Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Parteien des Saargebiets für die Einführung des Francs als alleiniges Zahlungsmittel 
plädierten und ebenso die französische Schulpolitik unterstützten, widerlegten sie die 
Behauptung, die gesamte Saarbevölkerung befände sich in genereller Opposition zu 
den Maßnahmen der Regierungskommission. Als sich die ,,bedeutungslose[n] 
Kommunisten und Unabhängige^]“11 im Herbst 1921 dazu verstiegen, die erste 
saarländische Delegation nach Genf zu torpedieren und wenige Wochen darauf eine 
eigene Denkschrift an den Völkerbund verfaßten, erfolgte der endgültige Bruch: In 
einem Vortrag vor der Berliner Ortsgruppe erklärte Vogel, die Linksparteien seien 
fortan nicht mehr als deutsche Brüder anzusehen12. Die Ausgrenzung der„moskauwi- 
tischen Lumpen“13 zeigte sich in den folgenden Jahren unter anderem daran, daß 
diese weder in die Planungen zur Wiederbelebung des interfraktionellen Saaraus¬ 
schusses eingebunden, noch ihre parlamentarische Präsenz überhaupt zur Kenntnis 
genommen wurde14 15. 
Nach offizieller Lesart war die Saarfrage eine nationale Angelegenheit des ganzen 
deutschen Volkes, die nicht in die Niederungen parteipolitischer Querelen absinken 
durfte. Hierdurch wurde das Problem der staatsrechtlichen Zugehörigkeit des Man¬ 
datslandes in moralischen Kategorien gehandelt und weitestgehend entpolitisiert. In 
Erinnerung an die Burgfriedensphase während des Weltkrieges versuchten die „Saar- 
Freunde“ eine überparteiliche Einheitsfront13 aller zur Mitarbeit entschlossenen 
Kräfte aufzubauen. Diese sollte so lange Bestand haben, bis die Rückgliederung des 
Saargebiets an das Deutsche Reich vollzogen sein würde. Wenn schon nicht die 
extreme politische Linke vor den Propagandakarren der Geschäftsstelle gespannt 
werden konnte, mußten die gemäßigten Sozialdemokraten umso mehr bei der Stange 
gehalten werden, ließ sich doch nur so das Einheitsfrontidyll aufrechterhalten. So 
mangelte es gerade in den ersten Jahren nicht an entsprechenden Appellen16. 
Das Verhältnis zwischen dem Bund der Saarvereine und der Sozialdemokratie war 
indes dadurch geprägt, eine Normalität nach außen zu demonstrieren, die hinter den 
" SF 3(1922) 4, S. 61. 
12 Vgl. Vortrag Vogels (27.10.21), in: SF 2 (1921) 22, S. 327 f. Wenn fortan von „allen Parteien“ die Rede 
war, mit denen die GSV kooperieren wolle und denen sie ihr Propagandamaterial zukommen ließ, so 
hieß das in ihrem Sprachgebrauch, daß die Schreiben den verschiedenen Fraktionen der SPD, des 
Zentrums, der DDP, der DVP, der DNVP sowie deren Nachfolge- und Splitterparteien zugingen. Erste 
Kontakte zur NSDAP ergaben sich erst nach deren Wahlerfolg 1930. 
13 Brief Vogels an Kellner (20.09.32), in: BA-R 8014/89. 
14 1926 forderte Vogel sogar von der Reichsregierung, auf eine Verschiebung der saarländischen Landes¬ 
ratswahlen hinzuwirken, da eine Stärkung der Kommunisten zu befürchten sei. Das AA erteilte diesem 
nicht zu realisierenden Anliegen umgehend eine Absage: Vgl. Brief der GSV an das AA (23.11.26) und 
Antwortschreiben (25.11.26), in: BA-R 8014/678. 
15 Vgl. hierzu: JEISMANN, S. 312 ff. 
16 Vgl. SF2 (1921) 4, S. 40; SF 2 (1921) 7, S. 83; SF2 (1921) 7, S. 90 f.; SF 3 (1922) 1, S. 2; SF4 (1923) 
20, S. 261 („Ist da nicht jeder einzelne Volksgenosse verpflichtet, sich in die Reihe der Kämpfer 
einzureihen, um die Einheitsfront gegen den unerbitterlichen Feind herzustellen? [... ] Also eine 
Einheitsfront von der sozialdemokratischen bis zur deutschnationalen Volkspartei! Feuerdisziplin!“); 
SF 4 (1923) 22, S. 279; SF5{1924) 1,S. 11; SF 5 (1924) 9, S. 125. 
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