Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

gungen  hingegen  wieder  in  Grenzen150.  Dies
war  nicht  allein  ein  Indikator  für  die
wirtschaftlichen  Schwierigkeiten  der  Saarländer,
  sondern  zeigt  auch,  daß  das  Interesse  an
den  unter  der  Regie  der  Geschäftsstelle
„Saar-Verein“  inszenierten  Veranstaltungen
allmählich  nachließ.  Selbst  ein  so  symbolträchtiger
  Ort  wie  das  Denkmal  Wilhelms  I.
am  Deutschen  Eck  besaß  nicht  mehr  die  notwendige
  Attraktivität.  Fahnengeschmückte
Aufmärsche  mit  patriotischen  Reden  und  Bekenntnissen
  zum  Deutschtum  konnten
schließlich  im  Saargebiet  einfacher  zelebriert
werden151 152.
Nach  begrüßenden  Worten  des  Bundesvorsitzenden
  Otto  Andres  und  des  Heidelberger
Bürgermeisters  Wielandt  hielt  der  Vorsitzende
  des  Saar-Sänger-Bundes,  Hans  Bongard,  Deckblatt  der
das  erste  der  beiden  Hauptreferate.  Der  -Saar-Freund'-Sondernummer  1928
Saarbrücker  Stadtschulrat  griff  in  einer  mit  großem  Pathos  vorgetragenen  Rede  das
Motto  der  Tagung  „Vaterland,  Saardeutschland  ruft  dich!“  auf  und  stellte  die  aktuelle
Versammlung  in  eine  Reihe  mit  der  Solidaritätsadresse  der  Saarbrücker  Bürgerschaft
von  1815  und  der  1925  zelebrierten  Jahrtausendfeier.  Der  ehemalige  Reichsminister
Johannes  Bell  hielt  nach  erneuten  Gesangsdarbietungen  der  Saarländer  aus  der
Perspektive  des  Reiches  die  Gegenrede  „Ganz  Deutschland  hört!“zu  Bongards
Ausführungen.  Ähnlich  pathetisch  gelobte  der  Zentrumspolitiker:
„Wir  stehen  zu  Euch,  bis  zum  Tode  getreu,  in  Blutsbruderschaft  unauflöslich  mit  Euch  vereint.
Wir  rasten  nicht,  wir  ruhen  nicht,  bis  ihr  von  euren  Leiden,  euren  Sorgen,  die  unsere  Leiden  sind,
unsere  Sorgen,  erlöst  werdet,  bis  sich  Eure  Hoffnungen,  eure  Forderungen,  die  unsere  Hoffnungen
sind,  unsere  Forderungen  restlos  erfüllen.  Seid  fest  und  harret  unentwegt  aufs  neue  Morgenrot.
Auch  an  euch  wird  sich  bewahrheiten  der  alte  Spruch:  ,Gott  verläßt  keinen  Deutschen1.“  '
Nachdem  Bell  seinen  Vortrag  mit  dem  gemeinsam  gesprochenen  Rütli-Schwur
beendet  und  der  Heidelberger  Sängerverband  ein  weiteres  Stück  dargeboten  hatte,
war  der  Boden  für  die  Verlesung  der  Heidelberger  Entschließung  bereitet.  Offiziell

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150  Vgl.  Aktennotiz  Voigts  (14.09.32),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet.  R  96.094:  Brief  eines  Vertrauensmanns
  an  Binder  (18.10.32),  in:  LA  Speyer,  H  38/1416-11.
151  Im  folgenden  Jahr  hingegen  lockte  die  Bühne  am  Niederwald  mit  ihrem  Hauptdarsteller  Hitler  -  nur
der  BdS  war  bis  dahin  zur  Nebenfigur  und  ihre  Bundestagung  zur  Staffage  geworden.  Die  französische
  Seite  registrierte  die  schwindende  Beteiligung  aus  dem  Saargebiet  naturgemäß  mit  großer
Befriedigung  „Une  manifestion  patriotique  de  plus  -  en  faveur  de  la  SARRE  celle-là  -  mais  sans
Sarrois!“:  Vgl.  zweiter  Secret  Renseignement  des  E.M.A  (19.09.32),  in:  Archives  des  S.H.A.T.,  7  N/
2639.  Vgl.  auch  Brief  Morizes  an  Außenminister  Herriot  (13.09.32),  in:  MAE,  Sarre  280.
152  SF  9  (1928)  14/13,  S.  285.

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