danten der Staatlichen Schauspiele Berlin, Leopold Jessner, ins Auge gefaßt. Letzten
Endes wurde das Projekt nicht realisiert, da sich die privaten Geldgeber, unter denen
der Industrie- und Finanzverbund der Röchlings tonangebend gewesen sein dürfte,
nicht mit Ackers kritischer Darstellung der Streiks im Saarrevier anfreunden
konnten178.
Auf längere Sicht konnten sich aber die staatlichen Stellen ihre Passivität in der
Kinopropaganda nicht leisten, da das Ende Mai 1920 in Kraft getretene „Gesetz über
die Prüfung von Bildstreifen für Lichtspiele“179 im Saargebiet keine Anwendung fand
und damit dem Einzug des französischen Propagandafilms die Tür geöffnet war.
Zwar gelang es den französischen Propagandastreifen - auch aufgrund der schwachen
Mark - nicht, den deutschen Film an der Saar zu verdrängen, jedoch erwiesen
sich französische Filme wegen der zweisprachigen Untertitelung als exzellentes
Mittel, Französisch lesen und verstehen zu lernen180. Es sollte noch drei Jahre dauern,
bis die deutsche Seite mit „Fröhlich Pfalz, Gott erhalt’s“ auch im Westen aktiv in die
Filmpolitik eingriff. Dieser in der zweiten Jahreshälfte 1924 von der „Europa-Film
AG“ mit finanzieller Unterstützung des Reichs und Bayerns hergestellte und Anfang
Januar 1925 uraufgeführte Streifen versuchte, die jahrhundertealte Verbundenheit der
Pfalz mit Bayern anhand landschaftlicher Aufnahmen zu belegen, um der Separatismusbewegung
den Wind aus den Segeln zu nehmen181.
Als die Initiative zur Herstellung eines Saar-Wirtschaftsfilms im Sommer 1925
vermutlich von der Bundesfilm AG ausging, stieß das Vorhaben bei der Geschäftsstelle
„Saar-Verein“ auf offene Ohren. Wie schon vier Jahre zuvor erklärte die
saarländische Privatwirtschaft auch dieses Mal ihre Bereitschaft zur Co-Finanzierung182.
Obwohl die Aufnahmen anscheinend schon zu Jahresende abgedreht
waren, zog sich die Zeit bis zur ersten öffentlichen Vorführung von „Das deutsche
Land an der Saar“ noch bis Ende 1930 hin183. Welche Vorbehalte das preußische In¬178
Vgl. Brief der GSV an den DSB (23.10.20), in: BA-R 8014/1125; Brief der RVP an Pressechef
Heilbron (27.11.20), in: BA-R 1603/2519; Brief Heidborns an Ackers (16.11.20) und an die GSV
(22.11.20), in: BA-R 8014/1125: Brief der GSV an Ackers (01.02.21), in: Ebd. Aus dem bereits
abgedrehten Material entstand daher der Industriefilm „Die bedrohte Eisenindustrie im Saargebiet“,
der außer der wirtschaftlichen Bedeutung des Saarreviers auch dessen landschaftlichen Reize
aufzeigen wollte. Obwohl er im Juli 1921 der „Deutschen Lichtbild-Gesellschaft“ überreicht wurde,
gelangte der Film nie zur öffentlichen Aufführung; Ende 1921 lief er in geschlossener Vorstellung vor
den Mitgliedern der Berliner Ortsgruppe: Vgl. Schriftwechsel in: BA-R 8014/1125.
174 Vgl. Barbian, S. 229-238.
180 Vgl. Brief Baillards an Dr. Schüler, Saarbrücken (26.02.21), in: BayHStA. MA 108,038.
181 Vgl. den entsprechenden Schriftwechsel in: Ebd.
182 Vgl. Brief der GSV an die „Bundesfilm AG“ (06.08.25), Antwortschreiben (28.09,25) und Brief
Hermann Röchlings an die GSV (04.01.26), in: Ebd.
183 Sie fand am 23. und 24.11.30 im Rahmen der Vortragsreihe „Verkehr und Industrie“ des Reichsbundes
Deutscher Technik in Berlin statt: Vgl. JACOB, S. 114; SF 12 (1931) 1, S. 2 f. Parallel hierzu
liefen auch Verhandlungen der GSV mit der kinematographischen Abteilung der Friedrich Krupp AG
über einen Saar-Kulturfilm, die sich allerdings aufgrund des Streifens der „Bundesfilm AG“ zerschlugen:
Vgl. Schriftwechsel zwischen GSV und Franz Windeck (Oktober 1930), in: BA-R 8014/118
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