schlichtweg ignoriert wurde, lassen die
allerorts proklamierte parteipolitische
Objektivität des Blattes fragwürdig erscheinen.
Als Bundesorgan bildete der „Saar-Freund“
das Scharnier zwischen den
Einzelmitgliedern. den Ortsgruppen und
der Geschäftsstelle „Saar-Verein“.
Durch Aufsätze zu aktuellen Themen
der Tagespolitik wollte er den Ortsgruppen das notwendige Vortragsmaterial zur
Verfügung stellen; die lokalen Ableger sollten sich in ihrer Arbeit wechselseitig
befruchten, indem sie die Zeitschrift als Forum für Berichte über ihre Tätigkeit
nutzten. Doch gingen hiereinmal mehr Anspruch und Wirklichkeit auseinander: Nur
in Ausnahmefällen weichen die Meldungen innerhalb der Rubrik „Vom .Bund der
Saarvereine'“ von der reinen Wiedergabe der Programmpunkte von Ortsgruppensitzungen
und Vortragsveranstaltungen ab. Da die regelmäßigen Mahnungen, auf die
Übersendung von Berichten über ausschließlich unterhaltsame Ortsgruppentreffen zu
verzichten, nicht fruchteten, liegt die Vermutung nahe, daß der Alltag in den lokalen
Vereinen vor allem durch eben dieses geselliges Beisammensein geprägt war.
Rubriken wie „Anfragen und Auskünfte“ bzw. „Deutsche Treue in Saarbrücker
Briefen!“ sollten die Akzeptanz des Blattes als Informationsorgan für Saarländer
suggerieren. Bei manchen dieser Leserbriefe drängt sich die Vermutung auf, daß sie
aus der Feder der Schriftleitung stammten: Statistische Angaben waren überaus
detailliert und ergänzten zu genau andere Artikel im gleichen Heft. Diese Rubriken
waren in der Regel noch aggressiver („Erbfeind“) als die anderen Aufsätze gehalten
und dienten daher vermutlich als eine Art Ventil, um über Vorgänge und Zustände
berichten zu können, die im Hauptteil der Zeitschrift wegen deren vermeintlicher
Objektivität nicht möglich waren.
Zur Manipulation der Leserschaft wurden als wichtig empfundene Phrasen durch
Fettdruck oder gesperrt hervorgehoben. Gerade in den ersten Jahren erschienen des
öfteren Werbe- und Durchhalteparolen wie „Unterstützt das Deutschtum im Saargebiet!“,
„Werbet für den .Saar-Freund!“', „Schließt Euch zusammen im Bunde
.Saar-Verein'!“ oder „Arbeitet mit und helft!“74.
Die erste kommerzielle Werbung im „Saar-Freund“ erschien erst Mitte 1921 für die
Süddeutsche Klassenlotterie7; Es überrascht, daß das Blatt in Phasen, in welchen
sein weiteres Erscheinen am seidenen Faden hing, nicht stärker diese Möglichkeit der
Sintgieit: Urtiere SBaffe gegenüber allen
töeriud)en, uns ju jeiipalteti
im Kampfe bet Parteien unb
Stanbe untereinanbet!
5Recf)t: unfere SBaffe gegen ©eroait!
greiiteit: bas 3'eP
Parole aus dem „Saar-Freund“
4 SF 2 (1921) 2, S. 23; SF 4 (1923) 9, S. 106 . Ebenso forderte der SF: „Schafft deutschem Gewerbefleiß
Absatz! Kauft keine Feindbundwaren! Schafft deutschen Arbeitern Brot!“: SF 2 (1921) 13, S. 177.
75 Vgl. SF 2 (1921) 12, S. 164. Die innenpolitischen Veränderungen nach 1933 wirkten sich selbst in den
Werbeanzeigen aus: „Denke daran, daß du ein Deutscher bist und kaufe nur deutsche Nähmaschinen
sowie Fahrräder.“: SF 14 (1933) 16/17, S. 312.
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