Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Bundes  in  das  Saargebiet  verschiekt  und  von  Vogels  Vertrauensleuten  dort  verteilt  -
mit  einer  Auflage  von  10.000  Exemplaren  das  ursprüngliche  Werk  verdrängte.
Nachdem  Vogel  im  Frühjahr  1920  den  Stein  zur  Herausgabe  eines  reich  illustrierten
Sammelbandes  ins  Rollen  gebracht  hatte102,  wandte  sich  die  Geschäftsstelle  erstmals
im  August  des  gleichen  Jahres  mit  einer  eigenen  Publikation  an  die  Öffentlichkeit:
Die  achtseitige  Broschüre  „Was  jeder  Deutsche  vom  Saargebiet  und  Saar-Verein
wissen  muß“  ging  zahlreichen  befreundeten  Verbänden  und  Vereinigungen  sowie
den  Parteien  und  Fraktionen  der  beiden  Berliner  Parlamente  zu10'.  Schon  nach
wenigen  Monaten  erschien  eine  überarbeitete,  im  Seitenumfang  verdoppelte  zweite
Fassung  mit  zahlreichen  Fotos  saarländischer  Landschafts-  und  Industriemotive,  die
bei  den  Behörden  allerdings  geteilte  Resonanz  hervorrief:  Während  die  RVP  der
Bitte  um  Erstattung  der  Kosten  für  eine  Neuauflage  nachgeben  wollte,  konnte  das
Auswärtige  Amt  der  Broschüre  nicht  seine  Zustimmung  erteilen:
„Das  meiste  ist  zwar  zutreffend,  zuweilen  aber  fehlt  die  nötige  Sachlichkeit  und  Genauigkeit;  [...]
Der  nationale  Gedanke  scheint  mir  etwas  stark  betont  zu  sein;  solche  Übertreibungen  sind  gerade
gegenüber  der  Bevölkerung  des  Saargebiets  weder  nötig,  da  sie  auf  ihr  Deutschtum  nicht  erst
hingewiesen  zu  werden  braucht,  noch  zweckmäßig,  da  gewisse  Kreise  dahinter  .nationalistische1
und  .alldeutsche'  Bestrebungen  vermuten,  was  bei  ihnen  sofort  zur  Folge  hat,  das  Ganze  in
Mißkredit  zu  bringen.“104
Das  1  öseitige  Büchlein,  das  massenhaft  in  Bibliotheken,  Lesehallen,  Wartezimmern,
Aufenthaltsräumen  und  Zügen  ausgelegt  wurde105,  gab  direkte  Antworten  auf  rhetorische
  Fragen  und  thematisierte  in  seinem  darstellenden  Teil  die  wirtschaftliche
Bedeutung  des  Saargebiets.  Neben  der  Propaganda  für  das  Saarrevier  warb  die
Broschüre  ebenso  für  den  kürzlich  gegründeten  Bund  „Saar-Verein  6.
Mitte  der  zwanziger  Jahre  legte  der  Vorsitzende  des  Bundes  der  Saarvereine  Otto
Andres  drei  juristische  Untersuchungen  über  die  Saarfrage  vor107.  Mit  seinen
„Grundlagen  des  Rechtes  im  Saargebiet“  reagierte  er  auf  das  zwei  Jahre  zuvor
erschienene  Buch  Alexandre  ALLOTS.  Aus  deutscher  Sicht  lange  Zeit  die  einzige
umfassende  Interpretation  des  materiellen  Rechts  im  Saargebiet108,  entwickelte  sie

102  Vgl.  Brief  der  GSV  an  die  RfH  (06.02.20),  in:  BA-R  8014/1018.
103  Vgl.  BA-R  8014/734.  Abdruck  des  Textes  in:  SF  1  (1920)  10,  S.  68  f.
104  Brief  des  AA  an  das  RMI  (24  11,21),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  76.090.  In  einem  sich  mehrere
Monate  hinziehenden  Schriftwechsel  gelang  es  Vogel  schließlich  doch,  dem  AA  die  Zustimmung  zur
korrigierten  Neuauflage  abzutrotzen.
105  Vgl.  Brief  der  GSV  an  die  RVP  (11.03.21},  in:  BA-R  8014/780.  Im  Mai  1922  war  die  Gesamtauflage
von  immerhin  20.000  Stück  vergriffen:  Vgl.  Brief  der  GSV  an  das  AA  (22.05.22),  in:  PA  AA,  II  a
Saargebiet,  R  76.090.
i"fi  Unter  ähnlichem  Namen  legte  die  GSV  den  Band  -  inzwischen  auf  32  qualitativ  hochwertige  Seiten
angewachsen  und  reichlich  illustriert  -  vier  Jahre  später  mit  einer  Auflage  von  60.000  Exemplaren
erneut  auf:  Vgl.  VOGEL:  Deutsch  die  Saar  immerdar!  (1925);  SF  15  (1934)  26,  S.  594  f,
107  Vgl.  ANDRES:  Das  deutsche  Saargebiet;  Ders.:  Grundlagen  des  Rechtes;  DERS.:  Die  Saarfrage.  Vgl.
hierzu:  SF  7  (1926)  19,  S.  350  f.;  SF  15  (1934)  25,  S.  551.
108  Das  Werk  Wehbergs  schien  sich  durch  seine  nicht  eindeutig  prodeutsche  Position  diskreditiert  zu
haben:  Vgl.  SF  7  (1926)  19.  S.  350.

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