rungskommission eine offizielle Einladung zu ihrer Tagung, was angesichts der
regelmäßigen verbalen und schriftlichen Ausfälle gegen das Fiinfergremium kaum
anders denn als offene Provokation zu verstehen war141. Der Besonnenheit des
saarländischen Mitglieds war es zu verdanken, daß dem Verein nur eine kurze
sachliche Absage erteilt und nicht durch eine scharfe Antwort neues Agitationsmaterial
in die Hände gespielt wurde143 144. Daß die Geschäftsstelle diese Taktik der
Nadelstiche auch in den kommenden Jahren beibehielt, überrascht weniger als die
Tatsache, daß das Auswärtige Amt nicht dagegen einschritt.
Am späten Nachmittag des 30. Juni 1928 begann der geschäftliche Teil der Tagung
unter der Leitung des Bundesvorsitzenden Andres*45, nachdem die Vereinsführung
am Grab Eberts einen Eichenkranz niedergelegt hatte. Vogel erstattete den Tätigkeitsbericht
für das zurückliegende Kalenderjahr, nicht ohne ausdrücklich auf die mangelnde
Zahlungsmoral der Ortsgruppen hinzuweisen. Die Stabilisierung der
wirtschaftlichen Verhältnisse in den „Goldenen Zwanzigern" spiegelte sich in der
hohen Zahl der versammelten lokalen Vereine wider; mit 60 Delegationen waren
erstmals fast alle als aktiv zu wertenden Ortsgruppen in Heidelberg vertreten. Nachdem
die Neu- bzw. Wiederwahl des Vorstandes kaum Veränderung ergeben hatte,
wurden wie schon im Vorjahr in Würzburg verdiente Persönlichkeiten zu Ehrenmitgliedern
des Bundes ernannt. Daß die Wahl neben dem Direktor des kurpfälzischen
Museums Heidelberg Karl Lohmeyer und dem Essener Bergrat Dr. Herbig mit
Hermann Röchling und Peter Kiefer auf zwei weitere Saarländer146 fiel, drückte das
Selbstverständnis des Vereins aus, Bindeglied zwischen der bedrängten Saar und dem
deutschen Vaterland zu sein.
Hatte Vogel in seinem Referat die zurückliegende Arbeit des Bundes dargestellt, so
skizzierte Andres im Groben die geplante künftige Entwicklung, bevor die Be¬143
Vgl. Einladungsschreiben derGSV an Präsident Wilton (09.06,28), in: BA-R 8014/49. Schadenfroh
berichtete Vogel schließlich nach der Veranstaltung, daß sich die Kommission „mächtig geärgert
haben soll“: Vgl. Brief Vogels an Posselt ( 17.07.28), in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 5.
144 Vgl. Procès-Verbal (27.06.28), in: LA Saarbrücken, NL Koßmann 5; Antwortschreiben Heimburgers
(11.06.28) an die GSV. in: BA-R 8014/52.
145 Vgl. Programmübersicht in: SF9 (1928) 13, S. 195 f. Umfassende Berichte in SF9 (1928) 14/15, S.
264-287; SK 7 (1929), S. 141 f.; Saar-Sänger-Bund 8 (1928) 5. S. 105-109; Michalik: Chorgesangwesen,
S. 64 f.; BA-R 8014/54.
146 Im August 1927 wurden bereits der Neunkireher Pfarrer Heinrich Becker, der Saarbrücker Pfarrer
Johannes Schlich und der ehemalige Chefredakteur der S.Z., Albert Ziihlke, geehrt: Vgl. SF 8 (1927)
17, S. 316; SF 8 (1927) 21, S. 395 ff. Wenige Tage nach Gründung des Bundes in Bielefeld waren der
ehemalige Vorsitzende der Grenzregulierungskommission Oberst Rudolf von Xylander, der Vorsitzende
der Berliner Saarländervereinigung Matthias Fett, Bergwerksdirektor Adolf Dröge und der
Geheime Bergrat Ewald Hilger zu Ehrenmitgliedern des Bundes ernannt worden: Vgl. Brief Zillessens
und Vogels an Xylander (24.1 1.20), in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 1. Von einem besonderen
Engagement Lohmeyers für die Saarfrage ist nichts bekannt, während Herbig und Röchling bereits im
SGS mitgearbeitet hatten. Um die Gewerkschaftsbewegung an der Saar durch die Ernennung zweier
Industrieller nicht vor den Kopf zu stoßen, mußte auch Kiefer zum Ehrenmitglied ernannt werden,
obwohl sich dieser zuvor kaum für die Saarvereinsarbeit interessiert hatte.
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