Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

nenministerium  im  einzelnen  gegen  den  Streifen  hatte184,  ließ  sich  nicht  eruieren,
doch  verstrichen  weitere  16  Monate,  bis  das  etwa  eineinhalbstündige  Werk  Mitte
März  1932  erneut  uraufgeführt  werden  konnte185.  Ohne  eigentliche  Handlung  zeigte
der  Dokumentarfilm  Aufnahmen  verschiedener  saarländischer  Landschaften  und
Städte  sowie  Fertigungs-  und  Förderungsprozesse  der  Gruben-,  Hütten-,  Glas-  und
Keramikindustrie,  so  daß  er  auf  die  Zuschauer  wie  ein  Werbestreifen  der  saarländischen
  Wirtschaft  wirken  konnte186.  Er  endete  mit  Bildern,  welche  die  „Deutsche
Lichtbild-  und  Filmgemeinschaft  an  der  Saar  e.  V,“  auf  der  Heidelberger  Tagung  des
Bundes  der  Saarvereine  aufgenommen  hatte  und  klang  mit  dem  Deutschlandlied  aus.
Nach  Verhandlungen  mit  der  Regierungskommission  durfte  „Das  deutsche  Land  an
der  Saar"  auch  im  Saargebiet  aufgeführt  werden;  am  27.  November  1932  lief  die
erste  öffentliche  Vorstellung  im  Saarbrücker  Ufa-Palast187.
Die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  verfügte  zwar  nun  über  ein  modernes  Propagandamedium.
  dessen  Wirkung  aber  größtenteils  verpuffte,  da  es  ihr  nicht  gelang,
den  Streifen  auch  außerhalb  der  für  die  Saarfrage  ohnehin  sensibilisierten  Ortsgruppen
  aufzuführen.  Angesichts  der  strukturellen  Krise  der  deutschen  Filmindustrie
ab  Mitte  der  zwanziger  Jahre,  die  infolge  der  Brüningschen  Deflationspolitik  weiter
verstärkt  wurde188,  sowie  den  allgemein  rückläufigen  Besucherzahlen  in  den  deutschen
  Lichtspielhäusern  dürfte  „Das  deutsche  Land  an  der  Saar“  zu  spät  auf  den
Markt  gelangt  sein,  um  ein  größeres  Publikum  über  die  Problematik  des  Saargebiets
aufzuklären:  Zum  1.  Januar  1934  erging  zudem  ein  parteiamtliches  Verbot  gegen  den
Film,  da  er  die  politischen  Veränderungen  im  Reich  nicht  gebührend  berücksichtigte189.
  Aus  ideologischer  Engstirnigkeit  hatten  sich  die  Nationalsozialisten  selbst  eines
der  wirksamsten  Propagandamittel  im  Abstimmungskampf  beraubt190.  Es  blieb  bei
Wochenschauberichten,  beispielsweise  überden  30.  Januar  1934  in  Saarbrücken,  da

und  1125.
184  Vgl.  Brief  des  PrMI  an  die  GSV  (04.04.31),  in:  BA-R  8014/681.
185  Vgl.  SF  13  (1932)  5.  S.  82  f.  Bis  zu  diesem  Zeitpunkt  hatten  ihn  lediglich  die  Ortsgruppen  des
Bundes  in  Berlin,  Leipzig  und  Mengede  vor  ihren  Mitgliedern  gezeigt:  Vgl.  SF  12(1931  )  1,  S.  16;  SF
12(1931)21.S.363.
186  Vgl.  SF  13  (1932)  22,  S.  370.  Vgl.  ebenso  BA-R  8014/1108  sowie  die  Liste  der  Untertitel  in:  BA-R
8014/1125  (Dok.  12  im  Anhang).
187  Zur  Uraufführung  in  Saarbrücken  vgl.  Aufzeichnung  Wagners  (01.12.32),  in:  LHA  Koblenz,  403/
16.857.
188  Vgl.  Barbian.  S.  241  f.
189  Vgl.  Brief  der  GSV  an  das  Sanatorium  Agra  (24.05.34),  in:  BA-R  8014/183.  Damit  war  der  Film
schon  vor  Inkrafttreten  des  Reichsfilmgesetzes  vom  16.02.34  verboten  worden,  das  eine  Vorzensur
von  Manuskripten  sowie  eine  generelle  Kontrolle  der  vorher  produzierten  Filme  vorsah:  Vgl.  RGBl.
1934/1,  S.  95-99.  Zur  NS-Filmpolitik  vgl.  WELCH:  Propaganda  and  the  German  Cinéma,  S.  6-30.
190  ln  Paris  hingegen  lief  im  Jahr  1934  „La  Tragédie  de  la  Sarre“,  der  die  kulturelle,  volkswirtschaftliche
und  geographische  Zugehörigkeit  des  Saargebiets  zu  Frankreich  belegen  sollte.  Vgl.  Inhaltsangabe
(Februar  1934),  in:  BA-R  8014/446.

260
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.