Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Finanzierung  nutzte.  Statt  dessen  bot  er  ausgewiesenen  Saarländern  die  Möglichkeit,
unentgeltlich  Stellengesuche  zu  schalten  6  und  warb  für  die  Publikationen  anderer
Verbände  wie  den  „Rheinischen  Beobachter“  oder  die  „Elsaß-Lothringischen
Mitteilungen“.
Nach  eigener  Darstellung  entwickelte  sich  das  Bundesorgan  zum  geistigen
Mittelpunkt  der  vertriebenen  Saardeutschen77,  doch  hält  diese  Behauptung  einer
Überprüfung  nicht  stand:  Im  Sommer  1928  mußte  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“
selbst  eingestehen,  daß  von  den  etwa  5.000  Mitgliedern  in  den  lokalen  Saarvereinen
nur  jeder  Fünfte  den  „Saar-Freund“  bezogt,  und  in  den  folgenden  Jahren  konnte  das
Verhältnis  nur  geringfügig  verbessert  werden.  Als  Ergebnis  einer  Umfrage  bei  den
Ortsgruppen  trat  Anfang  der  Dreißiger  zu  Tage,  daß  durchschnittlich  ein  Drittel  der
Mitglieder  den  „Saar-Freund“  bezog,  doch  ist  hier  der  allgemeine  Kaufkraft  Verlust
infolge  der  Weltwirtschaftskrise  in  Rechnung  zu  stellen.  Weder  die  permanenten
Ermahnungen  auf  den  Bundestagungen,  noch  die  eigens  aufgestellten  Richtlinien™
führten  demnach  zu  einer  nennenswerten  Änderung.
Nach  Konsolidierung  der  wirtschaftlichen  Verhältnisse  pendelte  sich  die  Auflage  des
„Saar-Freund“  wieder  auf  einer  Höhe  von  5.000  Exemplaren  ein.  Ein  nicht  unerheblicher
  Teil  hiervon  war  zur  Verteilung  an  die  reichsdeutschen  Ministerien,  befreundete
Organisationen  und  andere  Redaktionen  bestimmt*11.  Schätzungsweise  gingen  etwa
zweihundert  Gratisexemplare  ausländischen  Zeitungen  zu;  außerdem  wurden  Wartesäle
  und  Züge  der  Reichsbahn,  Bahnhofsbuchhandlungen,  öffentliche  Lesehallen  und
Bibliotheken  bestückt*1.
Ein  heikles  Thema  war  die  Verbreitung  des  „Saar-Freundes“  im  Saargebiet:  Nachdem
  der  Postbezug  der  ersten  Ausgaben  bereits  von  der  französischen  Militärverwaltung
  verboten  worden  war,  wandte  sich  Vogel  Mitte  Mai  1920  an  die  Regierungskommission
  mit  der  Bitte,  diese  Verfügung  aufzuheben.  Da  die  Antwort  auf  das
Schreiben  ausblieb,  schaltete  Vogel  den  Völkerbundsrat  ein*2.  Nach  einer  zweijäh-76

  Vgl.  SF  2  (1921)  2,  S.  24;  SF  4  (1923)  14.  S.  200;  SF  4  (1923)  16.  S.  235;  SF  4  (1923)  17.  S.  244;  SF
7(1926)  11,  S.  180.
77  Vgl.  SF  1  (1920)  21.  S.  210.
78  Vgl.  undatiertes  „Verzeichnis  der  Postabonnenten  der  einzelnen  Ortsgruppen  der  Halbmonatsschrift
,Saar-Freund“‘  vom  Herbst  1925,  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  2.
79  Vgl.  SF  6  (1925)  5,  S.  83;  drittes  Gebot  des  ..Katechismus  des  Bundes  der  Saarvereine“  (Juni  1929),  in:
BA-R  8014/125.
80  Nach  einer  internen  Auflistung  (17.04.31.  in:  BA-R  8014/117)  erhielten  alle  national  „zuverlässigen“
Zeitungen  des  Saargebiets  sowie  die  wichtigsten  Berliner  und  überregionalen  Blätter  einschließlich  des
„Vorwärts“  die  Halbmonatsschrift.
81  Vgl.  Brief  der  GSV  an  verschiedene  ausländische  Zeitungsredaktionen  (02.07.27),  in:  BA-R
8014/1029;  Vogel:  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“,  S.  230.
82  Vgl.  Brief  der  GSV  an  die  Reko  (14.05.20),  in:  BA-R  8014/664;  SF  2  (1921)  15.  S.  199  f.;  Brief  der
GSV  an  den  Völkerbundsrat  (31.03.21).  in:  Arch.  SDN  19-27.  Sous-Section  Saar  Basin,  R  92/11.966/2;
SF  2  (1921)  7.  S.  83.

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