der lange erbetenen Aussprache mit dem neuen Aktionsausschuß und den Spitzen der
staatlichen und parteiinternen Bürokratie am 15, Juni 1933 erging die Weisung, dem
Führungsstab des „Bundes Deutscher Westen'1 beizutreten. Dies schien der Preis für
den Fortbestand der Saarorganisation zu sein, deren Arbeit von allen maßgebenden
Stellen anerkannt wurde. Die Konferenz Mitte Juni beendete somit den seit zwei
Monaten währenden Schwebezustand, wenn auch die Entscheidung über die Aufbringung
der von der Geschäftsstelle „Saar-Verein“ ermittelten fehlenden 170.000
RM vertagt wurde28. Auf der ersten regulären Sitzung des „Bundes Deutscher
Westen“ am 23. Juni 1933 wurden Andres und Vogel für den Bund der Saarvereine
in den Führungsstab aufgenommen28 29. Offensichtlich glaubte insbesondere Vogel, daß
der Bund mit dem Beitritt seine Schuldigkeit getan hatte. Mit weitergehenden Konzessionen
an die „neuen Verhältnisse“ rechnete er nicht. Die Beschwichtigungen des
Präsidenten Spiewok mögen das ihre zu dieser Fehleinschätzung beigetragen haben:
Jeder der angeschlossenen Verbände könne in dem ihm übertragenen (geographischen)
Gebiet autonom agieren, stelle somit dort eine Art Generalstab dar, während
der „Bund Deutscher Westen“ wie eine „strategische Heeresleitung in allen Westfragen"
koordiniere30. Diese Charakterisierung befriedigte auch Vogel, der auf der
ersten öffentlichen Versammlung des „Bundes Deutscher Westen“ am 30. Juni in
Berlin noch einmal eindringlich den Bund der Saarvereine von gewöhnlichen Landsmannschaften
des Westens abgrenzte31.
Obwohl sich sein engeres „Kampfgebiet“ auf die Region „zwischen der Sprachgrenze
im Westen des Rheins und der Entmilitarisierungsgrenze im Osten des
Stromes“ erstreckte, waren die Ortsgruppen der Verbände wegen der engen Wechselwirkung
zwischen dem Schicksal des Westens und der Zukunft im Osten gehalten,
auf lokaler Ebene mit den Ortsvereinen des „Bundes Deutscher Osten“ zu kooperie¬28
Neben den „Triumvirn“ Bürckel, Röchling und Kiefer nahmen unter dem Vorsitz Voigts im AA
Vertreter des RMPropaganda, des RMI, Preußens und Bayerns sowie Selzner von der pfälzischen
Gauleitung und Ernst vom BDW teil. Vögel und Andres vertraten die Interessen des Bundes: Vgl. Brief
der GSV an von Papen (16.06.33), in: PA AA, II a Saargebiet, R 76.095; Brief Sperrs an die StK
(16,06.33), in: BayHStA, StK 6100.
29 Vgl. SF 14(1933) 13, S. 212 f.
30 Vgl. Protokoll der Sitzung vom 23.06.33 (24.06.33), in: BA-R 8014/753. Mit der Bitte um strengste
Diskretion weihte Spiewok die Anwesenden anschließend in die außenpolitischen Zielsetzungen des
neuen Regimes ein: „Im Osten wolle sie Expansionspolitik treiben und großzügig siedeln lassen, wozu
die Bevölkerung aller deutschen Stämme herangezogen werden solle. Gesamtbedingung hierfür sei aber
eine feste Linie im Westen. Das endgültige Ziel sei, im Westen die politische Grenze mit der Sprachgrenze
in Übereinstimmung zu bringen.“ Hieraus die Folgerung zu ziehen, daß der BDW ein aktives
Mittel der Kriegsvorbereitung gegen Frankreich und Belgien gewesen sei, führt zu weit. Vgl. aber
Weissbecker: Bund Deutscher Westen, S. 316.
31 Vgl. Presseartikel (Juli 1933), in: BA-R 8014/753; SF 14 (1933) 14, S. 226-229. Auch nach vollzogener
Gleichschaltung stand für Vogel fest; „Eine innere Umstellung des Saarvereins, der von jeher
eine klare völkische Haltung zeigte und ein reines nationales Streben verfolgte, hatte der Saarverein
nicht nötig, aber als Ausdruck seiner äußeren Einstellung vollzog er seine Eingliederung in diese
Bewegung und seinen Beitritt zum Bund Deutscher Westen.“: Vgl. undatiertes Protokoll der Mitgliederversammlung
der Berliner Ortsgruppe (05.10.33), in: LA Berlin, Rep. 042/26.420.
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