Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

nun  auch  offiziell  als  Schriftleiter  verantwortlich.  Ohne
eine  führende  Position  innerhalb  des  Bundes  innezuhaben,
  prägte  er  dessen  Propaganda  wegen  seiner  langjährigen
  ehrenamtlichen  Tätigkeit  entscheidend  mit  '4.
Der  1885  geborene  Posselt  hatte  von  1909  bis  zu  seiner
endgültigen  Ausweisung  1920  den  Lokal-  und  Kommunalteil
  der  „Saarbrücker  Zeitung“  betreut.  Nach
eigener  Darstellung  war  er  während  der  gesamten
Kriegsjahre  an  der  Front  eingesetzt  und  wurde  —  mit
dem  EK  I  und  II  dekoriert  -  im  Januar  1919  aus  der
Reichswehr  entlassen.  Bis  zur  Auflösung  des  Saarbrücker
  national-liberalen  Wahlvereins  war  der  Protestant
  dort  Mitglied;  obwohl  er  nicht  immer  mit  dem
außenpolitischen  Kurs  Stresemanns  konform  ging,  trat
er  nach  dem  Krieg  der  DVP  bei34 35.  Wegen  angeblicher  Aufhetzung  der  Arbeiterschaft
wurde  Posselt  im  August  1919  verhaftet  und  über  den  Rhein  deportiert.  Drei  Wochen
später  hielt  er  auf  Veranlassung  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  vor  Vertretern  der
Berliner  Presse  einen  Vortrag  im  Herrenhaus  über  die  aktuelle  Entwicklung  der
pressepolitischen  Lage  im  Saargebiet36.  Ais  Vertrauensmann  Vogels  wieder  zur
„Saarbrücker  Zeitung“  zurückgekehrt'7,  sollte  Posselt  im  darauffolgenden  Sommer
erneut  wegen  Tätigkeit  für  den  Heimatdienst  bzw.  den  Saarverein  des  Landes  verwiesen
  werden;  gemeinsam  mit  der  gesamten  Redaktion  des  nationalliberalen  Saarbrücker
  Blattes  entzog  er  sich  der  Verhaftung  durch  rechtzeitige  Flucht  nach  Baden-Baden38.

Anfang  1921  fand  Posselt  eine  Anstellung  in  der  Berliner  Zweigstelle  von  „Mirbach's
  telegraphischem  Büro“,  wo  er  insbesondere  den  „Deutschen  Saarpressedienst“
betreute  und  für  Fragen  des  gesamten  besetzten  Gebietes,  Danzigs  und  Memels
zuständig  war.  Mit  der  Hälfte  seiner  Arbeitszeit  wurde  er  zur  Herausgabe  des  „Saar-Freund“
  freigestellt39.  Als  im  Frühjahr  1930  das  „Allgemeine  Politische  Informationsbüro“
  und  damit  auch  das  Mirbach-Konsortium  in  seiner  bisherigen  Form
aufgelöst  wurden,  plädierten  Hermann  Röchling  und  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“
  für  den  Ausbau  des  bisherigen  „Saarpressedienstes“  zu  einer  allgemeinen
Grenzlandagentur,  die  sich  ebenfalls  den  immer  wichtiger  werdenden  Ostfragen

Richard  Posseit

34  Vgl.  Vogel:  Richard  Posselt.
35  Vgl.  Brief  der  GSV  an  den  Landesverband  Groß-Berlin  des  Stahlhelm  (29.07.33),  in:  LA  Saarbrücken,
Saar-Verein  6.
36  Vgl.  Wortlaut  der  Rede  vom  16.09.19  im  Brief  der  GSV  an  das  PrMI  (20.09.19),  in:  BA-R  8014/662.
Vgl.  Brief  der  GSV  an  das  AA  (08.11.19),  in:  Ebd.
38  Vgl.  Ausweisungsbefehl  (um  13.08.20),  in:  StA  Saarbrücken,  Großstadt  1070;  BRUCH:  Weg  und
Schicksal,  S.  156;  SF  7  (1926)  2,  S.  23.
39  Vgl.  Brief  Posselts  an  das  RMbesGeb  (08.04.30),  in:  BA-R  1601/1650.

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