Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Der  „Saar-Freund“  orientierte  sich  in  seinem  Aufbau  zumindest  in  der  ersten  Zeit
stark  an  dem  von  Vogel  jahrzehntelang  geleiteten  „Bergmannsfreund“,  der  auch  Pate
für  die  Namengebung  gestanden  haben  dürfte.  Ähnlich  moralisierend,  mit  bisweilen
unverhohlener  Zeigefingerpädagogik,  warb  Vogel  nun  nicht  mehr  für  die  Saarbrücker
Bergwerksdirektion,  sondern  setzte  seine  Erfahrungen  in  der  Vermittlung  obrigkeitshöriger
  Gesinnung  nun  dazu  ein.  die  Interessen  der  deutschen  Regierung  im  Saargebiet
  zu  stützen.  Die  Reichs-  und  Staatsbehörden  beurteilten  die  offerierten  Hilfsdienste
  des  „Saar-Freund“  eher  skeptisch  und  stießen  sich  am  „al  Ideutschen  Ton“  des
Blattes,  welches  bislang  nicht  die  Erwartungen  als  Plattform  zum  Lancieren  amtlicher
Artikel  erfüllt  habe  und  eine  zu  heftige  Polemik  gegen  Frankreich  und  die  Regierungskommission
  betreibe.  Über  die  monatlichen  5.000  Mark  der  RVP  versuchten
die  Reichsstellen  daher,  korrigierend  zu  intervenieren46.  Auch  wenn  die  Wilhelmstraße
  in  der  aufgeheizten  Stimmung  während  des  Ruhrkampfes  dafür  plädierte,  „der
Zeitschrift  seine  [sic!]  bisherige,  wenn  auch  manchmal  recht  grobklotzige  Eigenart
[zu]  erhalten“,  stimmte  sie  dem  Vorschlag  des  Innenressorts  zu,  daß  eine  Einflußnahme
  nötig  war.  um  weitere  verbale  Entgleisungen  zu  verhindern4'.
Wer  verfaßte  nun  die  Beiträge  der  immerhin  15  Jahrgänge?  Ein  nicht  unerhebliches
Problem  bei  dieser  Analyse  stellt  der  Umstand  dar.  daß  schätzungsweise  die  Hälfte
der  Artikel  nicht  namentlich  gekennzeichnet  war.  Der  überlieferte  Schriftverkehr  läßt
aberden  Schluß  zu.  daß  der  Großteil  des  „Saar-Freund“  vom  engeren  Mitarbeiterstab
der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein"  und  der  festen  Redaktion  des  Blattes  um  Posselt
erstellt  wurde.  Sieht  man  von  den  in  einer  eigenen  Rubrik  abgedruckten  Berichten
über  die  Tätigkeit  der  einzelnen  Ortsgruppen  ab,  so  trugen  deren  Mitglieder  nur
selten  Aufsätze  allgemeinerer  Art  bei.  Um  das  Interesse  der  im  Reich  lebenden
Saarländer  zu  wecken,  war  Vogel  bemüht,  sich  der  Mitarbeit  im  Saargebiet  bekannter
Persönlichkeiten  zu  versichern.  Über  Joseph  Gorgen,  der  sich  im  Laufe  des  Jahres
1926  als  Journalist  und  Berichterstatter  der  „Saarländischen  Landeszeitung“  in  Genf
niederließ,  erhielt  Vogel  nützliche  Informationen  über  den  Völkerbund.  Anfangs
publizierte  Görgen  noch  regelmäßig  im  „Saar-Freund“,  doch  spätestens  als  Vogels
Neffe  Hellmut  Gansser  1928  ebenfalls  als  Auslandsvertreter  -  für  die  „Saarbrücker
Zeitung“  -  nach  Genf  zog,  schwand  das  Interesse  der  Berliner  Redaktion  an  dem
engagierten  Katholiken48,

46  Vgl.  Aktenvermerk  (17.12.20),  in:  BA-R  1603/2526;  Brief  der  RVP  an  die  GSV  (15.02.21),  in:  BA-R
1603/2519.  Sonstige  -  auch  durchaus  positive  -  Urteile  über  den  SF:  Vgl.  BA-R  8014/1091  f.
47  Brief  Sperrs  an  das  BayMA  (10.03.23),  in:  BayHStA,  MA  108.208.  An  der  Besprechung  zur  weiteren
Finanzierung  der  GSV  und  des  SF  nahmen  Vertreter  des  RMFinanz,  RMI,  PrMI,  AA,  BayMA  und  der
RVP  teil.  Der  jeweilige  Leiter  der  RVP  sollte  mit  dieser  Kontrolle  betraut  werden,  die  schon  deshalb
kaum  allzu  wirkungsvoll  werden  konnte,  weil  in  der  getarnten  Reichsbehörde  zwar  die  Ausgaben  des
SF  gesammelt,  aber  nicht  zur  Kenntnis  genommen  wurden.  Nur  bei  wenigen  Exemplaren  wurden  die
Blattbögen  überhaupt  aufgeschnitten:  Vgl.  BA-R  1603/2521.
4!i  Zum  Schriftwechsel  zwischen  Görgen  und  der  GSV  (1926-1932)  vgl.  BA-R  8014/802  f.  Görgen
wandte  sich  naturgemäß  vor  allem  Fragen  des  Völkerbundes  zu  und  untersuchte  die  neueste  Saarliteratur.
  Nach  1933  fiel  Görgen  in  Ungnade,  da  er  gemeinsam  mit  seinem  jüngeren  Bruder  Hermann

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