Ermächtigungsgesetz als Landesverräter beschimpft wurde, hatte die Zusammenarbeit
zwischen ihm und der Berliner Geschäftsstelle ein Ende gefunden. Vogel drängte nun
darauf, durch konsequente Nichtbeachtung Brauns im „Saar-Freund“ das Problem
auszublenden46 47.
Die phasenweise gute Kooperation mit einzelnen Sozialdemokraten kompromittierte
den Bund nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“, so daß sich der
stellvertretende Bundesvorsitzende Debusmann auf der Arbeitssitzung der Bundestagung
1933 zu einer Neubewertung des Verhältnisses hinreißen ließ:
„Bei der seit Bestehen einwandfreien kerndeutschen nationalen Einstellung des Bundes der
Saarvereine sei es erklärlich, daß die Saarvereine von sozialistischen und kommunistischen
Elementen vollständig frei geblieben seien, denn diese Elemente hätten es gewußt, daß sich ihre
internationalen Träumereien mit wahrer Heimatliebe nie vertragen könnten.“
Das Verhältnis zum früheren politischen Hauptgegner Vogels, dem Zentrum, war
demgegenüber nicht durch derartige leidenschaftlich geführten Auseinandersetzungen
geprägt. Anders als bei der politischen Linken richtete sich die Kritik der
Geschäftsstelle „Saar-Verein“ nicht gegen die gesamte Partei, sondern nur gegen
einzelne Mitglieder, die exemplarisch an den Pranger gestellt wurden48 52. In nationalpolitischen
Fragen nahm der „Saar-Freund“ das Zentrum in aller Regel in Schutz,
wertete von der Linie des Bundes abweichende Äußerungen als Entgleisungen
einzelner44 und forderte die Partei offen auf, sich von den „Schädlingen am Deutschtum“
zu trennen60. Zur Bewahrung ihres guten Verhältnisses zum Zentrum bzw. zur
christlichen Gewerkschaftsbewegung nahm die Redaktion des „Saar-Freund“ sogar
in Kauf, daß sich beide den Hauptanteil am Freiheitskampf zuschrieben. Diese
Bescheidenheit endete allerdings in dem Moment, an welchem zu befürchten war,
daß wichtigen Geldgebern aus der Industrie auf die Füße getreten werden könnte-'1.
Anders als verschiedene lokale Saarvereine im Reich hatte die Berliner Geschäftsstelle
„Saar-Verein“ bis dahin ihre Kontakte zur NSDAP und anderen völkischen
Organisationen auf das Notwendigste beschränkt. Schon um nicht den Ausnahmegesetzen
zum Opfer zu fallen, die nach der Ermordung des Außenministers Walther
Rathenau in Kraft traten, grenzte sie sich unter Berufung auf ihre Überparteilichkeit
von „rechtsfanatischen“ Kreisen ab62. Vogel ging bewußt zur völkischen „Saararbeitsstelle
des Deutschen Hochschulrings“ auf Distanz, die in den Jahren 1924 und
46 Vgl. Brief der GS V an Posselt (04.08.32), in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 6. In der Sondernummer des
SF zur Niederwald-Bundestagung 1933 hingegen findet sich praktisch kein Artikel, der nicht in
irgendeiner Form Braun zu diffamieren versuchte.
47 SF 14 (1933) 18, S. 322.
48 Vgl. hierzu beispielsweise SF 2 (1921) 24, S. 350 f.; SF 4 (1923) 4, S. 44 f.; SF 5 (1924) 18, S. 274; SF
6 (1925) 1, S. 9 f.; SF 8 (1927) 22, S. 414.
49 Vgl. SF 2 (1921) 24, S. 350 f.
50 SF5 (1924) 17, S. 257.
51 Vgl. SF 11 (1930) 17, S. 324 f.; Brief Posselts an die GSV (28.05.30), in: LA Saarbrücken, Saar-Verein
5; Brief der GSV an Posselt (07.01.32). in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 6.
52 Vgl. SF 3 (1922) 13/14. S. 212; Brief der GSV an Fett (05.08.22), in: BA-R 8014/216.
280