Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

auch  innerhalb  der  Partei  den  notwendigen  Rückhalt.  Abgesehen  von  seinen  organisatorischen
  und  rhetorischen  Fähigkeiten  verfüge  er  als  Gauleiter,  Staatsrat  und
Präsident  des  Rheinischen  Provinziallandtages  über  die  notwendige  Autorität,  die  zur
Lösung  der  anstehenden  Schwierigkeiten  erforderlich  sei.  Immerhin  bewies  Kellner
noch  gewisse  Loyalität  gegenüber  Vogel,  da  er  empfahl,  diesen  auf  seinem  Posten  in
der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein"  zu  belassen36.
Der  1888  geborene  Kellner'7  war  aufgrund  seines  Engagements  als  Vorstandsmitglied
  der  Bezirksgruppe  Saar  des  Deutschen  Beamtenbundes,  von  der  Regierungskommission
  zum  Jahresanfang  1922  wiederder  deutschen  Regierung  zur  Verfügung
gestellt  worden.  Er  selbst  pochte  noch  Jahre  später  darauf,  infolge  einer  Auseinandersetzung
  mit  dem  umstrittenen  Mitglied  der  Regierungskommission  Hector
förmlich  ausgewiesen  worden  zu  sein3*.  Für  kurze  Zeit  fand  er  Anstellung  in  Neuwied,
  wo  er  an  der  Gründung  der  bereits  1922  wieder  von  der  Rheinlandkommission
verbotenen  Ortsgruppe  mitwirkte,  wurde  aber  schon  1924  nach  Koblenz  versetzt.
Nach  der  „Machtergreifung'4  lief  Kellner  mit  wehenden  Fahnen  zum  Nationalsozialismus
  über:  gegenüber  Vogel  bekannte  er  im  Frühjahr  1933:
„[...]  Die  nationale  Revolution  ist  wirklich  eine  Geisteswende.  Es  ist  dies  das  Verdienst  unseres
Volkskanzlers  und  Führers  Adolf  Hitler.  Auch  in  unserem  Bunde  muß  manches  anders  werden,
es  müssen  Dir  Männer  der  Tat  zur  Seite  gestellt  werden,  die  Bonzen  und  Drohnen  müssen  auch
aus  unseren  Reihen  verschwinden,  Namen  brauchen  wir  keine  im  Freiheitskampf,  sondern
Männer  mit  Herzen  für  die  Heimat.  Der  weitere  Kampf  kann  nur  aufgebaut  werden  auf  den
nationalen  Verbänden  und  Mithilfe  derer  Führer.  Alle  Angehörigen  jüdischer  Rasse  und  Personen
die  sich  in  der  marxistischen  Bewegung  herausgestellt  haben,  müssen  ausgemerzt  werden.  Mein
persönlicher  Kampf  richtet  sich,  wie  schon  bisher,  künftighin  noch  vermehrt  auch  gegen  den
Jesuiten  Kossmann,  der  es  gewagt  hat,  als  sogenannter  deutscher  Vertreter  in  dem  französischen
Vereinsvorstandes  genannt  Reg.Kom.  seine  Stimme  für  das  Verbot  der  nationalsozialistischen
Freiheitsbewegung  im  Saargebiet  herzugeben.  [,..]“39
Nach  dieser  eindeutigen  Positionierung  überraschte  es  kaum,  daß  Kellner  relativ
schnell  auf  der  Karriereleiter  nach  oben  kletterte:  Anfang  Juli  1933  wurde  er  zum
Beauftragten  des  Grenzamts  West  und  des  Reichskommissars  ernannt40.  Seine
Loyalität  gegenüber  seinem  Gauleiter  mag  aufrichtiger  Natur  gewesen  sein;  jedenfalls
konnte  der  kriegsbeschädigte  niedere  Beamte  Kellner  darauf  bauen,  im  Gefolge
Simons  parteiintern  und  gesellschaftlich  die  größten  Aufstiegschancen  zu  erlangen.
Einen  wertvollen  Verbündeten  fand  er  in  Dr.  Fleinrich  Schneider,  dem  neu  ernannten
Saarreferenten  im  preußischen  Innenministerium  und  Leiter  der  Saarabteilung  der

36  Vgl.  Brief  Kellners  und  Wagners  an  Frick  (11.07.33),  in:  BA-R  8014/441.
37  Als  Trainer  des  Fußballvereins  Borussia  Neunkirchen,  der  als  siebtgrößter  Verein  im  Deutschen
Fußballbund  in  der  Spielzeit  1920/21  süddeutscher  Meister  wurde,  erlangte  Kellner  einen  relativ  hohen
Bekanntheitsgrad  in  seiner  Heimatstadt:  Vgl.  Tätigkeitsbericht  Kellners  (30.04.37),  in:  LHA  Koblenz,
661,11/24;  „Saar-  und  Blies-Zeitung“  (25.08.33).
38  Vgl.  Tätigkeitsbericht  Kellners  (30.04.37),  in:  LHA  Koblenz,  661,11/24;  Brief  der  Reko  an  Kellner
(24.11.21),  in:  BA-R  8014/160.
39  Vgl.  Brief  Kellners  an  die  GSV  (16.04.33),  in:  LHA  Koblenz,  661,11/2.  Hervorhebung  und  Rechtschreibfehler
  im  Original.  Vgl.  auch  Brief  Kellners  an  Willi  Cartellieri  (26.04.33),  in:  Ebd.
431  Vgl.  Brief  der  GSV  an  Kellner  (10.07.33),  in:  Ebd.

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