von Berichten über die Verhandlungen kommunaler Vertretungen, von Protestnoten
der Parteien sowie die Wiedergabe saarländischer und reichsdeutscher Parlamentsdebatten
entwickelte sich der „Saar-Freund“ im Laufe der Jahre zu einem Dokumentationsorgan
und Spiegelbild des politischen Lebens im Saargebiet53. Die Chroniken
des Tagesgeschehens in den verschiedenen saarländischen Gemeinden mit ihren
Meldungen über Unglücksfälle, Einbrüche, Brände, Lebensmittelschiebereien,
steigende Lebenshaltungskosten, Hausverkäufe, Einweihungen von Kirchenglocken,
Gedenk- und Ehrentafeln oder die Entwicklung der Einwohnerzahlen liefern darüber
hinaus wertvolles statistisches Material und ebenso wie der „Saarkalender“ Details
über Vorgänge auch außerhalb der Saarmetropole. Es würde zu weit führen, den
„Saar-Freund“ als prodeutsche Alternative zum Amtsblatt der Regierungskommission
zu bezeichnen, doch gerade seine ersten Jahrgänge berichteten immer wieder über die
rechtlichen Vorschriften zur Einreise in das Saargebiet54 und wiesen auf wichtige
Anlaufstellen der Behörden in Berlin hin55. Meldungen über die aktuellen Kohlen-,
Strom- und Gaspreise an der Saar deuten darauf hin, daß die Zeitung durchaus auch
ein Informationsorgan im Saargebiet selbst sein wollte56. Da es Vogel gelungen war,
mit Dr. Walther Cartellieri57. Dr. Georg Krause-Wichmann58, Matthias Karius59 60 oder
Dr. Curt Groten6" Spezialisten für die Erörterung wirtschaftlicher, juristischer und
53 Es finden sich ebenso Berichte über internationale Verhandlungen wie über Parteitage und Bezirkskonferenzen
oder beispielsweise das Budget der angefeindeten Reko. Ab Mitte der zwanziger Jahre
nahmen derartige Beiträge immer breiteren Raum ein.
54 Vgl. SF 1 (1920) 11, S. 92; SF 1 (1920) 13, S. 120; SF 1 (1920) 16. S. 162; SF 1 (1920)20, S. 207; SF
2 (1921) 4, S. 44 f. Aus gegebenem Anlaß wurde dieser Service nach 1933 erneut aufgegriffen; Vgl.
beispielsweise SF 14(1933) 11, S. 173.
55 Vgl. SF 1 (1920) 11, S. 92; SF 1 (1920) 12, S. 104; SF 1 (1920) 22, S. 232. Ebenso findet sich der
exakte Zugfahrplan von Saarbrücken nach München und Frankfurt am Main: Vgl. SF 5 ( 1924) 4, S. 58.
Vgl. SF 1 (1920)5/6, S. 35.
>7 Der Sohn des Historikers Alexander Cartellieri wechselte im Jahr 1923 aus dem Heidelberger Privatsekretariat
Hermann Röchlings an die Saar, wo er vier Jahre später die Leitung des neu gegründeten
Saarwirtschaftsarchives der Saarbrücker Handelskammer übernahm. Im Namen des Saarvereins hielt
Cartellieri zahlreiche Vorträge vor akademischem Publikum, so beispielsweise im Januar 1933 an
tschechischen und österreichischen Hochschulen: Vgl. Ehren-Tafel treubewährter Helfer, S. 358;
Hellwig: Das Saarwirtschaftsarchiv, S. 16.
58 Die Verbindungen des späteren stellvertretenden Syndikus der Trierer Industrie- und Handelskammer
zumBdS waren auch der französischen Sürete' nicht verborgen geblieben: Vgl. Aufzeichnung der Sûreté
générale (28.01.22). in: MAE, Sarre 115.
54 Karius, seit 1904 Geschäftsleiter des Gewerkvereins in Lothringen, wechselte zehn Jahre später in die
Saarbrücker Rechtschutzabteilung über, wo er für knappschaftliche Fragen der Sozialversicherung
zuständig war. 1922 und 1924 wurde er als Zentrumskandidat in den Landesrat gewählt, trat aber schon
im Oktober 1924 die Nachfolge von August Brust als Direktor des Niedersächsischen Kohlensyndikats
in Hannover an. Aus gesundheitlichen Gründen gab er diesen Posten im Sommer 1930 auf: Vgl. SF 5
( 1924) 19. S. 297. Dem Aufsichts- und Beratungsausschuß derGSV gehörte Karius von Oktober 1924
bis 1933 an. 1930 wurde er zum Ehrenmitglied des Bundes ernannt: Vgl. SF 11 (1930) 21. S. 398.
60 Die Darlegungen des Gerichtsassessors und Mitarbeiters der SFG über Themen wie „Der völkerrechtliche
Wohnsitzbegriff“ (vgl. SF 12 (1931) 1. S. 8) oder „Abstimmungsfragen“ (vgl. SF 12 (1931) 24.
S. 392 f.) fanden auch die Beachtung der Behörden und wurden von diesen als Informationsquelle
weiterempfohlen: Vgl. Aktennotiz (04.12.31), in: BayHStA. MA 106.099. Zu Groten vgl. Freund, S.
91 f.