mühungen zu werden, das Verhältnis zu den Nationalsozialisten zu ordnen. Dabei
zeichnete sich angesichts der ablehnenden Haltung, welche die saarländische Sozialdemokratie
schon sehr früh gegenüber dem neuen Regime einnahm und welche sich
auch in Teilen des Zentrums abzeichnete* 15, rasch ab, wie notwendig eine überparteiliche
Sammlungsbewegung sein würde. Konnte es sich Vogel Ende 1931 noch leisten,
den Bruch mit der Saar-SPD billigend in Kauf zu nehmen, da diese selbst keine
Zweifel an ihrem Wunsch nach Rückgliederung aufkommen ließ, so geriet die
überwältigende Mehrheit der prodeutschen Option im bevorstehenden Plebiszit durch
die Reaktion der SPD auf die braune Reichsregierung ins Wanken. Gerade die
opponierenden Skeptiker in den Reihen der Sozialdemokratie - und ebenso innerhalb
des politischen Katholizismus - galt es, wieder zurück ins,,deutsche Boot“ zu holen.
Auf der anderen Seite sah die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ in der neu aufgelegten
Überparteilichkeit eine Möglichkeit, das eigene Überleben zu sichern, indem sie als
weiterhin private und formal von den Nationalsozialisten unabhängige Organisation
eine Nischenfunktion ausfüllte. Diese Alternative sagte den führenden Köpfen des
Bundes umso mehr zu, als sie - im Gegensatz zu den Vorsitzenden einiger Ortsgruppen
- keine Affinität zur neuen Staatsdoktrin besaßen16.
Die Notwendigkeit der überparteilichen Sammlung aller rückgliederungswilligen
Kräfte wurde prinzipiell auch in der Besprechung zwischen Hitler und einer saarländischen
Delegation am 15. Mai in der Reichskanzlei erkannt. Der „Führer“ selbst
rechnete dem Ausgang des Plebiszits die größten Chancen aus, wenn die bisherigen
Parteien nach der Devise „getrennt marschieren - vereint schlagen“ bestehen
blieben17. Ein dreiköpfiger Arbeitsausschuß aus dem Gewerkschaftssekretär Peter
Kiefer, dem saarländischen Unternehmer Hermann Röchling sowie dem Neustädter
Gauleiter Josef Bürckel als Vertreter der NSDAP wurde am folgenden Tag im
verderben, nicht nachzulassen in dem Bestreben, bei jeder der wechselnden Gestalten den Willen zu
stärken, die Saar zu halten und danach zu handeln. Es war nicht vorauszusehen, daß, wenn der Saarkanipf
sich seinem Ende zuneigte, in Deutschland die Parteien überwunden sein würde und eine
zielsichere und starke Hand den Staat führte. In der rein überparteilichen Gestaltung des Saarkampfes
waren die Geschäftsstelle ’Saar-Verein’ und der Bund der Saarvereine mit Wegbereiter |! - F.B.l für die
Überwindung der Parteien.“
15 Vgl. zur seit November 1933 eigenständigen „Sozialdemokratischen Landespartei des Saargebietes“:
Kunkel, S. 71-119; von zur Mühlen: Schlagt Hitler, S. 81-103; Paul: Max Braun, S. 60-99;
ZENNER: Parteien und Politik. S. 282-287 und S. 295-298. Zum Katholizismus vgl. VONZUR MÜHLEN:
Schlagt Hitler, S. 120-138; Gestier, S. 29-129; Haupert/ Schäfer.
16 So bekannte Vogel gegenüber dem bayerischen Landesgruppenvorsitzenden Johannes, einem überzeugten
Nationalsozialisten: „Ich selbst bin ein alter Nationalliberaler, der zeitlebens für die Devise ’Mit
Gott für König und Vaterland’ gekämpft hat, durchaus national eingestellt und brauche keine Gleichoder
Umschaltung, zumal ich durchaus davon beseelt bin, daß es Pflicht eines jeden guten Deutschen,
der guten Willens ist, sein muß, dafür zu sorgen, daß uns die nationale Regierung im Vertrauen auf den
Reichskanzler Adolf Hitler erhalten bleibt. Dazu ist aber m.E. auch notwendig, daß Freunde für diese
nationale Regierung in weitestem Umfange gewonnen werden [...]“: Vgl. Brief der GSV an Johannes
(26.05.33), in: BA-R 8014/511.
17 Vgl. Protokoll (15.05.33), in: BA-R 43-1/253; ADAP, C 1/1, Dok. 207, S. 372 ff.; Dok. 227, S. 408;
Dok. 235, S. 420-425; Dok. 236, S. 425 ff.; Dok. 240, S. 435-438; Dok, 248, S. 451-455; Protokoll
Sperrs (16.05.33), in: BayHStA, Stk 6100; ZENNER: Parteien und Politik, S. 277 ff.; JACOBY, S. 104 f.
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