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Kopf des „Saar-Freund“ 1921 -1926
Wie sehr sich der Verein in
seiner Funktion als „Gralshüter“
der richtigen Gesinnung
gefiel, zeigen verschiedene
Diffamierungskampagnen.
Das öffentliche Anprangern
und Stigmatisieren
des politischen Gegners, wie
es die DF in den letzten Monaten vor dem Plebiszit im großen Stil praktizierte,
gehörte bereits seit Jahren zum propagandistischen Handwerkszeug der Geschäftsstelle
„Saar-Verein“. Von Anfang an finden sich im „Saar-Freund“ Meldungen über
vermeintlich landesverräterisches Verhalten, gefolgt von entsprechenden Mahnungen,
diese Vergehen weder nachzusehen noch sie zu vergessen. Offene Drohungen
gegenüber ganzen Bevölkerungsgruppen oder das Stigmatisieren einzelner Personen
mündeten nicht selten in kaum verhohlenen Aufrufen zur Lynchjustiz49. Während die
Existenz „schwarzer Listen“ dementiert wurde50 52, half Vogel dem - wie es wenige
Jahre später hieß - „gesunden Volksempfinden“ auf die Sprünge: Kollaborateure, die
ihre nationale Gesinnung wie ein Hemd wechselten, hätten ihren Anspruch auf
Zugehörigkeit zum deutschen Volk verwirkt und müßten daher der Verachtung
anheimfallen. Das öffentliche Ausstößen aus dem warmen Mutterschoß der Volksgemeinschaft
wurde somit lange vor 1933 zur gängigen Methode, auch wenn diese
erst gegenüber den Emigranten ihren Höhepunkt erlebte".
Der „Saar-Freund" entwickelte sich zunehmend zu einem Sprachrohr für Vertreter
aus Politik, Wirtschaft und Kultur des Saargebietes, denen er durch den Abdruck von
Petitionen, die Ankündigung von Veranstaltungen, die Wiedergabe von Reden und
programmatischen Erklärungen eine Stimme lieh"2. Insbesondere dem 1922 auf
Druck der Bevölkerung geschaffenen saarländischen Landesrat. der selbst über kein
eigenes Publikationsorgan verfügte, bot der „Saar-Freund“ mit einer eigenen Rubrik
ein Forum zur Selbstdarstellung. Durch den zum Teil wörtlichen Abdruck verschiedener
Gutachten des Landesrates, von Denkschriften an den Völkerbundsrat,
Presseartikel katholischer Widerstandsgruppen publizierte: Vgl. SF 14 (1933) 22. S. 418; SF 14 (1933)
15, S. 238 ff. Vgl. hierzu: GÖRGEN: Ein Leben gegen Hitler. S. 56-72.
49 Vgl. SF 3 (1922) 18, S. 266. Daß Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung akzeptiert war,
zeigen auch andere Artikel: Vgl. SF 2 (1921) 8. S. 111; SF 13 (1932) 2. S. 27; SF 13 (1932) 3, S. 44.
50 Vgl. SF 2 (1921) 1,S. 12; SF 2 (1921) 2, S. 24.
51 „Ein .Deutscher4, der sich unter den Schutz der französischen Besatzung stellt, ist kein Deutscher,
sondern ein Verräter.“: Vgl. SF 6 (1925) 14, S. 223; SF 11 (1930) 24, S. 438 ff.; SF 14 (1933) 22, S.
413 f. In einer eigens angelegten Presseausschnittsammlung mit dem Titel „Persönliche Nachrichten,
Skandalgeschichten usw,“ fertigte die GSV insbesondere über Personen des Öffentlichen Lebens
Dossiers mit belastendem Material an. Bei passender Gelegenheit veröffentlichte sie die durch Berichte
ihrer Vertrauensleute angereicherten Informationen entweder im eigenen SF oder scheinbar unverdächtigen
anderen Blättern: Vgl. BA-R 8014/897-902.
52 Vgl. beispielsweise SF 2 (1921) 23, S. 331; SF 2 (1921) 24, S. 353 ff.
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