konnte ein allgemeines öffentliches Interesse an der Saarfrage suggeriert werden,
zumal die gleichen Anschuldigungen gegenüber dem politischen Regime an der Saar
in vermeintlich „neutralen“ Zeitungen glaubhafter schienen als in einem speziellen
„Kampforgan“89, wie es der „Saar-Freund“ zu sein beanspruchte. Derart lancierte
Artikel steigerten außerdem den Bekanntheitsgrad der Saarorganisation90. Einmal
mehr erwiesen sich die Ortsgruppen als nützliche Hilfsorgane, welche die persönliche
Fühlungnahme zur Provinzpresse übernahmen und dafür Sorge tragen sollten, daß
mindestens einmal jährlich Presseartikel über das Saargebiet veröffentlicht wurden91.
Die Berliner Zentrale nahm sich insbesondere der wichtigen Hauptstadtpresse an.
Entweder über die Pressestellen der deutschen Landesregierungen und die engen
Verbindungen zu „Mirbach“ bzw. zum „Wölfischen Telegraphenbüro“ oder über
direkte Kontakte bediente sie im Laufe der Jahre immer weitere Redaktionen im Inund
Ausland. Die Bandbreite der Blätter reichte zwar vom sozialdemokratischen
„Vorwärts“ über nationalliberale („Deutsche Allgemeine Zeitung“) und demokratische
(„Berliner Morgenpost“) bis hin zu Zeitungen der politischen Rechten wie dem
„Berliner Lokalanzeiger“, der „Deutschen Tageszeitung“ oder gar der Münchener
„National sozialistischen Parteikorrespondenz“92, doch quantitativ überwogen
eindeutig die Kontakte zur Rechtspresse. Allerdings kann dieses Mißverhältnis nur
zum Teil der einseitigen Ausrichtung der „Saar-Freund“-Redaktion angelastet
werden, denn die gemäßigten Kräfte in den Ausschüssen des Bundes haben schlichtweg
versäumt, ihre Organe für die Saarpropaganda einzuspannen und somit rechtslastigen
Zeitungen das Meinungsmonopol allzu bereitwillig überlassen93.
Die Kontakte zwischen den nichtsozialistischen Redaktionen des Saargebietes und
der Geschäftsstelle „Saar-Verein“ funktionierten in den frühen Dreißigern ohne
größere Reibungsverluste94. Vogel korrespondierte in dieser Phase regelmäßig mit
Johannes Hoffmann95, dem Chefredakteur der zentrumsnahen „Saarbrücker Landeszeitung“,
der ab Frühjahr 1933 wegen seiner kritischen Äußerungen gegenüber
dem Nationalsozialismus schlagartig ähnlich hart attackiert wurde wie Max Braun
von der sozialdemokratischen „Volksstimme“. Ab dieser Zeit konnte der Abdruck
von der Geschäftsstelle übersandter Aufsätze aus dem „Saar-Freund“ negative
89 POSSELT: Die pressepolitischen Aufgaben, S. 265.
90 Zu den Presseberichten reichsdeutscher Zeitungen über die Tätigkeit der Bundesorganisation sowie
vereinzelte Ortsgruppen und deren Kundgebungen vgl. BayHStA, Slg. Rhese 2215, 2217 und 2222.
91 Vgl. sechstes, achtes und neuntes Gebot des „Katechismus des Bundes der Saarvereine“ (Juni 1929),
in: BA-R 8014/125.
92 Vgl. Verteilerliste (30.11.32), in: BA-R 8014/ 1047 f. und 1092.
93 Vgl. den Schriftwechsel zwischen GSV und Zeitungsredaktionen (1920-1935), in: BA-8014/121-138,
1058-1075 und 1077; Presseberichtsammlung (März 1919- Dezember 1921), in: BA-R 8014/3.
94 Ungeachtet des Verbotes übernahmen etwa ab 1929 auch die saarländischen Zeitungen die vorgefertigten
Artikel der GSV.
95 Es fanden auch mehrere persönliche Zusammenkünfte zwischen Vogel und dem späteren saarländischen
Ministerpräsidenten statt.
237