen der nationalsozialistischen
„Machtergreifung“ und Elementen der christlichen Heilsgeschichte53. Am Ende
dieser Entwicklung präsentierte Vogel die Saarorganisation als willfähriges Instrument
auf dem Silbertablett. Rückblickend erschien der Bund und die Geschäftsstelle
„Saar-Verein“ als Teil der „Bewegung“; erst durch das Führerprinzip und die
damit verbundene Neuorganisation des Bundes sei in den Ortsgruppen schlagartig
neues Leben erwacht. Es verstand sich von selbst, daß in der Außendarstellung kein
Platz für kritische Anmerkungen über die Gleichschaltung war54. Dies galt in gleichem
Maße auch für die Person des neuen Bundesvorsitzenden.
* * *
Gustav Simon wurde am 2. August 1900 als Sohn eines Reichsbahnbeamten in
Saarbrücken geboren55. Zu Jahresanfang 1920 absolvierte der Katholik die Abschlußprüfung
des Lehrerseminars in Merzig, sah sich aber gezwungen, die folgenden Jahre
als Eisenbahnaushelfer und Zolldeklarant zu überbrücken, bis er im Herbst 1923 in
Frankfurt am Main ein volkswirtschaftliches, ab 1925 auch rechtswissenschaftliches
Studium aufnehmen konnte. Als Diplomhandelslehrer verließ Simon im Jahr 1927
die Universität, wo er nach seinem Eintritt in die NSDAP (1925) die dortige Hochschulgruppe
des NSDStB initiiert hatte. Bei den AStA-Wahlen 1927 wurde er zum
reichsweit ersten nationalsozialistischen Vorsitzenden einer Studentenschaft gewählt.
Seinen Beruf als Handelslehrer übte er nur kurze Zeit aus; bereits 1928 quittierte er
den Schuldienst und widmete sich fortan hauptamtlich der NSDAP.
Simons Parteikarriere ging steil nach oben: Nach einem kurzen Zwischenspiel als
Bezirksleiter für Trier-Birkenfeld wurde er von Robert Ley zum Leiter des Bezirks
Koblenz-Trier ernannt, wo er fortan für den Aufbau der Parteiorganisation durch
Gründung neuer Ortsgruppen und Festigung der bestehenden Vereinigungen verantwortlich
war. Auf der Basis seiner Mobilisierungserfolge bei Kommunal- und
51 Vgl. Brief derGSV an Emil Strecker (12.04.34), in: BA-R 8014/1031.
52 Vgl. beispielsweise SF 14(1933) 8,S. 118 f.; SF 14(1933) 16/17, S. 254 ff.; SF 14 (1933) 21, S. 397
f.; SF 14 (1933) 22, S. 413 f.; „Deutsche Tageszeitung Nr. 361 (31.12.33).
53 Vgl. SF 14(1933) 8. S. 118.
54 Die „Eingliederung in die nationale Front der NSDAP war daher nicht nur eine Selbstverständlichkeit,
sondern wir haben sie auch mit innerer Genugtuung vollzogen.“ Vgl. Jahresbericht 1933, S. 9 und S.
22. Vgl. ebenso Vogels 1934 überarbeiteter Standardvortrag, in: LA Saarbrücken. NL Vogel 31
55 Vgl. im folgenden: Das deutsche Führerlexikon 1934/35, S. 459; HEYEN: Nationalsozialismus im
Alltag; HÖFFKES, S. 317 ff.; K.R1ER; RATHS. Aus Simons 1942 geschiedener Ehe stammte ein 1931
geborener Sohn.
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