sich für eine Wiederbelebung der Dachorganisation durch die Revisionspolitik
Hitlers boten. Er plädierte in seiner Denkschrift „Rheinische Propaganda im großdeutschen
Raum“ dafür, daß sich alle Verbände des Westens zusammenschließen und
sich die materiellen Ressourcen der NSDAP, des Stahlhelm und des VDA zunutze
machen sollten. Anderenfalls drohten die Belange des Westens gegenüber der
anstehenden Ostproblematik in den Hintergrund zu rücken22.
Mehrmanns theoretische Überlegungen wurden schneller realisiert, als eres selbst für
möglich gehalten hätte: Nur zwei Tage nach Konstituierung des „Bundes Deutscher
Osten“ erfolgte völlig überstürzt am Abend des 29. Mai 1933 die Gründung der
Parallelvereinigung „Bund Deutscher Westen“23. Die Initiative hierzu war vom
„Führer“ des DSB und Vorsitzenden der Elsaß-Lothringer im Reich, Robert Ernst,
sowie dem nationalsozialistischen Berliner Stadtverordnetenvorsteher Eduard Karl
Spiewok ausgegangen, die sich fortan die Leitung als Führer bzw. Präsident teilten.
Widerstände der potentiellen Mitgliedsverbände nahmen beide zugunsten der schnellen
Gründung billigend in Kauf24. Während Mehrmann am nächsten Tag als Geschäftsführer
gewonnen werden konnte und infolgedessen den Westausschuß in den
„Bund Deutscher Westen“ überführte25, stieß der ambitionierte VDA-Westreferent
Ernst beim Bund der Saarvereine zunächst auf heftige Gegenwehr, Da die Zielsetzung
des neuen Westbundes bislang noch im dunkeln liege, aber aller Voraussicht
nicht mit den Intentionen des Saarvereins in Einklang zu bringen sei, hielten es Vogel
und Posselt in einer umgehend einberufenen Besprechung mit Mehrmann aus außenpolitischen
Erwägungen für geraten, den Beitritt nicht zu vollziehen26. Die Bundesleitung,
der die Reaktivierung des zur Passivität verurteilten Westausschusses sinnvoller
schien, suchte in von Papen einen Fürsprecher ihrer Unabhängigkeit: Neben allgemeinen
Fragen über die künftige Finanzierung des Bundes - Vogel veranschlagte
schon zu diesem Zeitpunkt die Summe von 150.000 RM - wurde auf dem Empfang
beim Vizekanzler am 9. Juni auch das Problem der Erhaltung der Selbständigkeit und
„Vermeidung jeglicher Überorganisationen“ angeschnitten27 - vergeblich: Im Verlauf
22 Vgl. Denkschrift Mehrmanns (vermutlich Mai 1933), in: BA-R 8014/753.
23 Vgl. Weissbecker: Bund Deutscher osten (BDO); Ders.: Bund Deutscher Westen (BDW); Freund,
S. 65 f.; ERNST, S. 208. Nach seinen Satzungen (Juli 1933, in: BA-R 8014/753) diente er „der Zusammenfassung
der Volksdeutschen und landsmannschaftlichen Körperschaften des Westens zwecks
gemeinsamer Arbeit zur Wahrung deutschen Kulturgutes und sichert[e] den angeschlossenen Einsatz
aller Kräfte in den volkspolitischen Lebensfragen des deutschen Westens. Die Selbständigkeit der
einzelnen ihm angeschlossenen Körperschaften [... bleiben] bestehen.“ (§ 1). Mitglieder waren in der
Volkstumsarbeit tätige Volksdeutsche und landsmannschaftliche Körperschaften des deutschen
Westens, „vertreten durch ihre Führer [handschriftlich eingefügt:] arischer Abkunft [...]“ (§ 3).
24 Vgl. Brief Mehrmanns an die GSV (30.05.33), in: BA-R 8014/801. Die Konzentration verschiedener
Einzelorganisationen in Dach verbänden ist charakteristisch für die nationalsozialistische Vereinspolitik:
Vgl. Rupf, S. 20 f.
25 Vgl. Brief Mehrmanns an die GSV (30.05.33), in: BA-R 8014/801.
26 Vgl. undatiertes Protokoll der Besprechung vom 31.05.33, in: Ebd. Vgl. auch den vorangehenden Brief
Ernsts an die GSV (30.05.33), in: Ebd.
Vgl. undatierte Tagesordnungspunkte, in: BA-R 8014/682.
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