ren ’2. Zur Koordinierung und Information gab der BDW einen hektographierten
monatlichen Pressespiegel, die „Westdeutsche Chronik“ heraus32 33.
Neben dem nur widerwillig vollzogenen Beitritt zum „Bund Deutscher Westen“
bemühte sich Vogel Ende Juni 1933, die vereinsinternen Gremien der Geschäftsstelle
„Saar-Verein“ durch die Aufnahme von Nationalsozialisten derart umzustrukturieren,
daß auf diese Weise das leidige Thema der Gleichschaltung vom Tisch sein würde34 35.
Da der Aufsichts- und Beratungsausschuß in den vergangenen Jahren zwar einflußreiche
Persönlichkeiten an den Saarverein gebunden, dabei aber kaum wirkliche
Kontrollfunktionen wahrgenommen und in aller Regel den Vorschlägen Vogels seine
Zustimmung erteilt hatte, schien dieser Schritt keine gravierenden Veränderungen
nach sich zu ziehen. Dabei trat Vogel auch an den Koblenzer Gauleiter Simon heran,
nicht ohne darauf hinzu weisen, daß auch dessen Neustädter Widersacher Bürckel zur
Mitarbeit gewonnen werden sollte’". Nur wenige Tage später mußte Vogel allerdings
erkennen, daß seine Strategie der halbfreiwilligen Kooperationsbereitschaft Schiffbruch
erlitt: Die Gleichschaltung des Bundes der Saarvereine konnte durch seine
offensichtlich widerwillig eingeräumten Konzessionen nicht verhindert werden. Sie
wäre in dieser Art jedoch nicht ohne die persönlichen ehrgeizigen Ambitionen dreier
Männer umgesetzt worden.
1.1.3 „Revolution von unten “ und Austausch der Köpfe
Mitte Juli 1933 überschlugen sich die Ereignisse; binnen weniger Tage wurden die
entscheidenden Weichen für die Gleichschaltung des Bundes gestellt. Die Initialzündung
hierzu bildete das Schreiben des Vorsitzenden der Koblenzer Ortsgruppe Heinz
Kellner an Reichsinnenminister Frick. Er plädierte darin gemeinsam mit dem Bürgermeister
des benachbarten Ehrenbreitstein nicht nur für die Anwendung des Führerprinzips
auf den Bund der Saarvereine, sondern brachte zugleich den Gauleiter von
Koblenz-Trier-Birkenfeld, Gustav Simon, als Nachfolger von Otto Andres ins Spiel.
Dieser sei als gebürtiger Saarländer mit den Problemen und Nöten der Saarbevölkerung
vertraut, kenne ebenso die Methoden der Rückgliederungsgegner und besitze
32 Vgl. Entwurf der „Richtlinien für die Ortsgruppen der landsmannschaftlichen Verbände“ (August
1933), in: BA-R 8014/753. Der Dachorganisation, die vier Jahre später in der „Volksdeutschen
Mittelstelle“ aufging, schlossen sich bis Sommer 1933 neben dem BdS folgende Verbände korporativ
an: Vereinigte Landsmannschaften Eupen-Malmedy-Monschau, Bund der Elsaß-Lothringer im Reich,
Verein der Badener, Verein der Hessen, Westfalenbund, Saarländischer Gebirgsverein, Reichsverband
der Rheinländer, Siegerländer Verein zu Berlin und Bund der Flamenfreunde: Vgl. Brief Mehrmanns
an die GSV (14.07.33), in: BA-R 8014/753. Innerhalb des Dachverbandes zeigte der BdS kein größeres
Engagement.
33 Vgl. BA-R 8014/753 f.
34 Vgl. Brief der GSV an Kellner (10.07.33), in: LHA Koblenz. 661,11/2.
35 Vgl. Briefe der GSV an Dr. Ispert (28.06.33, in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 13) und Simon
(28.06.33), in: BA-R 8014/753. Vogel versuchte, die bekannte Rivalität zwischen den beiden Gauleitern
für seine Zwecke zu nutzen: Vgl. Brief der GSV an „Bürkel“ (28.06.33), in: LA Saarbrücken,
Saar-Verein 13. Ferner wurden Oberstleutnant Sichting, der bereits 1932 dem Ausschuß angehörte, von
Xylander, Major von Zengen, ein aus Rosenheim stammender Innleiten sowie Dr. Ispert in das Gremium
gebeten.
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