Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

dabei auch das Problem der Saar212. Während die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ den 
Ortsgruppen des Bundes den Besuch von „Rheinlandnot“ nahelegte, liebäugelte sie 
schon damals mit einer den besonderen Verhältnisses des Saargebietes entsprechen¬ 
den eigenen Saar-Ausstellung213. 
Die ursprünglichen Pläne, eine Ausstellung des Leipziger Museums für Länderkunde 
im Anschluß auch in der Reichshauptstadt zu präsentieren, ließen sich angesichts der 
katastrophalen Wirtschaftskrise nicht realisieren214. Erst im Herbst 1932 griff das 
Reichsinnenministerium die Angelegenheit wieder auf und erkundigte sich in Mün¬ 
chen nach dem dortigen Interesse an den Leipziger Exponaten21". Da die bayerische 
Landesregierung nach außen nicht in Erscheinung treten wollte, kam in einer Dienst¬ 
besprechung Anfang November die Idee ins Spiel, gemeinsam mit dem Leipziger 
Museum die Landesgruppe Bayern des Bundes als offizielle Veranstalterin zu 
nominieren216. Der feierlichen Eröffnung am 14. Januar 1933 wohnte daher neben 
dem bayerischen Ministerpräsidenten Held und weiteren Vertretern des Staates auch 
Franz Johannes als Vorsitzender des Münchener Saarvereins bei. Dessen gute 
Kontakte zu den bayerischen Behörden hatten sich letztlich doch ausgezahlt; auf der 
Grundlage dieses Prestigegewinns schlug Johannes in den folgenden Monaten, 
wieder einen schärferen Ton gegenüber der Berliner Zentrale an. 
Die Ausstellung im Weißen Saal der Polizeidirektion war dreigeteilt217: In einer 
ersten Sektion wurde den Besuchern vor Augen geführt, daß das Saargebiet keine 
historische, geographische oder kulturelle Sondereinheit darstelle, sondern künstlich 
aus dem Reichsterritorium herausgeschnitten wurde. Anschließend beleuchteten 13 
Abteilungen ausgewählte Aspekte der saarländischen Kultur, der Gesellschaft und 
des Alltagslebens, wobei die Erörterung der ökonomischen Bedeutung der Saarwirt¬ 
212 Vgl. Tätigkeitsbericht der Ausstellung „Rheinlandnot“ (Januar 1924), in: BayHStA, Bayerische 
Gesandtschaft 1752; „Aufgabenkreis und Organisation der .Rheinischen Volkspflege“' (Februar 
1923), in: BA-R 1603/2155; Brief der RVP an die GSV (03.07.23), in: BA-R 8014/782. 
211 Die Ausstellung, die im September 1924 im Rahmen der Frankfurter Kunstmesse dargeboten wurde 
und letztlich die Initialzündung zur Schaffung des Saarbrücker Heimatmuseums gab, war eher 
unpolitisch: Vgl. LlNSMAYER: Politische Kultur, S. 324—331; SF 5 (1924) 17, S. 264 f. Nicht nur in 
bezug auf totalitäre Systeme trifft THAMERs Feststellung zu: „Ausstellungen als Schauplätze einer 
konstruierten Wirklichkeit eigneten sich in hervorragender Weise zur Manipulierung der Wahr¬ 
nehmung und zur Instrumentalisierung einer traditionellen ästhetischen Praxis wie moderner audiovi¬ 
sueller Methoden, um im Kampf der (Geschichts-)Bilder und Gefühle das Deutungsmonopol zu 
erobern bzw. zu sichern.“: Thamer: Die Repräsentation der Diktatur, S. 230. 
214 Vgl. Brief des Rates der Stadt Leipzig an das BayMA (25.03.30), in: BayHStA, MA 108.217. Vgl. 
dort auch das Programm der Ausstellung, die am 19.06.30 ihre Pforte auf 1.000 m2 öffnete und zu 
einem Großteil aus Mitteln des Reiches und der Länder finanziert worden war. Zu den Verhandlungen 
zwischen dem Leipziger Museum und der GSV vgl. BA-R 8014/1026 und 1120. 
215 Vgl. Brief des RMI an das BayMA (10.10.32), in: BayHStA, MA 106.132. 
216 Vgl. Aktennotiz Jolas’ (05.11.32), in: Ebd. 
21 Vgl. zu den folgenden Ausführungen den „Schlußbericht zur Saarland-Ausstellung“ (nach Februar 
1933), in: BayHStA, MA 108.215; SF 14 (1933) 2, S. 30; SF 14 (1933) 3, S. 34 f.; „Bayerische 
Staatszeitung“ Nr. 3(04.01.33). Eine Gliederung der Ausstellung in: SF 14(1933) 13, S. 206. 
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