Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Initiative  der  jeweiligen  Ortsgruppe  bereits  derartige  Saarwege,  Saarstraßen  und
Saarplätze  in  Bad  Freienwalde.  Belgard,  München,  Naugard,  Neustettin,  Pasewalk,
Polzin,  Stardgard  und  Stettin;  insbesondere  der  dortige  Saarverein  zeigte  eine  überaus
rege  Aktivität  in  dieser  Richtung230.  Während  der  Weimarer  Republik  trugen  Verkehrswege
  in  mindestens  32  Kommunen  Namen,  die  auf  Initiative  des  Bundes  der
Saarvereine  vergeben  worden  waren;  dabei  verstand  es  sich  von  selbst,  keine  dieser
Straßen  mit  dem  Präfix  „Saargebiet“  zu  versehen231.
Die  Versuche,  das  Gedenken  an  das  Saargebiet  zu  lokalisieren,  übertrugen  sich
ebenso  auf  das  Pflanzen  sogenannter  Saareichen  und  Saarbuchen;  an  den  Feierlichkeiten
  zur  Weihe  der  Wiesbadener  „Saarland-Eiche“  am  18.  September  1932  beteiligten
  sich  zahlreiche  lokale  Vereine  mit  Fahnendeputationen  und  Gesangsbeiträgen.
  Etwa  3.000  Besucher  soll  das  Schauspiel  angezogen  haben2'2.  Im  westfälischen
Ibbenbüren  waren  indes  zwei  Kohlenflöze  „Saar"  und  „Reden“  getauft  worden233.
Wie  effizient  diese  instrumentalisierten  Benennungen  waren,  ist  aus  heutiger  Perspektive
  schwer  zu  ermessen.  Es  ist  anzunehmen,  daß  der  Mobilisierungseffekt  und
Solidarisierungsschub  mit  dem  Saargebiet  bzw.  den  Saarländern  nach  einer  aufwendig
  inszenierten  Benennungszeremonie  im  Alltag  recht  schnell  nachließ  und  die
tägliche  Konfrontation  mit  den  verlorenen  Gebieten  mit  der  Zeit  abstumpfte234 235.  Auf
der  anderen  Seite  dürfte  die  Verankerung  der  Saarregion  im  kommunalen  Gedächtnis
zumindest  den  Erfolg  gezeitigt  haben,  Zweifel  an  deren  „deutschen  Charakter“
auszuräumen.  Außerdem  besaßen  die  Ortsgruppen  des  Bundes  der  Saarvereine  nun
auch  einen  Ort  in  der  Öffentlichkeit,  an  welchem  sie  das  Gedenken  an  die  Saar
symbolträchtig  zelebrieren  konnten.  Dies  geschah  durch  Umzüge  durch  Saarstraßen
bzw.  Kundgebungen  auf  einem  Saarplatz  oder  unter  einer  Saareiche,  die  somit
fehlende  Saardenkmäler  ersetzten233.
Ebenso  wie  Straßenumbenennungen  nach  1933  ein  weit  verbreitetes  Phänomen
waren,  um  dem  nationalsozialistischen  Führungskorps  an  exponierter  Stelle  zu
huldigen,  entschlossen  sich  einige  deutsche  Kommunen  im  Vorfeld  der  Abstimmung

230  Vgl.  SF  7  (1926)  8,  S.  131;  SF  7  (1926)  11,  S.  179:  SF  7  (1926)  12.  S.  194;  SF  7  (1926)  17,  S.  330
f.;  SF  7  (1926)  19.  S.  364;  SF  7  (1926)  20,  S.  379;  SF  7  (1926)  24,  S.  443;  SF  8  (1927)  13,  S.  215.
Nach  dem  Jahresbericht  für  1927  hatten  die  Bemühungen  derGruppe  bereits  in  14  Kommunen  Erfolg
gehabt,  in  weiteren  19  Gemeinden  stünden  Benennungen  bevor:  Vgl.  SF  9  (1928)  5,  S.  77  f.
231  Es  ist  zu  vermuten,  daß  die  Saarstraßen  in  die  örtliche  Straßennamensystematik  integriert  waren,  daß
also  in  neu  erschlossenen  Baugebieten  die  Saar  neben  anderen  westdeutschen  Flüssen  als  Namensgeberin
  fungierte  bzw.  in  entsprechenden  Fluß-  und  Landschaftsvierteln  zu  finden  war.  Zu  den
internen  Beratungen  der  Kommunen  vgl.  exemplarisch:  StA  Frankfurt,  S  2086.
232  Vgl.  SF  13  (1932)  18/19,  S.  322.
233  Vgl.  SF  7  (1926)  11,  S.  179.
234  Eine  Befragung  der  Einwohner  einer  fränkischen  Kleinstadt  Anfang  der  Achtziger  ergab,  daß  die
Mehrzahl  der  Anwohner  dem  Namen  ihrer  Straße  eher  gleichgültig  gegenüberstand  und  sie  als
Resultat  eines  Verwaltungsaktes  der  Behörden  empfand:  Vgl.  Fuchshuber.
235  Erst  unmittelbar  vor  dem  Plebiszit  setzten  vereinzelte  Initiativen  für  die  Errichtung  von  Denkmälern
ein.  Siehe  hierzu  S.  362  f.

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