Konsequenzen für die Saarzeitungen nach sich ziehen. Ein Lokalblatt, das binnen
eines Monats bereits zum zweiten Mal verboten worden war, weigerte sich daher im
Sommer 1933, künftig weitere Berliner Artikel zu übernehmen96.
4.3 Publikationen und Druckschriften
Über ihr Presseengagement hinaus regte die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ die
Herausgabe zahlreicher Broschüren und Bücher an. publizierte einige davon im
eigenen Verlag und übernahm die Verteilung von Propagandamaterial anderer
Verbände und von Behörden97. Die Bedeutung solcher Schriften wurde schon von
Zeitgenossen erkannt:
„Nachdenklichere und tiefer schürfende Geister müssen mit schwereren Waffen angegriffen
werden, als dies die Presse mit ihren doch stark flüchtigen Eindrücken tut. Dazu dient die
Artillerie des Propagandakampfes, die leichte, die Broschüre, und die schwere des Buches.
Broschüre und Buch verstärken die Wirkung nicht nur des geschriebenen Wortes, der Presse,
sondern sie unterstreichen auch den Eindruck des werbenden Wortes des Vortrages.“98
Da das Arsenal der zwischen 1918 und 1935 erschienenen Broschüren, Druckschriften
und Bücher" kaum über quantifizierende Feststellungen hinausgehende
Aussagen zuläßt, sollen exemplarisch nur die „Geschütze“, die nicht periodisch
erschienenen Schriften und Publikationen der „dauermobilisierten“ Geschäftsstelle
„Saar-Verein“ untersucht werden.
Gegen Jahresende 1919 hatte im Saargebiet eine Propagandaschrift mit dem Titel
„Aus Saarbrückens Vergangenheit. Ein Rückblick" in mehreren hundert Exemplaren
Verbreitung gefunden, in welcher der Nachweis zu führen versucht wurde, daß
Saarbrücken bis 1815 entweder fester Bestandteil Frankreichs gewesen sei oder
zumindest zu dessen Interessensphäre gehört habe100. Vogel initiierte daraufhin eine
ähnlich aufgebaute Gegenschrift aus der Feder des bekannten Saarbrücker Historikers
Ruppersberg101, die - aus Tarngründen von den verschiedenen Ortsgruppen des
96 Vgl. Brief der „Sulzbacher Volkszeitung“ an die GSV (09.08.33), in: BA-R 8014/1081. Vgl. hierzu:
LV. periodischer Rapport der Reko an den Völkerbund (30.09.33), in: JO 15 (1933) 1. S. 37. Auch die
S.Z. wurde wegen eines Artikels über die bevorstehende Saarkundgebung auf dem Ehrenbreitstein für
eine Woche verboten: Vgl. S.Z. Nr. 169 (25.06.33) und Nr. 172 (28.06.33); Verfügung der Reko vom
27.06.33, in: JO 14(1933) 10-1, S. 1126.
97 Vgl. allgemein: Posselt, S. 265-281. Vgl. „Die Jahresarbeit des Bundes der Saarvereine und der
Geschäftsstelle ,Saar-Verein' im Jahre 1925“ (Januar 1926), in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 2; SF 7
(1926) 9, S. 145 f. Siehe hierzu allgemein Dok. 2 im Anhang.
№ MAYER: Französische Politik. S. 71.
99 Vgl. hierzu: CARTELLtERI: Verzeichnis der Saardissertationen; Die deutsche Saar; GÖRGEN: Die
Saarliteratur von 1920-1930, in: SF 11 (1930)9, S. 165-168; SF 11 (1930) 11, S. 198 f ; SF 11 (1930)
12, S. 213 ff.; Reismüller/ Hofmann. Vgl. auch Freund, S. 90-98.
11.1 Vgl. SF 16 (1935) 26. S. 570 f. Hinter dem Pseudonym Prof. Dr. D. Wiese, das den französischen
Ursprung verbergen und eine vermeintliche Objektivität suggerieren sollte, verbarg sich der namhafte
französische Historiker Emest Babeion.
1.1 Ruppersberg publizierte die Schrift anonym, um sich vor den zu erwartenden Repressalien zu
schützen: Vgl. Brief der RfH an die GSV (28.04.20), in: BA-R 1603/2519. Die RfH bezuschußte die
Schrift mit 6.300 Mark.
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