Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

zuwenden  sollte40.  Da  derartige  Pläne  nicht  zur  realisieren  waren,  wurde  Posselt  im
Herbst  1930  in  den  Provinziallandesdienst  übernommen41.
Im  Gegensatz  zu  Vogel  hatte  Posselt  das  journalistische  Handwerk  von  Grund  auf
gelernt.  Er  fand  in  seinen  Beiträgen  zwar  deutliche  Worte,  argumentierte  aber  zumindest
  in  den  unter  seinem  Namen  veröffentlichten  Artikeln  weitaus  sachlicher  als
Vogel  und  verzichtete  weitgehend  auf  grobe  Polemik.  Nach  1933  schlug  er  allerdings
in  die  gleiche  Kerbe  und  gebärdete  sich  dabei  noch  radikaler  als  andere  Autoren  des
„Saar-Freund“.  Wenngleich  nicht  auszuschließen  ist,  daß  Posselt  tatsächlich  einen
Gesinnungswandel  durchlebt  hatte,  scheint  es  doch  plausibel,  daß  seine  plötzlichen
antisemitischen  Phrasen,  Huldigungen  an  die  nationalsozialistische  Führung  und
euphorischen  Heilserwartungen  für  die  Zeit  nach  der  Rückgliederung42  lediglich
Lippenbekenntnisse  waren:  Er  war  im  Frühjahr  1935  erst  49  Jahre  alt  und  mußte  sich
dem  neuen  Regime  als  politisch  zuverlässig  präsentieren43.
Charakteristisch  für  Posselts  ausgeprägte  Selbstidentifikation  als  Frontkämpfer  war
die  militärische  Färbung  seiner  Sprache,  die  er  kontinuierlich  in  seine  Artikel  einfließen
  ließ.  Die  selektiven  Erinnerungen  an  die  Kameradschaft  in  den  Schützengräben
  und  die  Glorifizierung  des  vermeintlichen  Heldentums  konstruierten  eine
schwülstig-pathetische  Idylle  und  sollten  dem  Publikum  helfen,  die  negativen  Kriegserlebnisse
  zu  verdrängen,  wie  sie  dem  Autor  die  Möglichkeit  bot,  die  Niederlage
publizistisch  zu  verarbeiten44.
Die  metapherschwangere  Kriegsrhetorik  im  „Saar-Freund“  knüpfte  an  die  Erfahrung
der  meisten  Deutschen  an,  denen  die  Bilder  des  Krieges  und  dessen  Terminologie
vertraut  waren.  Ebenso  wie  wenige  Jahre  zuvor  konnte  kein  Zweifel  daran  herrschen,
wo  der  Feind  stand,  geschweige  denn,  daß  der  Kampf  um  eine  gerechte  Sache  gehe.
Frankreich  hatte  zwar  die  militärische  Auseinandersetzung  durch  die  Unterstützung
seiner  Alliierten  für  sich  entscheiden  und  die  vorübergehende  Abtrennung  des
Saargebiets  erreichen  können,  den  endgültigen  Sieg  sollte  aber  die  deutsche  Seite
aufgrund  der  propagandistischen  Betätigung  der  Saarvereine  davontragen.  „Neue
Angriffe  des  Gegners“  seien  bereits  im  Gange,  weshalb  das  Saargebiet  „kampfbereit“
sein  müsse.  Wie  vor  allen  wichtigen  Schlachten  gelte:  „Das  Kampffeld  muß  zu
übersehen  sein,  das  Kampfziel  muß  feststehen.“45

40  Vgl.  Brief  Röchlings  an  Außenminister  Curtius  und  Brief  der  GSV  an  die  Presseabteilung  der  Reichsregierung
  (18.02.30),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  5.
41  Vgl.  Brief  des  AA  an  das  RMbesGeb  (04.09.30),  in:  BA-R  1601/1650.
42  Vgl.  SF  15/16  (1934/35)  28,  S.  609;  SF  15/16  (1934/35)  29,  S.  636.
43  Sein  Werdegang  nach  1935  konnte  nur  fragmentarisch  rekonstruiert  werden:  Posselt  trat  zum  01.05.37
in  die  NSDAP  ein.  Ferner  war  er  Mitglied  der  „Deutschen  Arbeitsfront“,  der  „NS-Volkswohlfahrt“,  im
„Reichsluftschutzbund“  und  „NS-Kriegerbund“  sowie  als  Journalist  selbstredend  in  der  Reichskulturkammer:
  Vgl.  BDC,  NSDAP-Mitgliedskarte  Posselt  (5588654).
44  Vgl.  KüSELLECK:  Der  Einfluß  der  beiden  Weltkriege,  S.  325-333.  Vgl.  auch  KRASSN1TZER,  S.  120-125
und  S.  139  ff.;  MOSSE:  Gefallen  für  das  Vaterland,  S.  224  ff.
45  Vgl.  SF  9  (1928)  13,  S.  197  f.  Vgl.  auch  SF  3  (1922)  18,  S.  268;  SF  8  (1927)  14,  S.  217.

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